Finale

Der Rest der Welt

Feministinnen sollten Black Cube scharf im Auge behalten.

Finale

Der Rest der Welt

Was Mossad-Agenten zum Mitzvah Day beitragen können

von Ayala Goldmann  13.11.2017 19:48 Uhr

Um Ausreden sind Männer selten verlegen: »Als wir den Job angenommen haben, hatten wir keine Ahnung, dass es DARUM ging«, sagt Ascher Tischler. Falls Sie noch nie von ihm gehört haben sollten: Der Mann ist Vorstandsmitglied der Firma Black Cube – einer Sicherheitsfirma in Tel Aviv, in der ehemalige Mossad-Agenten zivilen Missionen nachgehen.

Ein Blick auf die Website von Black Cube zeigt gehobenen Agenten-Style: einen schwarzen Würfel, einen gesichtslosen Mann im schwarzen Anzug und eine Botschaft der »Corporate Intelligence« für potenzielle Klienten mit dem nötigen Kleingeld: In der Firma agiere eine »ausgewählte Gruppe von Veteranen der israelischen Elite-Intelligenzeinheiten, die sich auf maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Herausforderungen in Business- und Rechtsstreitfragen spezialisiert«.

Nun aber sind die Edel-Agenten in die Schlagzeilen geraten: Die Firma musste einräumen, im Auftrag von Harvey Weinstein Frauen bespitzelt zu haben, die der Filmproduzent belästigt, begrapscht oder vergewaltigt haben soll – damit all diese Niedrigkeiten, die Ascher Tischler so treffend mit »DARUM« zusammenfasste, nicht ans Tageslicht kommen.

Agenten Weitere Ausreden gefällig? »Zu dieser Zeit erschien es als vernünftige Regelung für einen Kunden, aber es war nicht durchdacht, und das war mein Fehler«, sagt David Boies, einer der Anwälte von Weinstein, der die Verträge mit Black Cube abschloss.

Als wäre diese Agenten-Story noch nicht absurd genug, floss durch eine weitere Wendung noch mehr Wasser auf die Mühlen von Verschwörungstheoretikern, die bei allem Bösen auf der Welt immer nur die Juden, den Mossad und die Weisen von Zion am Werk sehen: Als Bindeglied zwischen dem mutmaßlichen Sex-Maniac in L.A. und den Edelspionen in Tel Aviv fungierte ausgerechnet Israels Ex-Regierungschef Ehud Barak.

»Vor mehr als einem Jahr wurde Barak von Weinstein gefragt, ob er eine israelische Firma kenne, die ihm in Geschäftsangelegenheiten behilflich sein könne«, ließ der Pressesprecher des Ex-Premiers mitteilen. Barak habe den Kontakt zu Black Cube hergestellt, aber »bis zu diesem Morgen war Barak nicht bewusst, dass die Firma von Weinstein beauftragt wurde, oder für welche Zwecke und Operationen«.

Comeback Armer Ehud, so wird das schwierig mit dem politischen Comeback. Black Cube-Vorstandsmitglied Tischler erklärte unterdessen in einem Interview im israelischen Fernsehen, seine Firma wolle die umgerechnet 1,1 Millionen Euro Honorar von Weinstein an eine Frauenrechtsorganisation spenden. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es den Agenten vor allem um ihren guten Ruf und ihre zukünftigen Aufträge geht.

Vielleicht tut es ihnen aber auch aufrichtig leid, und sie wollen sich endlich am weltweiten Mitzvah Day beteiligen? Feministinnen sollten Black Cube scharf im Auge behalten – und schon einmal ihre Kontonummer nach Tel Aviv durchgeben. Denn eine Mizwa, das wussten schon unsere Weisen, zieht weitere Mizwot nach sich!

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richer  05.11.2026

Kulturkolumnne

Bis 120 oder Wie wir doch noch zu Muskeljuden werden

In der heutigen Zeit ziehen körperliche Optimierungstrends nicht spurlos an uns vorbei. Sollen wir uns davon beherrschen lassen?

von Laura Cazés  05.11.2026

Kino

Im Angesicht der Schmerzen, der Angst und Scham

»Block 10« beleuchtet die medizinischen Experimente an Frauen in Auschwitz – und versteht sich auch als eine Antwort auf die Gegenwart

von Chris Schinke  05.11.2026

London

Banal, schlicht und ironisch

Julia Pascals Theaterstück »The Banality of Evil: Hannah Arendt, France, 1940« erzählt von Hannah Arendt, Charlotte Salomon und Eva Daube als deutsche Jüdinnen in Frankreich und ihrem Leben zwischen zwischen Exil, Gefangenschaft und Überlebenskampf

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  05.11.2026

Geburtstag

Wider die Gedankenlosigkeit: Wolf Biermann wird 90

Als junger Mensch war für ihn die DDR das bessere Deutschland. Doch bald wurde Lyriker und Liedermacher Wolf Biermann ihr schärfster Kritiker. Auch nach der Ausbürgerung blieb er ein wacher und kritischer Geist. Am 15. November wird er 90

von Thomas Bickelhaupt  05.11.2026

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  05.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  05.11.2026

Sehen!

»Doitscha – Alles geht vorüber«

Die Tragikomödie »Doitscha – Alles geht vorüber« in der ARD beruht auf einem Buch von Adriana Altaras

von Pascal Beck  04.11.2026