Emden/Haifa

Die »Exodus« sticht erneut in See

Erschütterte im Sommer 1947 die Weltöffentlichkeit: das Schicksal der »Exodus« und der an Bord befindlichen 4500 jüdischen Flüchtlinge Foto: dpa

Das Schicksal der 4500 jüdischen Passagiere des Dampfers »Exodus« erschütterte im Sommer 1947 die Weltöffentlichkeit. Sie hatten den Holocaust in Europa überlebt und wollten ein neues Leben in Palästina beginnen. Mit Waffengewalt verhinderte die britische Marine das Vorhaben und deportierte die Flüchtlinge zurück in das Land der Täter, nach Deutschland. Das Theaterprojekt »Das letzte Kleinod« setzt die Geschichte nun an historischen Orten in Emden und Haifa in Szene.

Die deutsche Premiere ist für den 14. Mai, den 66. Jahrestag der Staatsgründung Israels, geplant. Spielort unter freiem Himmel ist eine frühere Kaserne in Emden, in der 2500 Passagiere der »Exodus« für sieben Monate interniert waren.

Zeitzeugen
Die Handlung des Stückes entwickelt der Autor und Regisseur Jens-Erwin Siemssen aus Berichten von Zeitzeugen. In Israel hat er bereits acht ehemalige Passagiere ausfindig gemacht, die auf der »Exodus« mitfuhren. Nun sucht er noch Augenzeugen aus Emden. Ein älterer Bewohner des Stadtteils Barenburg erzählte Siemssen von der Ankunft der Juden in der Kaserne. Sie trugen bunte Holzfällerhemden, die sie wohl von kanadischen Soldaten gegen die einsetzende Winterkälte bekommen hatten. Eine Frau erinnert sich an wissensdurstige Jungen, die regelmäßig zu ihr in die Bibliothek kamen.

Das Drama um die »Exodus« wurde weltweit bekannt, weil der israelische Autor Leon Uris 1958 die Geschichte in seinem gleichnamigen Roman erzählte. Hollywood griff den Roman auf und verfilmte ihn mit Paul Newman in der Hauptrolle.

Engländer
Nach der Kapitulation des NS-Regimes in Deutschland wollten viele Juden Europa verlassen und nach Palästina gehen. Doch das Land war damals britisches Mandatsgebiet. Die Engländer fürchteten, dass zu viele Einwanderer das politische Gleichgewicht kippen könnten und blockierten alle Versuche, Juden an Land zu lassen.

Die israelische Untergrundbewegung Hagana hatte den US-Ausflugsdampfer »President Warfield« gekauft und ihn so umbauen lassen, dass nahezu 5000 Menschen darauf Platz fanden. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion nahm das Schiff Anfang Juli 1947 die Flüchtlinge in Marseille an Bord. Als die Briten davon Wind bekamen, versuchten sie, das Schiff aufzuhalten.

Nach einer Verfolgungsjagd durch britische Kriegsschiffe benannten die Besatzung und die Passagiere die »President Warfield« am 17. Juli in »Exodus 1947« um. Auf hoher See hissten sie die weiß-blaue Fahne mit dem Davidstern – der späteren Flagge Israels. Der Kapitän plante, das Schiff mit Volldampf auf den Strand laufen zu lassen. Doch die »Exodus« wurde aufgebracht und nach mehrstündigen Kämpfen von britischen Soldaten geentert. Zunächst wurden die Flüchtlinge in Haifa interniert. Von dort schickte man sie zurück nach Hamburg. Hier wurden sie mit Waffengewalt von Bord geholt und auf Lager in Norddeutschland verteilt.

Lager
In Emden wurden die jüdischen Flüchtlinge im Winter 1947/48 nur am Rande wahrgenommen. Sieben Monate mussten sie in der Kaserne leben, durften sich aber selbst verwalten. Anders als in anderen Lagern konnten sie sich in Emden frei bewegen. In Lübeck wurden die Lager mit Stacheldraht und Türmen zu Gefängnissen umgebaut. Erst mit der Unabhängigkeit und Staatsgründung Israels 1948 fielen alle Restriktionen gegenüber den Juden. Die Wachen zogen ab, und die Lager wurden geräumt. Viele schlugen sich später über Umwege nach Israel durch.

In der kommenden Woche geht ein modernes Containerschiff auf die Reise nach Israel, beladen mit einem Container voller Theatertechnik und Requisiten. Ende März soll er in Haifa ankommen. In dem ehemaligen Haftlager in Atlit bei Haifa, wo die illegalen Einwanderer damals zunächst interniert wurden, sollen dann die Proben beginnen und die Uraufführung vorbereitet werden.

In Emden beginnen die Proben nach Ostern mit Schauspielern aus Israel, Deutschland und aus den Niederlanden. Dazu werden noch etwa 30 Emder Laienschauspieler gesucht, die an dem Stück mitwirken wollen.

Netflix-Dokumentation

Der Mann, der die Chili Peppers Red Hot machte

Man kann ohne weiteres behaupten, dass die Rockwelt ohne Hillel Slovak weniger bunt wäre. Eine Streaming-Doku hat dem in Israel geborenen ersten Gitarristen der Chili Peppers ein Denkmal gesetzt

von Richard Blättel  07.04.2026

Antisemitismus

London verweigert US-Skandalrapper Kanye West die Einreise

US-Skandalrapper Kanye West darf nach seinen antisemitischen und rassistischen Aussagen nicht nach Großbritannien reisen. Das hat auch gravierende Auswirkungen auf das mit ihm geplante Festival

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Weltglücksbericht

Israelis und die Freude am Leben

Trotz Kriegen und Terror landet der jüdische Staat weit vorn auf Platz 8. Die Forscherin Anat Fanti erklärt, warum

von Sabine Brandes  06.04.2026

Jazz

Omer Klein: »The Poetics«

Der israelische Pianist hat ein neues Album veröffentlicht. Es ist ein analoges Klangerlebnis, das innere und äußere Räume weit öffnet

von Ayala Goldmann  06.04.2026

Iryna Fingerova

»Man darf Kulturen nicht vergleichen«

Die Schriftstellerin und Ärztin über die Folgen einer Emigration, ihr Verhältnis zur Ukraine und das Leben als Jüdin in Deutschland – allesamt auch Themen ihres Romans »Zugwind«

von Maria Ossowski  05.04.2026

Dana von Suffrin

Wutgeburt

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  04.04.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richer, Imanuel Marcus  04.04.2026

Michael Brenner

»Für die Nazis durfte es ›arische Juden‹ eigentlich nicht geben«

Der Historiker erforscht das Schicksal von Konvertiten in der NS-Zeit. Ein Gespräch über Menschen, die in keine Schublade passten

von Ayala Goldmann  04.04.2026