Finale

Der Rest der Welt

Das Hightech-Land Israel macht wieder von sich reden. Ein Start-up-Unternehmen in Tel Aviv will die Nahrungsmitteltechnik revolutionieren. Statt, wie seit Anbeginn der Menschheit üblich, Fleisch durch das Töten von Tieren zu gewinnen, plant die Firma »Supermeat«, in Zukunft tierische Muskelfasern gentechnisch im Labor zu züchten. Dazu werden Hühnern Zellen entnommen, die sich dann in einem eigens entwickelten Apparat selbstständig zu Fleisch entwickeln.

Das Unternehmen hat sich auf Geflügel spezialisiert und will so bald wie möglich Hühnchen aus der Retorte auf den heimischen und internationalen Markt bringen. Da dies aber Israel ist, muss zuvor natürlich ein Grundproblem geklärt werden: Was sagt die Kaschrut zu Hightech-Fleisch? »Supermeat« hat eine Reihe orthodoxer Toragelehrter aufgeboten, die versichern, dass das neue Produkt koscher ist, genauer: parve.

Hechscher Die Begründung: Tierische Zellen seien, halachisch gesehen, kein Fleisch, eine daraus hergestellte Substanz sei zudem eine Neuschöpfung. Andere Rabbiner allerdings widersprechen dieser Interpretation. Fleisch sei Fleisch, sagen sie, egal, wie es entstanden ist. Auch Retortenhühnchen bräuchten deshalb eine rabbinische Zulassung. Dass Koschersiegel kostenpflichtig und eine Einkommensquelle für Rabbiner sind, spielt bei dieser Auslegung selbstverständlich keine Rolle. Die Debatte wird mit Sicherheit die Rabbinate weltweit eine ganze Weile beschäftigen.

In der Zwischenzeit aber muss ein weiteres dringendes Problem geklärt werden. Denn die Retortenhühnchen werfen nicht nur Fragen der Kaschrut auf, sondern bergen auch sozialen Zündstoff. Falls die neue Technologie sich durchsetzt, wird in Zukunft das Schlachten überflüssig sein. Tierfreunden mag das gefallen. Und uns Juden in der Diaspora würden nervige Debatten über das Schächten erspart bleiben. Aber was geschieht dann mit den Tausenden von Schochetim?

Familie Nicht nur, dass ein Jahrtausende alter angesehener Beruf verschwinden würde – ein Kulturverlust sondergleichen; Tausende Männer, die bisher mit dem rituellen Schlachten den Lebensunterhalt für sich, ihre Frauen und ihre (in der Regel zahlreichen) Kinder verdient haben, würden zudem ins materielle Elend gestürzt. Deshalb bedarf die neue Nahrungsmitteltechnologie dringend flankierender Sozialmaßnahmen.

Eine Möglichkeit zum Beispiel könnte sein, die Schochetim umzuschulen, am Besten in verwandte Tätigkeiten. Der Beruf des Mohel böte sich da an. Schneiden haben die Leute ja gelernt; ob Halsschlagader oder Vorhaut ist nur eine kleine Frage des Details. Für uns Endverbraucher ändert sich im Übrigen auch durch die neue Technik wenig. Ob vom Tier oder aus der Retorte: Die koscheren Gemeinderestaurants in Deutschland werden Hühnchen weiter wie gewohnt servieren. Nämlich völlig zerkocht, von beige-grauer Farbe und mit labberiger Haut. Guten Appetit!

Los Angeles

Kate Hudson bekommt »Walk of Fame«-Stern

Die jüdische Schauspielerin ist einer von 33 Stars, die eine Ehrung auf dem Hollywood Boulevard erhalten sollen

 24.07.2026

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026