Restitutionsstreit

»Echtes Instrument der Verständigung«

Eine Geige von Giuseppe Guarneri Foto: picture alliance / dpa

Im Streit um die hochwertige Geige eines jüdischen Vorbesitzers hat die Beratende Kommission für die Rückgabe von NS-Raubgut ihre Empfehlung einer Entschädigungszahlung an die Erben von 100.000 auf 285.000 Euro erhöht.

Die Franz Hofmann und Sophie Hagemann Stiftung und die Erben hatten nach Angaben der Kommission vom Freitag darum gebeten, den Wert des Instruments nach erfolgter Restaurierung zu ermitteln. Die Gutachten ergaben demnach im Durchschnitt einen Wert von 285.000 Euro.

gremium Der Musikalienhändler Felix Hildesheimer hatte die wertvolle Guarneri-Geige 1938 in Speyer erworben. Als Jude musste er kurz darauf Wohnhaus und Musikalienhandlung verkaufen, 1939 tötete Hildesheimer sich selbst. Es sei »nicht ersichtlich, wie Felix Hildesheimer die Geige auf eine Weise verloren haben könnte, die heute nicht zur Restitution verpflichten würde«, hieß es bei der Kommission. Für das Gremium von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden handelt es sich bei der Geige um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut.

Weil die Stifterin Hagemann die Geige in gutem Glauben erworben und die Stiftung bei der Aufklärung der Provenienz des Instruments mitgewirkt habe, verzichtete die Kommission 2016 darauf, eine Restitution zu empfehlen. Die Erben sollten finanziell entschädigt werden. Beide Seiten stimmten zu.

stiftung Die Stiftung, die juristisch in Amberg sitzt, aber vor allem in Nürnberg bei der Förderung junger Geiger aktiv ist, zahlte allerdings nicht. Aus ihrer Sicht erschien es wenig wahrscheinlich, dass Hildesheimer die Geige »auf eine Weise verloren hat, die eine Verpflichtung zur Restitution rechtfertigen würde«.

Die Beratende Kommission betont nun, der 2021 neu bestellte Vorstand der Hagemann Stiftung habe sich »in besonderer Weise für eine faire und gerechte Lösung in dieser Sache eingesetzt«. Die Kommission regt zudem ein Gedenkkonzert an, um aus der 1706 gebauten Geige »ein echtes Instrument der Verständigung« zu machen. dpa

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Aufgegabelt

»Back to school«-Müsliriegel mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 31.08.2026

Tournee

Graham Gouldmans Band 10cc kommt nach Deutschland

In diesem Monat erobert die legendäre britische Gruppe fünf Bühnen in der Bundesrepublik. In welchen Städten sind Auftritte vorgesehen?

 31.08.2026

Debatte

Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält an Israel-Hasserin El Hissy fest

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels weist Vorwürfe gegen die Jurorin Maha El Hissy zurück. Hintergrund ist eine Essayserie der Autorin, wegen der ihr die Verbreitung israelfeindlicher Stereotype vorgeworfen wurde

 31.08.2026

Interview

»Meine Musik soll Herzen öffnen«

Motty Steinmetz ist in der orthodoxen Welt ein Superstar. Sein Großvater überlebte Auschwitz, nun tritt er zum ersten Mal in Deutschland auf. Wir haben mit dem chassidischen Sänger gesprochen

von Jan Feldmann, Mascha Malburg  31.08.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Es war der Sommer 1987, und fast immer sah ich »Dirty Dancing«

von Margalit Edelstein  30.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  30.08.2026

Hessen

Antisemitismusbeauftragter kritisiert Berufung von Maha El Hissy in Jury des Deutschen Buchpreises

Uwe Becker charakterisiert die Literaturkritikerin als »Multiplikatorin israelfeindlicher Stereotype« und hofft auf ihre Abberufung

 30.08.2026

70 Jahre »Bravo«

Dr. Sommers Vermächtnis

Von 1969 bis 1984 war der Arzt Martin Goldstein »Dr. Sommer«, einer der wohl berühmtesten Ratgeber, den der deutsche Journalismus je hatte

von Hanna Persson  28.08.2026