Berlin

Kunstpreis »Dagesh« verliehen

Erstmals wurde am Mittwochabend in Berlin der »Dagesh«-Kunstpreis verliehen. Foto: Uwe Steinert

Zum ersten Mal ist am Mittwochabend in der W.M. Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin der »Dagesh«-Kunstpreis verliehen worden. Preisträger der Auszeichnung, die vom Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) und dem Jüdischen Museum vergeben wird, sind drei israelische Künstler: die Malerin Liat Grayver, der Designer Yair Kira und der Komponist Amir Spilman.

Sie erhielten den Kunstpreis für ihre multimediale Installation »Open, Close, Open«, die sich an ein Gedicht von Jehuda Amichai anlehnt. Die Fragestellung lautete: »Was bedeutet es heute, jüdisch zu sein?« Das Kunstwerk, das unter anderem aus einem begehbaren Sandkasten besteht, soll im Jüdischen Museum ausgestellt werden.

ZUKUNFTSKONGRESS Der Preis wurde im Rahmen des Zukunftskongresses verliehen, den die Leo Back Foundation in dieser Woche in Berlin organisiert. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte in seinem Grußwort: »Wenn ich Ihre Installation ›Open, Close, Open‹ richtig verstehe, dann ist Ihre Antwort nicht statisch, sondern flexibel und variabel, je nach Umständen neu formbar – so wie der Sand und die Buchstaben, die Sie für Ihre Installation verwendet haben. Das gefällt mir, denn so verstehe auch ich das Judentum: Eine alte Tradition, die in der Lage ist, auf Neues zu reagieren und die Anregungen der Moderne aufzunehmen – und so in die Zukunft zu weisen.«

Er freue sich sehr, dass sich die Leo Baeck Foundation als Veranstalter des Zukunftskongresses mit der Fragestellung »Weil ich hier leben will … Zwischen Erinnerung und Zukunft« einem Thema widme, das beim Zentralrat der Juden »schon immer auf der Agenda stand«, sagte Schuster.

Er sei auch sehr glücklich darüber, »dass die Zusammenarbeit zwischen dem Zentralrat und dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk intensiver geworden ist«. Seit diesem Jahr werde ELES auch institutionell gefördert: »Und für die Stipendiaten und Stipendiatinnen sind die gemeinsamen politischen Aktivitäten, auch mit der Bildungsabteilung des Zentralrats, sicherlich eine Bereicherung.«

BDS Schuster ging auf verschiedene Möglichkeiten ein, Jüdischsein zu definieren. Unter anderem sagte er: »Jüdischsein bedeutet, sich dem jüdischen Staat verbunden zu fühlen und außerhalb Israels für die einzige Demokratie im Nahen Osten einzutreten – ungeachtet dessen, dass jeder Jude und jede Jüdin, und zwar nicht nur Juden, durchaus Kritik an der Politik der israelischen Regierung hat und natürlich haben darf. Wer aber zum Boykott Israels aufruft oder als Jude BDS unterstützt, hat nicht begriffen, dass Jüdischsein nicht bedeuten kann, sich mit den Feinden des jüdischen Volks gemein zu machen.«

Außerdem sagte der Zentralratspräsident, es sei wünschenswert, »dass man bei Veranstaltungen auch darauf achtet, wes Geistes Kind man einlädt«. In der »Welt« hatte der Journalist Alan Posener unlängst kritisiert, bei einer Konferenz in der Akademie des Museums zum Thema »Living with Islamophobia« seien auch eine Referentin, die für den Boykott des jüdischen Staats agiere, und ein Referent mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft eingeladen worden.

RAUM Die »Dagesh«-Preisverleihung am Mittwochabend wurde von Leontine Meijer‐van Mensch eröffnet, Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin. Sie sagte, zusammen mit ELES wolle das Museum einen Raum bieten, um Fragen zu diskutieren, die innerhalb der jüdischen Gemeinschaft erörtert würden. Dazu gehöre auch der Versuch, im Rahmen des jüdisch‐muslimischen Dialogs die Beziehungen zwischen beiden Minderheiten zu stärken, »weil dies heute auch Jüdischsein bedeutet«.

Walter Homolka, Vorsitzender der Union progressiver Juden in Deutschland und der Leo Baeck Foundation sowie Rektor des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam, sagte, Jüdischsein heute bedeute, vielfältig zu sein, der Tradition zugewandt zu sein und die Zukunft dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Eva Lezzi, Projektleiterin von »Dagesh«, erklärte die Bedeutung des Namens »Dagesh« – im Hebräischen ein Punkt im Inneren eines Konsonanten. Dieser Punkt kann die Betonung des Konsonanten verschärfen. Lezzi sagte, das »Dagesh«-Programm wolle Brücken schlagen zwischen Kunst, Religion, Politik und Gesellschaft. Sie ging auch auf die Biografie der ELES‐Stipendiatin Galit Schir ein, die im vergangenen Jahr im Alter von 40 Jahren an Krebs starb. Ihrem Andenken ist der Preis gewidmet. Eva Lezzi und Walter Homolka begrüßten ausdrücklich die Ehefrau der Verstorbenen im Publikum.

IDENTITÄT Anschließend führte der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) ein kurzes Gespräch mit den israelischen Künstlern, die in Berlin leben. Dabei sprachen die drei über ihre Identität als Juden und Israelis in einer multikulturellen Stadt. »Judentum ist etwas Dynamisches, das sich ändert«, sagte Yair Kira.

Liat Grayver sagte, das Judentum in Deutschland von früher existiere nicht mehr. Die Frage sei: »Möchten wir das wieder ins Leben rufen, oder machen wir etwas Neues?« Amir Spilman betonte, in Deutschland hätten sich ihm ausgezeichnete Möglichkeiten geboten, als Künstler zu arbeiten.

Abschließend sagte Jo Frank, Geschäftsführer von ELES: »Wir können eine neue Förderstruktur für jüdische Künstlerinnen und Künstler feiern.« Frank bedankte sich bei allen Förderern von »Dagesh« und warb um weitere Unterstützung für das Programm.

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