»The Attaché«

Diplomatisches Drama

Hat es in Paris nicht leicht: der Israeli Avshalom Foto: Yonatan Birenbaum

Von wegen Romantik. Kaum sind Avshalom Cohen und seine Frau Annabelle Nohar-Cohen in Paris angekommen, da bricht schon die Hölle los. Islamisten verüben Anschläge auf den Bataclan-Konzertsaal sowie vier weitere Orte in der Stadt, was auch die Protagonisten der neuen israelische Dramaserie The Attaché mit in einen Strudel reißt.

Aufgrund seines »orientalischen« Aussehens wird Avshalom, der so gut wie kein Wort Französisch spricht, sofort als Terrorverdächtiger verhaftet und muss eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen. Erst seine Frau, die kurz zuvor ihren Posten als Attaché an der israelischen Botschaft angetreten hatte, kann ihn aus dieser misslichen Lage befreien.

Liebe Überhaupt wird die Stadt der Liebe für die beiden zum Problemort. Denn der Musiker, der in Tel Aviv von seinen Band-Kollegen unfein aus einer Plattenproduktion ausgebootet wurde, ist nur deshalb vom Yarkon an die Seine gezogen, weil seine Frau dort Karriere machen will. Auch der gemeinsame sechsjährige Sohn Uri fremdelt gewaltig mit seiner neuen Umgebung. Zudem ist Avshalom in Frankreich als Künstler ein Niemand, was ihm die Schwiegereltern der ursprünglich aus Frankreich stammenden Annabelle mal mehr, mal weniger subtil zu spüren geben.

Produziert wurde The Attaché von Abot Hameiri, dem israelischen Ableger des britischen TV-Contentlieferanten Fremantle, der wiederum zu Bertelsmann gehört und sich mit Erfolgsserien wie Shtisel bereits einen Namen gemacht hat. The Attaché soll nun den weltweiten Siegeszug israelischer Serienformate fortsetzen. Die Tatsache, dass die Handlung nicht in Israel selbst spielt, ist dabei überraschenderweise ein Vorteil.
Dem Beziehungsdrama zwischen Avshalom und Annabelle kommt die Funktion einer Folie zu, auf der gleich mehrere Konfliktlinien verhandelt werden, die teils sehr israelisch grundiert sind, teils aber auch von einem internationalen Publikum verstanden werden können. Genau dieser Balanceakt zwischen Lokalem und Globalem macht dann oftmals auch den Reiz solcher Produktionen »Made in Israel« aus.

Frauen In The Attaché ist es die Frau, die beruflich erfolgreich ist, und nicht der Mann, was für misrachisch sozialisierte Personen manchmal schwierig zu verdauen ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass Annabelle gebürtige Französin ist, die Jahre zuvor Alija gemacht hatte und sich in Israel erst einmal zurechtfinden musste.

Nun ist Avshalom an der Reihe, Erfahrungen als Neuling in einer ihm fremden Gesellschaft zu sammeln, was für ihn zu einer Herausforderung wird, wobei der Kampf mit einem Weihnachtsbaum dabei noch zu den komischeren Momenten zählt. In Paris wird der misrachische Jude Avshalom auch mit aschkenasischer Geschichte konfrontiert, wenn er in der Schule von Uri eine Erinnerungstafel für die in der Schoa ermordeten Schüler entdeckt und zugleich versucht, vor seinem Sohn den Horror der Vergangenheit so umzudeuten, damit das Kind nicht traumatisiert wird.

Hybris Doch manchmal wird dieser israelisch-französische Clash der Kulturen etwas nervig. »Ich wollte weg von dem ganzen Scheiß in Israel, und jetzt haben wir ihn hier in Paris«, bricht es beispielsweise aus Annabelle unmittelbar nach den islamistischen Anschlägen heraus. »Aber in Israel hätten sie die Terroristen schon gepackt.« Dies ist nur ein Beispiel von mehreren, die einen unangenehmen Überlegenheitsgestus mitschwingen lassen, der gelegentlich an Hybris grenzt, weil so die Botschaft lautet: Wer aus Israel kommt, weiß sowieso alles besser. Aber auch das macht das TV-Drama sehr sehenswert, wenn auch aus einer eher soziologischen Perspektive.

»The Attaché« läuft seit dem 14. März beim Streamingdienst Starzplay.

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