Finale

Der Rest der Welt

Erinnern Sie sich noch an Purim? Also an die Tage, bevor Sie Gut und Böse nicht mehr so richtig unterscheiden konnten? Wissen Sie noch, wie niedlich Sie die Kostüme Ihrer Kleinen fanden, und wie viel Spaß es machte, die Mischloach Manot vorzubereiten?

Was so friedlich mit dem relativ ruhigen Erzählen der Purimgeschichte begann, steigerte sich im Rhythmus der selbst gebastelten Rasseln unserer Töchter in zunehmendes Stirnrunzeln bei meiner Frau und mir: Denn uns Eltern erreichte die Nachricht, dass sich die Kinder in der Woche vor Purim im Kindergarten und in der Schule jeden Tag anders verkleiden sollten. Und während dieser Kostümkalender bei meinen Töchtern für leuchtende Augen sorgte, hätten wir Eltern – stressbedingt – die wohl wichtigste Mizwa an diesem Fest gedanklich gerne vorgezogen.

kostümierungsvorgaben Glücklicherweise erwiesen sich die meisten Kostümierungsvorgaben aber als leicht durchführbar. Meine Sechsjährige sollte, so der Wunsch der Schule, am Sonntag in einem gestreiften oder karierten Outfit erscheinen. Am Montag mussten die Mädchen Jungenkleidung und die Jungen rosa Pullis tragen. Meine Tochter jedenfalls fand die Idee, auch mal mit einem Batman-, Dinosaurier- oder Spiderman-Sweater in die Schule zu gehen, ganz aufregend. Ob Eisprinzessinnen- und Cinderella-Pullis bei ihren Mitschülern ebenso beliebt waren, weiß ich nicht.

Am Dienstag standen dann verrückte Hüte, andere lustige Kopfbedeckungen oder wilde Frisuren auf dem Programm. Mittwoch stieg in ihrer Klasse die größte Purimparty, bei der freie Kostümwahl galt. Meine Tochter wünschte sich hierfür ein Schwanenkostüm. Zum Wochenabschluss bekamen die Eltern dann immerhin am Donnerstag eine kleine Verschnaufpause, denn das Motto hieß »Pyjama-Party«. Wir konnten unsere Tochter einfach im Schlafanzug zum Schulbus bringen, was nach den Verkleidungsorgien der vergangenen Tage eine echte Erleichterung war.

kinderspiel Die eigentlichen Purimfeiertage, mit Umzügen und Kostümpartys, kamen uns nach einer Woche Kostüm-Training in den Disziplinen »den Nachwuchs gepunktet, gestreift, kostümiert« oder »den Nachwuchs mit bunten Hüten, Kronen und Accessoires geschmückt trotzdem pünktlich aus dem Haus bringen« wie ein Kinderspiel vor.

Falls Sie sich nun fragen, wie denn eigentlich meine Verkleidung dieses Jahr aussah: Für die Purimparade in unserem Dorf entschied ich mich für eine Polizeiuniform. So konnte ich wenigstens mit gutem Gewissen den einen oder anderen Drink ablehnen und auf diese Weise dem Kater am Tag danach entgehen. Nicht ohne Hintergedanken, denn bei dem derart aufwendigen Kostüm-Stundenplan unserer Kinder muss ich mir jetzt schon einmal Gedanken über die Verkleidung fürs nächste Purimfest machen.

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