Finale

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images

Ich bin ja irgendwie ständig pleite. Und es scheint immer schlimmer zu werden. Deshalb hat der Familienrat (in Form von Alain, meinem Göttergatten) getagt. Und dabei eindeutig Svetlana, unsere Putzfrau, als größten Kostenfaktor identifiziert. Kurzum: Alain plädierte für ihren kurzfristigen Rausschmiss. Stattdessen haben wir nun einen Staubsauger-Roboter angeschafft.

Röbi der Roboter hat ein stylish glänzendes lackschwarzes Gehäuse, ist voll automatisiert und per Google-App mit meinem Handy verbunden. Cooler geht’s nicht! Ich kann wählen zwischen einem Krümel-, einem Teppichprogramm oder 100 anderen. Himmlisch! Und kann also frühmorgens ganz entspannt einige Befehle in meine App tippen und mich dann in mein Büro begeben, während Röbi zu Hause den Laden schmeißt. Alain ist im Homeoffice – mit strengsten Anweisungen, den Saug-Attacken unseres neuen Mitbewohners tunlichst aus dem Weg zu gehen.

furie Nach einer Stunde klingelt mein Telefon. Alain ist dran. Er klingt etwas gestresst: »Schalte diese Furie ab«, keucht er, »er verfolgt mich! Dauernd ist er hinter mir her, ich habe keine Sekunde Ruhe.« Augenrollend deaktiviere ich Röbi per App. Männer und Technik … Abends, als nach dem Essen und einer Runde Hausaufgaben alle endlich im Bett sind, aktiviere ich Röbis Nachtmodus: extra leises Saugen. Ich bin sehr zufrieden mit mir – bis ich mitten in der Nacht geweckt werde.

Alain schüttelt mich panisch. »Da ist er wieder! Er ist hinter mir her! Sogar nachts!!« Tatsächlich hört man neben seinem Bett ein tatendurstiges Röcheln. Röbi hat sich an Alains Bettdecke festgesaugt, und es bedarf unserer vereinten Kräfte, um ihn loszureißen. »Wir müssen dieses Biest schleunigst loswerden. Schaff ihn raus! Er oder ich!« Ich tippe nervös im Dunkeln auf meinem Handy herum und öffne die Saug-App.

Man kann eben nicht alles im Leben haben, oder?

Zum ersten Mal bemerke ich, dass es eine integrierte Bildergalerie gibt, um den Reinigungsfortschritt zu beobachten. Komisch, das sind ja lauter Bilder von Alain. Alain, wie er sich ein Brötchen schmiert, Alain bei der Rasur … »Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht«, sage ich zu ihm. »Die gute Nachricht: Röbi hat sich in unsere Google-Foto-App eingeklinkt und hat einen Gesichtserkennungs-Modus. Toll, oder? Jetzt die schlechte: Röbi hat dich anscheinend als Hauptschmutzfaktor identifiziert, und ich weiß nicht, wie man die Einstellung ändern kann.«

monster Wir sehen uns über Alains zerstörte Bettdecke hinweg an, während Röbis Armatur gespenstisch grün im Dunkeln blinkt und leuchtet. Ich habe ein Monster erschaffen. Aber Röbi zurück ins Geschäft bringen? Niemals! Denn inzwischen habe ich die Putze gefeuert und finde so schnell niemand anderen. Es gibt nur eine Möglichkeit, aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen: »Du änderst deinen Lifestyle. Statt überall Fussel und Brötchenkrümel zu hinterlassen, musst du mit Röbi kooperieren, damit er dich aus seiner Schmutzmacher-Galerie löscht«, sage ich zu Alain.

Seitdem dreht Röbi lammfromm seine Runden in der Wohnung, alles ist immer blitzsauber … und Alain redet nicht mehr mit mir. Aber man kann eben nicht alles im Leben haben, oder?

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.10.2026

Berlin

Igor Levit spricht über eigenes Label

Der Starpianist will andere Künstler unterstützen

 22.10.2026

Bildung

»Wir müssen investieren«

Der Präsident der Bar-Ilan-Universität, Arie Zaban, über Wissenschaft in politischen Krisenzeiten und deutsch-israelische Zusammenarbeit

von Gabriele Hermani  22.10.2026

Glosse

Beim »Spiegel« kann man jetzt mit der Nazi-Kartei chatten

Das Hamburger Nachrichtenmagazin hat nachgelegt: Nun gibt es einen Chatbot, mit dessen Hilfe der Leser mit der NSDAP-Mitgliederkartei interagieren kann. Dafür verdient der »Spiegel« Lob, Grimme-Preis und Dank, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

Programm

BALAGAN, KUKURÍKU und Jazzy Diaspora: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 22. Oktober bis zum 28. Oktober

 21.10.2026

Mirjam Zadoff

Leiterin verlässt NS-Dokuzentrum München

Die Innsbruckerin geht zum 1. März 2027 ans Haus der Geschichte Österreich in Wien

 21.10.2026

Funfacts & Wissenswertes

10 Jahre

Zahl der Woche

 20.10.2026