Finale

Der Rest der Welt

Tanzen? Nichts für mich – noch nicht. Foto: Getty Images/iStockphoto

Finale

Der Rest der Welt

It’s your Party oder Warum ich nicht tanze

von Eugen El  24.05.2022 09:10 Uhr

Da stehe ich also. Die Discokugel wirft hier und da ihre Glitzerlicht-Akzente, die Gesichter der Mittanzenden werden für einen kurzen Moment erleuchtet und verschwinden dann wieder im geheimnisvollen Dunkel des Klubs. Wobei ich meine Wortwahl vielleicht etwas präzisieren muss.

Denn während meine Freunde und alle anderen Klubgäste sich an diesem Abend nach zwei pandemiestarren Jahren zaghaft und dann immer ausgelassener an das Tanzen herantasten, stehe ich wie festgeklebt auf der Tanzfläche und beobachte die Szenerie.

kindergartenjahre Und während die anderen mein Dastehen irgendwie kurios oder auch nur schräg finden, weiß ich in diesem Augenblick ganz genau, dass ich mir über all die Jahre treu geblieben bin. Denn wie meine Eltern erzählen, habe ich schon in frühen Kindergartenjahren sämtliche dort abgehaltenen Feiern einsam in der Ecke stehend und schmollend verbracht.

Ihren Höhepunkt erreichte meine Party-Verweigerung ausgerechnet in den jugendlichen Oberstufenjahren an einem altehrwürdigen Gymnasium im osthessischen Schlüchtern. Während meine Jahrgangsstufe in einer für mich damals beängstigenden, sehr deutschen Effizienz eine Schuldisco nach der nächsten organisierte, stand ich nicht einmal in der Ecke, nein: Ich blieb den Disco-Abenden konsequent fern.

Kein Wunder, werden Sie sich jetzt bestimmt denken, so jemand kann später nur Zeitungsredakteur werden! Vielleicht ist da sogar etwas dran: Denn selbst in meinem jetzigen Beruf pflege ich eine Einsiedlerexistenz in meinem Frankfurter Bürozimmer, vier Zugstunden von allen Kolleginnen und Kollegen entfernt.

redaktionsluft Und selbst, als ich vor zwei Jahren für eine Weile Berliner Redaktionsluft schnupperte, verweigerte ich mich standhaft jedem Klubbesuch. Damals, Ende Februar 2020, dachte ich mir: Partys gibt es genug, ich gehe einfach auf die übernächste! Wer hätte da wissen können, dass ein kleines Virus dafür sorgt, dass in den Klubs für zwei Jahre das Licht ausgeht?

Ich gebe zu: Vielleicht war es mir sogar ganz recht, dass der Druck, ausgehen oder gar tanzen zu müssen, mit einem Mal verschwand. Doch jetzt gilt die Corona-Ausrede nicht mehr. Da stehe ich also auf der Tanzfläche und sehe den Mitmenschen dabei zu, wie sie die pandemischen Hemmungen und Beklemmungen nach und nach abschütteln. Tanzen, sage ich mir dann, werde auch ich ganz bestimmt – vielleicht ja auf der übernächsten Party …

Italien

Überschattet von Skandalen: Venediger Kunstbiennale beginnt

Die Jury tritt zurück, die große Feier fällt aus und ein israelischer Künstler sieht sich »völlig isoliert« – die 61. Kunstbiennale in Venedig war schon vor Beginn beschädigt. Nun hat sie ihre Tore offiziell geöffnet

 10.05.2026

Eurovision

Noam Bettan probt mit Buhrufen

Mehrere Länder boykottieren den Eurovision Song Contest 2026 wegen der Teilnahme Israels. Wie geht der Kandidat des Landes damit um, dass er in Wien zudem mit Störaktionen und Buhrufen rechnen muss?

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Aufgegabelt

Geburtstagskuchen

Rezepte und Leckeres

 10.05.2026

Muttertag

Moja Mama!

Die jiddische Mamme ist Motiv in etlichen Witzen. Dabei ist sie so viel mehr. Eine Würdigung aus der Perspektive eines Sohnes

von Jan Feldmann  10.05.2026

Kino

Preise des 32. Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg vergeben

Noch bis Sonntag zeigt das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg Produktionen aus 22 Ländern. Die beiden Hauptpreise wurden schon zur Halbzeit verliehen

 09.05.2026

Kulturkolumne

Heißt David demnächst »Dschihad«?

Warum Michelangelo heute nie den Goldenen Löwen der Kunstbiennale-Jury von Venedig bekommen hätte

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Meinung

Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie

von Benjamin Ortmeyer  07.05.2026