Was ist das? Es ist unpünktlich, riecht schlecht und fährt im Kreis? Exakt: die Ringbahn. Ich fahre ziemlich oft mit diesem nervigen Gefährt, weil es einfach am Schnellsten geht. Und je nach dem, wie viel Kaffee ich bereits zu mir genommen habe, steige ich entweder grummelig oder sehr grummelig in die Ringbahn ein und auch wieder aus. Eigentlich sollte ich mich nach so vielen Jahren Ringbahn über gar nichts mehr aufregen. Ich glaube ich habe alles gesehen, gerochen und wahrgenommen, was man lieber nicht sehen, riechen und wahrnehmen muss. So leicht schockiert mich nichts mehr. Es nervt einfach nur.
Ich habe es schon mit Vermeidungstechniken probiert. Entweder direkt laufen, aber dafür muss das Wetter richtig gut sein. Oder Fahrrad fahren, aber ich fahre nicht so aggro wie alle anderen mit diesen High-End-Rädern, die sehr oft einfach auch im Fahrradwagen der Ringbahn vor sich hinstehen – und durch ihre diversen Features wen gleich noch einmal beeindrucken sollen? Die Tram ist auch immer schön, aber meine fährt gerade so ungünstig, dass ich eine halbe Stunde ins Büro bräuchte. Schauderlich.
Also: rein in die Ringbahn, komme was wolle. Alle drängeln, die Leute lassen ihre fetten Rucksäcke auf dem Rücken, manche Fahrgäste haben die Nacht noch nicht verdaut. Ich würde gern diese entspannenden Atemtechniken anwenden, um den Freundlichkeitswert meiner Stimmung zu erhöhen, aber allzu tief einatmen ist nicht empfehlenswert. Manchmal wünschte ich, ich würde mal mit Larry David oder Fran Lebowitz Ringbahn fahren. Wie das wohl wäre?
Ich stelle mir vor: Larry David spricht die Person mit einem dieser Räder, das Gassi gefahren wird, an, warum sie denn nicht einfach mit ihrem Rad fährt anstatt mit dem riesigen Teil die Plätze zu blockieren. Oder Fran Lebowitzʼ eventuell – nein, ganz sicher – befremdlicher Blick, wenn sie auf alle die schaut, die sklavisch auf ihr Mobiltelefon starren und wie bescheuert dumbscrollen. Vielleicht würden wir danach einen Kaffee oder Saft trinken gehen und uns gegenseitig anmuffen, wie kaputt Großstädte sind und die Leute darin und überhaupt die Welt, und danach würde jeder doch wieder in seine Bubble verschwinden. Zugegeben: Auf einer Fahrt mit der Ringbahn kann man schon einmal etwas halluzinieren.
Ganz ohne Halluzination, sondern echt wahr allerdings ist, dass eben benannter Larry David eine neue Show herausbringen soll. Sie heißt Life, Larry, and the Pursuit of Unhappiness: An Almost History of America, und einen Trailer gibt es auch schon. Darin reist David – zu Ehren von 250 Jahren USA – durch wichtige Momente der amerikanischen Geschichte. Wie zum Beispiel zu dem Tag, an dem das bekannte Foto von Alfred Eisenstaedt aufgenommen wurde, auf dem ein Matrose eine junge Frau – Greta Zimmer Friedman – küsst. Larry David (fast nicht zu erkennen mit Haaren und Hut) bekommt als Zeitreisender ohne Fein- und Fingerspitzengefühl diese Szene mit und denkt nun, sich ebenfalls küssend betätigen zu können. Aber da hat er die Rechnung ohne alle anderen um sich herum gemacht. Berühmte Gäste gibt es in Life, Larry, and the Pursuit of Unhappiness: An Almost History of America übrigens auch. So sollen Kathryn Hahn, Barack Obama oder Jon Hamm, der Hübsche aus Mad Men, mitspielen. Verflixt, warum sitzen die eigentlich nicht mal in der Ringbahn? Träumen kann man ja wohl noch mal.