Ein paar Tage lang wird sich das Februar-kalte Berlin noch in die roten Berlinale-Banden, Teppiche und Aufhänger einkuscheln, bevor der Glitzer der Filmstars die Stadt wieder verlässt und sie in einen 365 Tage währenden cineastischen Schlaf fallen wird. Ich mag die Berlinale wirklich.
Morgens um zehn im Kino zu sitzen und irgendwann gegen vier Uhr nachmittags wieder nach draußen zu gehen, ist zwar für den Schrittzähler und den gesamten Bewegungsapparat eine einzige Katastrophe, aber die erste Januarwoche, in der alle – ich eingeschlossen – regelmäßig zum Sport gegangen sind, Quinoa-Avocado-Salate gegessen und nur am Wochenende ins Croissant gebissen haben, ist ohnehin vorbei. Dann kann man auch im Kino vor sich hinsumpfen. Ich meine: Es ist sowieso dunkel da drinnen.
Ich sank in den Kinositz wie Mark Renton in »Trainspotting« in seinen Teppich
Neulich, bei einer Pressevorschau, schlief zwei Sitze neben mir sogar jemand ein. Am Film lag es nicht, der war super, aber wer weiß, wie lange der Mann schon unterwegs war? Welchen langen Weg er wegen ausgefallener S-Bahnen oder Bussen er hatte zu Fuß bewältigen müssen. Vielleicht hatte er sich auch im Kino verlaufen?
Egal wie: Er hatte es auch wirklich leicht. Der Kinosaal war übersichtlich voll, er war genau richtig geheizt, und die Sitze fühlten sich beinahe an wie Betten. Mit hochfahrbaren Beinstützen. Als ich mich in dieses sesselartige gepolsterte Gebilde fallen ließ, dachte ich sofort an die Szene in Trainspotting, als Mark Renton in den Teppich sinkt. Drogen waren bei der Filmschau allerdings nicht im Spiel, nur ein Riegel mit getrockneten Früchten.
Ich habe mich gefragt, ob Dua Lipa und Lea van Acken nicht gefroren haben in ihren leichten Stöffchen.
Der ist nämlich im Gegensatz zum Popcorn leise zu essen, halbwegs gesund und riecht im Vergleich zu den Broten aus der Stullenbüchse, die eine Frau bei einer anderen Vorführung aus ihrem Rucksack holte, nicht. Den olfaktorischen Effekt, den Wurstbrote, Bananen, hart gekochte Eier oder Reistaler auf einen halb vollen, mollig-warmen Kinosaal haben, ist – hm, wie sage ich es – also … Man kann auch in den Pausen draußen essen.
Dort wiederum ist es während der Berlinale immer kalt. Und ich habe mich gefragt, ob Dua Lipa und Lea van Acken nicht gefroren haben in ihren leichten Stöffchen. Oder auch Neil Patrick Harris oder Lars Eidinger mit tief ausgeschnittenen Anzugjacken, ohne etwas darunter zu tragen.
Es gab allerdings auch Outfits, die aussahen wie ein Skianzug von »Decathlon«, oder solche, die wie ein Jogginganzug geschneidert waren. Vielleicht nur ein Überbleibsel aus dem sportlichen Januar? Ich kann da nur rätseln.
Am stilsichersten sind Christiane Paul und Daniel Donskoy
Jedenfalls ist auch das Teil der Berlinale, bei allem Wichtigen und Berichtenswerten über kurze oder lange Filme: Outfits kommentieren. Wozu gibt es denn sonst den roten Teppich? Am stilsichersten, finde ich, waren bislang Daniel Donskoy mit schwarzem Anzug und einem kleinen Fascinator-Einsteck-Blümchen und Christiane Paul in einem bordeauxroten Satinkleid.
Allerdings gab es auch fernab des roten Teppichs Stilblüten – wie im Cubix am Alex: Ein alter Rocker in Jeansjacke mit Bandaufnähern stand neben einem Typ in Tracksuit, Pork Pie Hat und Schnauzer. Dabei hatte der Film noch gar nicht begonnen. Aber dit is Berlin – besonders zur Berlinale.