Mel Brooks

»Den Weg ins Showbiz tyrannisiert«

Mel Brooks in »Spaceballs« (1987) Foto: imago images/Everett Collection

Das Offensichtliche gleich vorweg: Ja, Mel Brooks hat 1968 mit seinem ersten Kinofilm Frühling für Hitler nicht nur einen Oscar gewonnen, er versetzt Menschen bis heute in Schnappatmung. Seine Satire über ein geschmacklos-gutgelauntes Hitler-Musical, das zwei Produzenten aus der Geldnot retten soll, muss für jede Diskussion herhalten, ob man über Hitler und die Nazis lachen darf oder nicht. Seit schlappen 53 Jahren!

Eine ziemlich gute Antwort hat Mel Brooks seinem eigenen Enkel gegeben, der ihn 2001 backstage besuchte, nachdem der Kultfilm auch noch zum Broadway-Hit wurde. Der Enkel fragte: »Ist Hitler gut oder böse?« »Er ist böse!«, antwortete Brooks. »Warum bringt er mich dann zum Lachen?« »Nicht Hitler bringt dich zum Lachen, ich tue es«, so der Großvater.

New York Melvyn Kaminsky wurde am 28. Juni 1926 in New York als Sohn jüdischer Einwanderer geboren. Sein Vater starb, als er zweieinhalb Jahre alt war. »Ich habe deshalb große Wut in mir«, sagte Brooks einmal dazu. Seine Mutter zog allein vier Jungs groß. »Eine Heilige!« Mit neun Jahren beschloss ihr Jüngster, dass er ins Showgeschäft will. Er wollte mindestens so lustig sein wie Charlie Chaplin.

Er lernte Schlagzeugspielen von der Jazz-Legende Buddy Rich, verdiente als 14-Jähriger Geld mit Gigs, jobbte in Ferienresorts im Borscht Belt. Und nannte sich von nun an Mel Brooks. »Ich wollte unbedingt auf die Bühne, also habe ich immer weitergemacht, bis ich gut wurde. Ich habe mir meinen Weg ins Showbiz tyrannisiert.« Als er eines Abends für einen kranken Schauspieler eine winzige Rolle als 70-Jähriger übernahm, ging wirklich alles schief. Brooks lief an den Bühnenrand, zog sich die graue Perücke vom Kopf und rief ins Publikum: »Ich bin 14, was wollen Sie von mir?« Der Saal tobte vor Lachen, und Mel hatte das Elixier seines Lebens gefunden.

Er war kaum 18, als er eingezogen wurde, um gegen die Nazis zu kämpfen. Er überlebte die Ardennenoffensive und entschärfte Minen. Als der Krieg zu Ende war, brachte er sowohl seine Kameraden als auch deutsche Kriegsgefangene mit kleinen Shows zum Lachen. Damals habe er gar nicht begriffen, was in Europa eigentlich passiert war, sagte er später.

Sketch Zurück in den USA unterhielt er wieder Urlauber und Senioren, bis ihn der damals gefeierte und heute vergessene Komiker Sid Caesar entdeckte, für dessen TV-Show er fortan schrieb. Zusammen mit Carl Reiner und Woody Allen entwickelte er Sketche am laufenden Band. Mit seiner Serie Get Smart über einen tölpeligen Geheimagenten gewann er haufenweise Preise. »Niemand hatte je eine Show über einen Idioten gemacht. Ich wollte der Erste sein«, sollte Brooks später einmal sagen.

Doch er wollte unbedingt zum Film – der Rest ist Geschichte. 1968 kam Frühling für Hitler in die Kinos und gewann auch noch – unter anderem gegen Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum – den Drehbuch-Oscar. Es war der Auftakt für Mel-Brooks-Filme wie Frankenstein Junior, Die verrückte Geschichte der Welt und natürlich Spaceballs, wegen dem Brooks heute noch auf der Straße von Teenagern angesprochen wird. »Ich war damals unfassbar ambitioniert«, sagte er einmal über seine Karriere. »Ich schrie das Universum an, auf dass es mich wahrnehme. So als müsste ich Gott zum Lachen bringen!«

Und glücklich sein durfte er auch. Nach einer gescheiterten frühen Ehe heiratete Brooks 1964 die Schauspielerin Anne Bancroft, Mrs. Robinson aus Die Reifeprüfung. »Sie sagte, ich sähe aus wie ihr Vater und spräche wie ihre Mutter. Ich hatte großes Glück!« Bis zu Bancrofts Tod 2005 waren sie ein Paar.

Es gibt in der Kunst alle paar Jahrhunderte – oder alle paar Jahrzehnte, kommt auf die Kunst an – Avantgardisten, Vorreiter, die wortwörtlich die Bahn brechen für alle, die nach ihnen kommen. Mel Brooks ist einer davon.

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