Arthur Koestler

»Der Sklavenkrieg«

Foto: PR

Arthur Koestler

»Der Sklavenkrieg«

Der Roman des streitbaren und nicht immer angemessen gewürdigten Autors ist hoch spannend

von Ellen Presser  28.12.2021 10:34 Uhr

»Romane müssen für sich selbst sprechen«, meint Arthur Koestler (1905– 1983). Doch manchmal haben Romane eine Geschichte, die mindestens so spannend und verschlungen ist wie ihr Thema selbst.

Das trifft auf das Werk Der Sklavenkrieg von Koestler, der sich vom Mitglied der Kommunistischen Partei zum höchst kritischen Erforscher aller Facetten von Totalitarismus wandelte, absolut zu. Mit der Aufhebung des Eisernen Vorhangs eröffnete sich der Zugang zu Archiven in Russland.

Typoskript Doch es dauerte von 1994 bis 2016, bis man im ehemaligen KGB-Archiv in Moskau im Arthur-Koestler-Archiv ein Typoskript als ungekürztes Original des 1939 in London und 1948 in Hamburg veröffentlichten Romans Die Gladiatoren identifizierte.

Soeben ist es unter dem Titel Der Sklavenkrieg im Elsinor Verlag erschienen, der schon mit dem Buch Mit dem Rücken zur Wand. Israel im Sommer 1948. Ein Augenzeugenbericht ein Schlaglicht auf das Oeuv­re dieses streitbaren wie umstrittenen und nicht immer angemessen gewürdigten Autors warf.

Capua Der Roman erzählt die Geschichte von Spartacus, der aus der Gladiatorenschule von Capua ausbricht und damit 73 v.d.Z. den dritten römischen Sklavenaufstand auslöst. Es geht binnen zwei Jahren um den Aufstieg und Fall dieser zunächst erfolgreichen, durch innere Konflikte schließlich aufgeriebenen Befreiungsarmee gegen das zahlenmäßig überlegene römische Heer.

Das Thema ist so stark, dass 1960 ein vierfach Oscar-prämierter Film mit Kirk Douglas in der Titelrolle in der Regie von Stanley Kubrick auf den Markt kam. Die Vorlage zu diesem kommerziellen Film schuf Howard Fast.

Wenn die Zeitläufte es nicht anraten, Klartext zu schreiben, verlegt man Kritikwürdiges in die Vergangenheit. Der antike Sklavenaufstand, der 71 v.d.Z. mit dem Tod des charismatischen Anführers Spartacus endet, steht für die Ideale der Oktoberrevolution und deren Verrat, der sich im real existierenden Kommunismus und Stalinismus noch in ganz andere Dimensionen auswuchs.

Kenner Koestler, der vielsprachige Renegat, Geschichtenerzähler und Kenner jüdischer Geschichtsschreibung, lässt selbst im Historienroman seinen Sinn für Ironie nicht außen vor.

Die Zeit, in welcher der Roman spielt, ist detailgenau recherchiert. Sein Buch verfasste Arthur Koestler in formaler Vier-Teilung, die an die Makkabäer-Bücher erinnert. Zur Entstehungs-, Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte von Der Sklavenkrieg gibt übrigens der Anhang der Neuausgabe profund Auskunft.

Arthur Koestler: »Der Sklavenkrieg«. Roman. Nach dem deutschen Originalmanuskript. Mit einem Nachwort von Henry MacAdam. Elsinor, Coesfeld 2021, 389 S., 29 €

Glosse

Beim »Spiegel« kann man jetzt mit der Nazi-Kartei chatten

Das Hamburger Nachrichtenmagazin hat nachgelegt: Nun gibt es einen Chatbot, mit dessen Hilfe der Leser mit der NSDAP-Mitgliederkartei interagieren kann. Dafür verdient der »Spiegel« Lob, Grimme-Preis und Dank, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

Programm

BALAGAN, KUKURÍKU und Jazzy Diaspora: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 22. Oktober bis zum 28. Oktober

 21.10.2026

Mirjam Zadoff

Leiterin verlässt NS-Dokuzentrum München

Die Innsbruckerin geht zum 1. März 2027 ans Haus der Geschichte Österreich in Wien

 21.10.2026

Funfacts & Wissenswertes

10 Jahre

Zahl der Woche

 20.10.2026

Punk

»Gefilte Fuck« und andere Provokationen

Ein neuer Sammelband beleuchtet jüdische Identitäten, Antisemitismus und den Kampf dagegen in der Szene

von Pascal Beck  19.10.2026

Elfriede Jelinek

Virtuose Sprachkomponistin

Eine Würdigung der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin zu ihrem 80. Geburtstag

von Christa Gürtler  19.10.2026

New York

Mike Tyson droht Supreme wegen verschwundener Israel-Flagge auf Hoodie

Bei dem Streit geht es um ein Hoodie, das neben dem Boxer mehrere Nationalflaggen zeigt. Plötzlich war nicht mehr die des jüdischen Staates darunter, sondern die Palästina-Fahne

 19.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Aufgegabelt

Salat mit gerösteten grünen Bohnen

Rezept der Woche

von Yotam Ottolenghi  18.10.2026