Arthur Cohn

Ein filmreifes Leben

Den siebten Oscar fest im Blick: Arthur Cohn Foto: dpa

Er ist auf allen Kontinenten der Welt zu Hause, kennt die (Film-)Welt und steht mit vielen Hollywood-Stars auf Du und Du. Am Samstag dieser Woche nun feiert der Schweizer Filmproduzent Arthur Cohn seinen 90. Geburtstag. Und wie um sein Alter Lügen zu strafen, zeigt Cohn nur wenige Tage nach seinem Geburtstag dann in seiner Heimatstadt Basel gleich sein jüngstes Werk: The Etruscan Smile, die Verfilmung eines spanischen Romans mit Rosanna Arquette und Brian Cox in den Hauptrollen.

Ruhepausen kennt Cohn nämlich auch mit 90 Jahren keine: Noch immer jettet er um den Erdball, ist auf der Berlinale ebenso anzutreffen wie bei der Academy Award-Verleihung in Los Angeles oder Großereignissen in Israel, wo seine drei Kinder und seine Enkelkinder leben.

auszeichnungen Nicht zuletzt Los Angeles ist einer seiner wichtigen Lebensmittelpunkte. Als mehrfacher Oscar-Gewinner weiß er, wie wichtig es ist, in der Welthauptstadt des Films vertreten zu sein. Sechs goldene Oscars stehen bei Arthur Cohn zu Hause, dreimal gewann er die begehrte Auszeichnung als Produzent in der Kategorie Dokumentarfilm, unter anderem für den Film Ein Tag im September, der die Ereignisse der Olympischen Spiele 1972 in München zum Inhalt hat.

Dreimal erhielt er den Oscar für den besten ausländischen Film. Darunter ist in erster Linie Der Garten der Finzi Contini (1970) zu nennen, sein bekanntestes Werk. Der Film unter der Regie von Vittorio De Sica berichtet vom Schicksal einer assimilierten jüdischen Familie im Italien des Zweiten Weltkriegs.

Dass Arthur Cohn in Hollywood Erfolg haben könnte, wurde ihm nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Allerdings stammt der großgewachsene Cohn, dessen Lieblingsgeste seine stets auf dem Rücken verschränkten Arme sind, aus einer bekannten jüdischen Familie: Sein Großvater Arthur Cohn war zwischen 1885 und 1926, mehr als 40 Jahre lang, der erste hauptamtliche Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel. In seine Amtszeit fällt der erste Zionistenkongress in Basel, den Rabbiner Cohn – im Gegensatz zu den meisten seiner orthodoxen Amtskollegen – willkommen hieß und so überhaupt erst möglich machte.

israel Auch Arthurs Vater Marcus war mit Israel und dem Zionismus verbunden: Der Anwalt beriet den jungen jüdischen Staat nach 1948 juristisch. Kein Wunder also, dass sich der Produzent Israel mehr als nahe fühlt. Cohns Mutter Rose ihrerseits schrieb Gedichte und Texte für das »Cabaret Cornichon«, das in der Schweiz vor und im Zweiten Weltkrieg mutig Stellung nahm gegen den Nationalsozialismus und seine Schweizer Mitläufer.

Die Liste von Arthur Cohns Auszeichnungen ist lang: Er war der erste nicht-amerikanische Produzent, der auf dem berühmten »Hollywood Walk of Fame« geehrt wurde. Gleich drei Universitäten haben ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Und 1995 erhielt er den höchsten französischen Orden, den ein Nicht-Franzose überhaupt erhalten kann.

Es mag überraschen, dass Arthur Cohns Hauptwohnsitz noch immer Basel ist. Doch er hält der Stadt und der jüdischen Gemeinde bewusst die Treue und lässt, das ist ihm wichtig, kaum einen Schabbatgottesdienst aus, wenn er sich in der Stadt aufhält. Hier kennt und schätzt man ihn, lässt ihm aber auch weitgehend seine Ruhe.

Und dann gibt es da noch ein weiteres Argument, das bei Cohn für Basel spricht: Passt es zeitlich, dann sitzt der Hollywood-Produzent nämlich immer auf der Stadion-Tribüne, wenn »sein« FC Basel ein Heimspiel austrägt – bei Regen oder Schnee ebenso wie bei 35 Grad.

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