Lesen!

»Der Bär, der nicht da war«

Ein unkonventioneller Blick auf die Dinge. Foto: Kunstmann

Lesen!

»Der Bär, der nicht da war«

Oren Lavies verspielt philosophisches Kinderbuch

von Katrin Diehl  08.12.2014 17:18 Uhr

Wenn ein Kinderbuch einen unkonventionellen Blick auf die Dinge anbietet, ist es mehr als bloß ein Kinderbuch. Es ist dann ein Buch für alle, gleich welchen Alters, die den unkonventionellen Blick auf die Dinge unkonventionell finden.

Im Fall von Oren Lavies Der Bär, der nicht da war ist das die heitere Selbstfindung eines Bären um solch existenzielle Kernfragen wie »Wer bin ich?« und »Wie möchte ich leben?«

Von Beginn an zäumt der israelische Musiker, Theaterschriftsteller und Regisseur Lavie in seinem ersten Kinderbuch – und seinem ersten Buch überhaupt – das Pferd von hinten auf.

Oren Lavie – 1976 in Tel Aviv geboren, Regiestudium in London, es folgten Stationen in New York und dann, na klar, in Berlin, dann wieder Tel Aviv – kippt eine Geschichte vor uns aus, um sie danach wieder ganz neu(artig) beginnen zu lassen, und das im großen Stil: in einem großformatigen Buch, illustriert von dem großartigen Altmeister Wolf Erlbruch, aus dem Englischen übersetzt von, na klar, dem großbärtigen, bärenkundigen Harry Rowohlt.

zettel Lavies literarischer Bär wurde aus einem Juckreiz geboren, dem es danach verlangte, sich zu kratzen und »Juckreize kratzen sich, weil sie Bären sind«. Dann steht er da, der Bär, strotzend vor »absolutem Ja«. Illustrator Wolf Erlbruch hat diesen aufrechten Kerl mit einer dünnen roten Lächellinie im Gesicht versehen, Ausdruck höchster Zufriedenheit mit sich und der Welt.

Kein Wunder, hat der Bär doch gerade entdeckt, dass er erstens eine Tasche in seinem Fell hat mit, zweitens, einem Zettel drinnen, der ihm zu verstehen gibt, erstens ein »sehr netter Bär«, zweitens »ein glücklicher Bär« und außerdem, drittens »sehr hübsch« zu sein. Aber »Bist du ich?«, das steht auch auf dem Zettel. Im Glück baden und gute Fragen wagen – was gibt es Schöneres?

Oren Lavie: »Der Bär, der nicht da war«. Übersetzt von Harry Rowohlt. Illustrationen von Wolf Erlbruch. Kunstmann, München 2014, 48 S., 16.95 €

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026

Charles Lewinsky

Melnitz, eine männliche Scheherazade

Der Schweizer Autor legt seinen Protagonisten auf die Couch und lässt ihn das 20. Jahrhundert erzählen

von Ellen Presser  26.03.2026

Dana von Suffrin

Wutgeburt

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  26.03.2026