»I Dance, But My Heart is Crying«

Der Sound des Scheunenviertels

Live Musik bei der Weltpremiere Foto: © 2024 by Flemming Postproduktion

Es war ein voller Erfolg. Das Babylon Kino in Berlin-Mitte, war am Mittwochabend Schauplatz der bewegenden Weltpremiere, des Musikfilms I Dance, But My Heart is Crying von Regisseur Christoph Weinert.

Schon die Vorankündigung des Films hatte bereits eine Welle der Vorfreude ausgelöst. Die Weltpremiere enttäuschte nicht. Weinerts Werk beleuchtet ein Kapitel der Geschichte, das lange Zeit im Dunkeln lag: die Musik jüdischer Künstler aus Berlin, deren Werke über 70 Jahre als verloren galten. Durch die Wiederentdeckung alter Schellackplatten, die in aller Welt verstreut waren, gelingt es dem Film, diese fast vergessenen Klänge wieder aufleben zu lassen.

I Dance, But My Heart is Crying erzählt die Geschichte der beiden Plattenlabels »Semer« und »Lukraphon«, die trotz der Unterdrückung im nationalsozialistischen Berlin jüdische Künstler unterstützten. Doch in der Pogromnacht des 9. November 1938 wurde ihre Musik, zusammen mit den Originalmatrizen, Texten und Noten, vollständig vernichtet. 

Das von den Nazis zerstörte Plattenlager, befand sich nicht einmal 100 Meter Luftlinie vom Babylon Kino, in der damaligen Grenadierstraße entfernt. Dieser barbarische Akt hinterließ eine Lücke in der kulturellen Landschaft, die erst jetzt wieder gefüllt wird.

Auf den Spuren zweier leidenschaftlicher Plattensammler

Der Film erkundet die beinahe unglaubliche Geschichte der beiden Plattenlabels aus Berlin und beleuchtet dabei das tragische Schicksal ihrer jüdischen Interpreten. Gleichzeitig zeigt er die Wiederbelebung einer Musik, die auch in der heutigen Zeit noch äußerst aktuell zu sein scheint und über die Jahrzehnte nichts von ihrer Relevanz und emotionalen Kraft eingebüßt hat.

Christoph Weinerts Werk folgt den Spuren der leidenschaftlichen Plattensammler, Rainer Lotz und Elijah Jakob Eissler. In mühevoller und akribischer Kleinarbeit trugen sie die Überreste dieser vergessenen Musik aus der ganzen Welt zusammen. 

Der einstige Sound vieler Berliner jüdischer Künstlerinnen und Künstler, auch der Sound des »Scheunenviertels« wird wieder zum Leben erweckt. In einem Statement auf der Website zum Film, wird erklärt, wie es zur musikalischen Zusammenarbeit kam.

Auch wenn der Film an das tragische Schicksal der jüdischen Künstler, die einst diese Lieder vortrugen, erinnert, stehen ihre großartigen Talente und künstlerischen Beiträge im Mittelpunkt der Erzählung. 

Weinerts Anliegen, die im Film porträtierten Künstler nicht primär als Opfer zu präsentieren, sondern vor allem ihr großes Talent ihre kreative Strahlkraft und ihre bis heute anhaltende gesellschaftliche Relevanz in den Vordergrund zu stellen, erwies sich als erfolgreich.

Im Frühsommer kommt der Film in die Kinos.

Die Weltpremiere war ein denkwürdiges Ereignis, das die Zuschauer auf eine emotionale Reise durch eine verloren geglaubte Welt mitnahm. Besucherinnen und Besucher des Kinos waren gleichermaßen berührt und beeindruckt von der Tiefe und Intensität der Vorführung. 

I Dance, But My Heart is Crying ist nicht nur ein Film über verlorene Musik, sondern auch über die unvergesslichen Geschichten und das Vermächtnis derjenigen, die sie geschaffen haben. Die Premiere war erst der Anfang seiner Reise. Im Frühsommer kommt der Film in die Kinos, um ein breites Publikum mit seiner bewegenden Geschichte zu erreichen.

In einer früheren Version wurde das »Semer Ensemble« aus »I Dance, But My Heart is Crying« als »The Klezmatics« bezeichnet. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 01.11.2026

Konferenz in Berlin

Wie die Schlagzeile das Israelbild formt

Bei einem Workshop an der Technischen Universität Berlin gingen Wissenschaftler und Journalisten der Frage nach, wie deutsche Medien über Israel berichten, welche Narrative dabei wirken und wo sich Fehler einschleichen

 01.11.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Der ungelesene Bücherstapel oder Die Bibliografie des idealen Menschen

von Nicole Dreyfus  01.11.2026

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  29.10.2026