Berlin

Die Rückkehr des Golems

Das Jüdische Museum in Berlin widmet sich in seiner neuen Ausstellung Golem dem Mythos vom Menschen, der künstliches Leben erschaffen kann. Die Ausstellung, die am Donnerstagabend eröffnet wurde, ist bis zum 29. Januar zu sehen. Auf 900 Quadratmetern werden rund 120 Exponate präsentiert, darunter Kunstwerke von Anselm Kiefer und Joshua Abarbanel.

Zur Eröffnung am Donnerstag sagte Museumsdirektor Peter Schäfer, dass er schon lange den Wunsch gehegt habe, eine Ausstellung zu diesem Thema zu machen. Bereits als Dozent an der Universität Princeton in den USA habe er »immer ein großes Interesse an diesem Thema gehabt«, so Schäfer.

Die Ausstellung zeigt neben dem Aspekt des Bewahrers den Golem auch als Gefahr für Schöpfer und Umgebung. Weitläufig wird der Wunsch des Menschen, selbst als Schöpfer aufzutreten, thematisiert, womit die Figur des Golems Generationen von Künstlern und Autoren inspiriert hat.

mystik Ursprünglich ist der Golem ein aus unbelebter Materie erschaffenes Wesen der jüdischen Mystik. Der Mythos dieser Figur ist eng mit dem Rabbi Judah Loew aus dem mittelalterlichen Prag des 16. Jahrhunderts verbunden. Der Legende nach erschuf Rabbi Loew eine übergroße Figur aus Erde und hauchte ihr mithilfe hebräischer Buchstaben Leben ein, um die Prager Juden vor Unheil zu bewahren.

»Der Golem ist historisch und kulturell immer aktuell«, begründete Programmdirektorin Cilly Kugelmann ihre Begeisterung für die Ausstellung. Mehrere Künstler aus verschiedenen Ländern präsentieren den Golem als Symbol für die Herausforderungen der jeweiligen Zeit, vom Alter Ego des Menschen bis zum Cyborg und Figuren in Spielen und Comics. Der Golem veranschauliche unter anderem die Angst vor einem Kontrollverlust des Menschen über die neuesten Technologien, darunter Klonen und Robotik. (mit epd)

Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9–14, bis 29. Januar täglich von 10 bis 20 Uhr, montags bis 22 Uhr

www.jmberlin.de

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