Glosse

Der Rest der Welt

Wenn gar nichts mehr ging, aß ich einfach eine Brezel. Foto: Getty Images / istock

Ich kam am Vorabend von Schawuot zur Welt. Dem Fest also, bei dem es kulinarisch um alles geht, was aus Milch hergestellt werden kann. Blöd nur, dass ich trotz dieses tollen Geburtstags nichts davon habe, weil ich allergisch auf Milchprodukte bin. Ein Krümel Käsekuchen, und der Notarzt muss kommen.

Deutschland Es ist zugegebenermaßen nicht meine einzige Einschränkung. Ich esse auch kein Fleisch und bin kein großer Fan von Bier. Wenn Leute das hören, rollen sie regelmäßig die Augen und fragen: Warum bist du denn dann nach Deutschland gekommen?

Besonders, wenn ich meine Milchallergie erwähnte, begegneten mir viele ratlose Gesichter.

Als ich damals im Herbst nach Berlin zog, stieß ich auf eine komplett andere Küche: Meine Freunde versuchten, mich im kalten Herbst mit gehaltvollem Essen, kalorienreicher Kost und anderen Gerichten, die ich nicht essen konnte oder wollte, zu beeindrucken.

Hummus Ich wollte natürlich nicht unhöflich sein und aß zumindest das, was gerade so ging: vorrangig Brot, Kartoffeln oder Mayonnaise. Mein Speiseplan bis dato bestand zu großen Teilen aus richtig frischen Salaten, Smoothies, Hummus oder eher leichten Gerichten – israelische Küche eben.

Besonders, wenn ich meine Milchallergie erwähnte, begegneten mir viele ratlose Gesichter. In der Kantine bei der Arbeit war es am Schlimmsten. Meine Notlösung hieß daher immer: Brezel essen. Das allein machte mich aber nur kurz satt. Und so hatte ich, auch nach dem Genuss mehrerer Brezeln pro Tag, quasi die ganze Zeit Hunger. Das Ende vom Lied war: Ich nahm acht Kilo zu. Acht Kilo!

Frische Salate, Smoothies, Hummus – warum hörte denn nur keiner auf mich!

WHO Da ich Diäten verabscheue, suchte ich in der Welt der Wissenschaft nach Antworten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte im Jahr 2014 einen Bericht, in dem es hieß, dass mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig ist. Und laut dem renommierten medizinischen Fachblatt »The Lancet« haben die Deutschen einen der höchsten Cholesterinspiegel Europas. Zur Begründung nannte der Professor den hohen Bierkonsum und das fettige Essen. Die Lösung: die Mittelmeer-Diät.

Sag ich ja! Frische Salate, Smoothies, Hummus – warum hörte denn nur keiner auf mich! Ich dachte nach: Die Deutschen können so vieles so richtig gut, effizient den Urlaub planen, Geld sparen, Smalltalk vermeiden und gut zur Umwelt sein. Warum also konnten sie nicht auch die alten schweren Gerichte aus Omas Speiseplan etwas leichter zubereiten oder sie um ein paar Salatblätter ergänzen?

Brezel Aber ich schweife ab: Wie ging es nun mit mir und meinem Brezelbauch weiter? So weit ganz gut, denn ich habe bereits vier Kilo abgenommen, und an dem Rest arbeite ich noch. Schließlich lebe ich ja in Berlin und habe so viele Möglichkeiten, – ob nun mediterran oder asiatisch –, gesund zu essen und Milch, Fleisch und alles andere, was ich nicht mag, wegzulassen.

Sorgen mache ich mir aber um die Deutschen, die sich in dem WHO-Bericht wiederfinden. Deshalb habe ich einen Vorschlag: Lernen Sie kulinarisch von den Immigranten! Immerhin ist doch Schawuot, und geht es da nicht auch um neue Anfänge?

ESC 2026

Brugger und Schöneberger moderieren ESC-Vorentscheid mit neun Acts

Die ARD verspricht für den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) eine breite musikalische Palette. Das TV-Publikum kann am Ende der Show am 28. Februar zwischen drei Acts auswählen

 16.01.2026

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  16.01.2026

Jerusalem

Rachel Goldberg-Polin veröffentlicht Memoiren

Die Mutter der getöteten Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin: »Ich setzte mich hin, um meinen Schmerz aufzuschreiben, und heraus strömten Verlust, Leid, Liebe, Trauer, Hingabe, Kummer, Verehrung und Zerrissenheit«

 16.01.2026

Fernsehen

»Antisemitismus in Deutschland« im Ersten

Am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, wird ein »ARD extra« zum Thema Judenhass ausgestrahlt. Am nächsten Tag erfolgt eine Übertragung der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag

 15.01.2026

Fernsehen

Dschungelcamp 2026: Gil Ofarim soll Rekord-Gage kassieren

Der 43-jährige Sänger bekommt laut »Schlager.de« für seine Teilnahme an der in Australien gedrehten Show mehr Geld als je ein Teilnehmer zuvor

 15.01.2026

Dresden

Berben: »Sprachlos darf man nur einen Moment sein«

Die Schauspielerin Iris Berben engagiert sich seit vielen Jahren für eine demokratische Gesellschaft. Beim Dresdner Semperopernball wird sie ausgezeichnet

 15.01.2026

Tel Aviv

TV-Koch in Israel: Kochen gibt in Kriegszeiten Halt

Ist es angemessen, in Kriegs- und Krisensituationen viel Zeit auf gutes Essen zu verwenden? Ja, sagt Tom Franz aus Israel. Gerade dann erfülle Kochen eine wichtige Funktion

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026