Finale

Der Rest der Welt

Alles ist erleuchtet Foto: Getty Images/iStockphoto

Chanukka ist gerettet! Noch vor Kurzem sah es so aus, als ob wir zu dritt feiern müssten. Wie an Pessach, eine Kleinfamilie an einer großen Tafel, mit Telefon-Schaltung zur erweiterten Großfamilie und unterdrückten Seufzern auf der anderen Seite der Leitung.

Doch inzwischen gibt es – natürlich unter Einhaltung der Kontaktregeln – dezente Chanukka-Einladungen für meinen Sohn. Zu meiner Begeisterung bin ich aber auch zu einer Post-Chanukka-Schabbat-Feier im kleinsten Kreis eingeladen – mit inoffiziellem Zünden der neunten Kerze und anschließend der Schabbatkerzen. Darauf eine Flasche Golan-Wein!

Post-Chanukka-Blues Es bleibe Licht: Diese Strategie sollte man ausweiten, damit dem Lichterfest nicht der Post-Chanukka-Blues folgt. Nichts hilft doch so gut durch die dunkle Jahreszeit wie eine Therapie mit mehreren Zehntausend Lux. Warum also nicht jeden Tag ein Licht mehr anzünden, auch wenn das Lichterfest schon zu Ende ist? Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass Kerzen nur zur Chanukkazeit leuchten dürfen.

Zum Glück bin ich auch zu einer Post-Chanukka-Schabbat-Feier eingeladen – mit inoffiziellem Zünden der neunten Kerze und dann der Schabbatkerzen.

Was wäre denn die Alternative für die Weihnachtstage in diesem Corona-Jahr? Traurig in der Ecke sitzen, während unsere nichtjüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger dem Fest der Liebe frönen, und uns ärgern, weil für uns der Messias immer noch nicht gekommen ist? Auch das beliebte jüdische Heiligabendprogramm »Zum Chinesen gehen« fällt diesmal aus.

Tannenbaum Ich selbst werde am 24. Dezember einen Weihnachtsflüchtling aufnehmen – einen Christen, der ausgerechnet an diesem Tag alleine ist. Aber nicht alle von uns haben die Möglichkeit, eine solche Mizwa zu tun, denn die Legende vom friedlichen Weihnachtsfest hält sich hartnäckig – und wer keine heile Familie hat, scheint sich in dieser Zeit umso mehr danach zu sehnen.

Von »Weihnukka« träumen und heimlich Christbaumkerzen horten … So weit darf es nie wieder kommen!

Dass der Heilige Abend eine idyllische Veranstaltung ist, habe ich allerdings schon als Kind bezweifelt – eine Freundin suchte immer sofort nach der Bescherung Asyl in der jüdischen Herberge (also bei mir), weil ihre Eltern die schlimmsten Streitereien des Jahres mit Vorliebe unter dem Tannenbaum austrugen.

Rückfall Aber ich muss auch zugeben: Als Kind besaß ich eine Pappkiste mit einer Kugel aus rotem Glas und Strohengeln und Wachsfiguren und solchen Sachen, die ein jüdisches Kind auf keinen Fall haben darf. Warum ich den Schmuck damals auf dem Weihnachtsmarkt gekauft habe? Weil wir bis zu meinem zehnten Geburtstag sogar Tannenzweige auf dem Esstisch hatten, und das in einem jüdischen Haushalt! Neulich habe ich die Kiste des Anstoßes bei meiner Mutter wiedergefunden und mich entschieden, sie dort zu lassen, um auf keinen Fall rückfällig zu werden.

Jetzt habe ich mich vor einem Schaufenster dabei ertappt, wie ich eine Lichterkette anstarrte. Von »Weihnukka« träumen und heimlich Christbaumkerzen horten … So weit darf es nie wieder kommen! Chanukka muss fortgesetzt werden – mindestens bis zum 26. Dezember, also bis zur 17. Kerze. Ich habe schon fünf Päckchen Chanukkakerzen gehamstert. Und wer die Weihnachtskrise schiebt, darf sich gerne bei mir melden!

Kinder

Noah, Ben oder Lea?

Warum sich biblische Namen im deutschsprachigen Raum großer Popularität erfreuen

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

Ludwigshafen

Neue Ausstellung zu Ernst und Karola Bloch: Fotografische Reise

Eine neue Schau in Ludwigshafen zeigt das ereignisreiche Leben der Familie Bloch zwischen Exil und Heimatsuche anhand des fotografischen Nachlasses – in privaten und öffentlichen Momenten

von Norbert Demuth  26.08.2026

Nachruf

Großmeister der ausgreifenden Erzählung

Mit seinen Epochenromanen prägte er das literarische Bild Europas. Nun ist der vielfach ausgezeichnete Autor Peter Nadas gestorben

von Gregor Mayer  26.08.2026

Bremen

Philosophin Lea Ypi erhält Hannah-Arendt-Preis 2026

Die albanisch-britische Philosophin Lea Ypi erhält den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2026. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Dezember im Bremer Rathaus verliehen

 26.08.2026

70 Jahre »Bravo«

Dr. Sommers Vermächtnis

Von 1969 bis 1984 war der Arzt Martin Goldstein »Dr. Sommer«, einer der wohl berühmtesten Ratgeber, den der deutsche Journalismus je hatte

von Hanna Persson  26.08.2026

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Nachruf

Wie Dolly Parton zur Ikone wurde

Die Country-Legende Dolly Parton ist tot. Dass sie zu einem weltweit verehrten Star wurde, lag auch an ihren jüdischen Freunden und Geschäftspartnern

von Sophie Albers Ben Chamo  26.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 26.08.2026 Aktualisiert

Kommentar

Unpolitisch war gestern

Der ESC unterliegt künftig neuen Regeln für Krisenstaaten, Israel kann nach wie vor am Wettbewerb teilnehmen. Noch ist das keine Lex Israel. Aber der Eindruck entsteht

von Nicole Dreyfus  26.08.2026