Geschichte

Das Schicksal der Gießerei Loevy

Die Inschrift »Dem deutschen Volke« am Westportal des Reichstages wurde von der jüdischen Bronzegießerei Albert und Siegfried Loevy aus Berlin angebracht. Foto: dpa

Das Schicksal der Berliner Bronzegießerei Albert und Siegfried Loevy steht stellvertretend für Tausende von jüdischen Unternehmen, die das NS-Regime in den Untergang trieb.

Die Nachkommen der Familien von Albert und Siegfried Loevy wurden verfolgt und enteignet. Einige entkamen in die USA, andere wurden in Plötzensee, Theresienstadt und Auschwitz ermordet.

Hutablage Samuel Abraham Loevy gründete die Bronzegießerei 1855, seine Söhne Albert und Siegfried führten sie ab 1888. Seit 1910 schmückte sich das Unternehmen mit dem Zusatz »königlicher Hoflieferant«, unterzeichnet von Wilhelm II..

Der Betrieb mit mehr als 80 Beschäftigten produzierte laut einem erhalten gebliebenen Prospekt »Thür- und Fensterbeschlag-Garnituren in den verschiedenen Stylarten in Bronzeguß, Vergoldung, Vernickelung etc. und diverse Bronzierungen bei sauberster Ciselierung«. Rund 4000 verschiedene Artikel wurden produziert, vom Kaminblech bis zur Hutablage.

Das Unternehmen trat dem Werkbund bei und arbeitete mit Reformarchitekten wie Henry van de Velde, Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius zusammen. Dank der Kooperation mit dem Architekten und Gestalter Peter Behrens kamen die Loevys zu einem sehr prestigeträchtigen Auftrag: Sie statteten die von ihm entworfene Deutsche Botschaft in St. Petersburg aus.

Um die Jahrhundertwende galten die Inhaber als fester Bestandteil der Berliner Wirtschaftsgesellschaft. Doch ihr großes handwerkliches Renommee schützte sie zwei Jahrzehnte später nicht davor, von den neuen Machthabern aus dem »deutschen Volke« ausgestoßen zu werden.

Diskriminierung
Schon in der Kaiserzeit wurden Juden diskriminiert, etwa beim Militärdienst, in dem ihnen der Aufstieg in die Offiziersränge verstellt war. Auch deshalb versuchte sich ein Teil der Familie Loevy bewusst zu assimilieren und die jüdischen Wurzeln zu verbergen. So ließ Siegfried Loevy 1918 seine Kinder taufen und adoptieren, weshalb sie dann Gloeden hießen. Sein Bruder Albert hingegen blieb dem jüdischen Glauben treu.

Im Juli 1939 wurde die Firma »arisiert«. Alberts Sohn Ernst, der die Firma zuletzt geführt hatte, wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Siegfried Loevys Sohn Erich Gloeden machte zunächst Karriere als Architekt und wurde dann als »Halbjude« im Krieg zur NS-Bauorganisation Todt einberufen. Später half er Regimegegnern, so auch 1944 dem nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli untergetauchten General Fritz Lindemann.

Gloeden nahm den Offizier bei sich auf, wurde denunziert und zusammen mit seiner Frau und deren Mutter vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Sie wurden am 30. November 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. epd

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026