Sehen!

Dem Gedächtnis auf der Spur

Seit über 50 Jahren widmet sich der Neurowissenschaftler Eric Kandel der Entschlüsselung molekularer Prozesse im Gehirn, die dem menschlichen Gedächtnis zugrunde liegen. Denn, sagt er, »die Erinnerung versieht unser Leben mit Kontinuität. Wir sind, wer wir sind, aufgrund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern.« Kandel hat untersucht, wie geistige Vorgänge biologische Veränderungen erzeugen, und nachgewiesen, dass Lernen neuronale Schaltkreise verändert und Wissen eine anatomische Veränderung im Gehirn bewirkt. Im Jahr 2000 erhielt er den Medizinnobelpreis für seine Entdeckung des CREB-Bindeproteins, das eine Schlüsselrolle bei der Speicherung von Ereignissen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis spielt.

premiere Der Filmemacherin Petra Seeger ist es als Erster gelungen, in Kandels weltweit führendem Labor für Gedächtnisforschung einen Film zu drehen. Zwei Jahre arbeitete sie an der Dokumentation, die der deutsch-französische Kultursender arte am Freitag, den 3. Juni, um 21.40 Uhr ausstrahlt.

Für Eric Kandel ist die Gedächtnisforschung stark mit seiner Lebensgeschichte verbunden. In Wien geboren, musste er 1939, nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland im Alter von neun Jahren in die USA emigrieren. »Ich bin davon überzeugt, dass mein späteres Faible für den menschlichen Geist – dafür, wie sich Menschen verhalten, wie unberechenbar ihre Motive und wie dauerhaft Erinnerungen sind – auf mein letztes Jahr in Wien zurückgeht«, schreibt Kandel in seiner Autobiografie. »Nach dem Holocaust lautete das Motto der Juden: ›Niemals vergessen!‹. Meine wissenschaftliche Arbeit widmet sich den biologischen Grundlagen dieses Mottos: den Prozessen im Gehirn, die uns zur Erinnerung befähigen.« ja

»Auf der Suche nach dem Gedächtnis.
Der Hirnforscher Eric Kandel«. arte, Freitag, 3. Juni, 21.40 Uhr

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