Finale

Der Rest der Welt

Mütter und Omas sehen alles – Kinder leider auch Foto: Thinkstock

Sie hinterlassen einen Pfad der Zerstörung. Jeden Morgen, wenn meine Kinder endlich zur Schule abschieben, bleibe ich zurück und wate beinahe knietief in leeren Coladosen und Kekspackungen, feuchten Handtüchern, Tennissocken, die noch aus dem Pleistozän zu stammen scheinen, Modder-T-Shirts, die bestimmt prima Nährboden für Kleinstlebewesen bieten.

Am liebsten würde ich für die nächsten Jahre in ein Hotel ziehen. Stattdessen teile ich meine Wohnung mit: fröhlich bunten Zahnpastaschlangen im Waschbecken, diversen Wäschehaufen unterm Bett, auf denen beinahe schon Penicillin wächst. Ich kann nicht mehr. Ich muss hier raus!

urlaub Zum Glück fahren wir morgen weg, in den Urlaub zu meinen Eltern, in das beschauliche Stuttgart. Und ich kann, wie jedes Jahr, fassungslos miterleben, wie sich meine kleinen Dreckschleudern unter Omis strengem Blick in kleine putzwütige Engelchen verwandeln!

Hingegeben schrubben die Kleinen jeden Abend die Waschbecken, auf dass Omi sich nicht über Zahnpastaschlangen aufregen muss. Beflissen wird nach jeder Mahlzeit das Geschirr gewaschen und gewienert, dass man sich drin spiegeln kann. Als Lohn lässt Omi den Kleinen bergeweise Palatschinken, Quarkpogatschen und Profiteroles satt zukommen.

Aber auch ohne die Extra-Kalorien-Zuwendungen sind die Kids verrückt nach Omi, liegen ihr zu Füßen und lassen sich in Endlosschlaufe Karius und Baktus vorlesen. Vielleicht sollte ich meine Wohnung in eine Art Big-Brother-Container mit Live-Feed direkt zu Omi verwandeln, damit sie mal sieht, wie es bei uns zu Hause abgeht. Moment! Das ist die Idee!

rückfahrt Am Tag vor der Rückfahrt ziehe ich mich mit Omi samt Mikrofon und Rekorder zu einer Geheimsitzung hinter verschlossenen Türen zurück. Und als wir wieder zu Hause sind, verwandele ich die Wohnung in ein Omi-Gesamterlebnis! Überall sind Fake-Kameras installiert, ich lasse die Kinder wissen, dass sämtliche Zimmer überwacht und alles live zu Omi nach Stuttgart übertragen wird!

Mit Spannung erwarte ich die erste Zahnpastaschlacht im Bad. Ein geheimer Knopfdruck, und Omis Stimme schallt mahnend aus einem versteckten Lautsprecher: »Nein, nein, nein, keine Zahnpastareste bitte! Alles schön wegputzen, meine Süßen!« Die Kinder verschlucken sich vor Schreck beinahe an der Zahnpasta. In Sekundenschnelle sind die Waschbecken blitzblank geputzt!

sockensortieren Ich bin ein Genie! Endlich ziehen Ruhe und Ordnung in meine Wohnung ein. Per WhatsApp ordere ich ein paar neue Voice-Messages von Omi aus Stuttgart, um sie in mein geniales Überwachungssystem einzuspeisen. Diesmal zu den Themenwelten: Happy Abwasch, fröhliches Staubwischen und beglücktes Sockensortieren!

Dumm nur, dass ich mein Handy habe herumliegen lassen, sodass meine findigen Kinder die Messages noch vor mir gehört haben. Herauszufinden, dass die Kameras nur billige Imitationen sind, war den Kids sodann ein Leichtes, und jetzt sind sie stinksauer, reden nicht mehr mit mir und haben geschworen, im Leben keinen Spülschwamm mehr anzufassen, außer, die echte und wahrhaftige Omi steht direkt daneben. Eben habe ich meine Mutter per WhatsApp gebeten, doch bei uns einzuziehen. Ich warte noch auf Antwort!

Zahl der Woche

Platz 28

Fun Facts und Wissenswertes

 13.01.2026

Erinnerungskultur

Bund fördert Projekte zu NS-Zeit und deutscher Teilung

Der Bund fördert in den kommenden Jahren neue Projekte in Gedenkstätten

 13.01.2026

Auszeichnung

Vier Deutsche mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr werden vier Personen und eine Initiative geehrt

 13.01.2026

Wien

Eurovision Song Contest: Israel startet in der ersten Halbfinalrunde

Israel trifft in der ersten Runde unter anderem auf Portugal, das sich gegen die Teilnahme des jüdischen Staates ausgesprochen hatte

 13.01.2026

Großbritannien

J.K. Rowling prangert Schweigen zu Iran-Protesten an

»Wenn du vorgibst, für Menschenrechte einzutreten, es aber nicht über dich bringst, Solidarität mit Menschen zu zeigen, die im Iran für ihre Freiheit kämpfen, dann hast du dich selbst entlarvt«, schreibt die »Harry Potter«-Autorin

 13.01.2026

Justiz

Melanie Müller und der Hitlergruß auf der Bühne: Das Landgericht Leipzig hat nun sein Urteil gesprochen

Die Schlagersängerin hatte bei einem Konzert in Leipzig mehrfach den Hitlergruß gezeigt

 12.01.2026

Kino

»Von Berlin nach Hollywood« zeigt berühmte Filme von Exilanten 

Die Nazis haben viele bedeutende Filmschaffende aus Deutschland ins Exil in die USA getrieben. Eine Filmreihe zum 120. Geburtstag von Regisseur Billy Wilder in Berlin beleuchtet ihr Schaffen

von Markus Geiler  12.01.2026

TV-Tipp

»Watching You - Die Welt von Palantir und Alex Karp«

Der RBB zeigt eine Doku zum Software-Unternehmen Palantir und seinem Gründer Alex Karp

von Jan Lehr  12.01.2026

Film

100 Jahre »Panzerkreuzer Potemkin«: Eisensteins Kultfilm gefeiert

Sergej Eisensteins Revolutionsepos »Panzerkreuzer Potemkin« gilt als Meisterwerk sowjetischer Propaganda, aber auch als einer der besten Filme überhaupt. Zu seinem runden Geburtstag wird der Kultfilm gefeiert

von Ulf Mauder  12.01.2026