Pandemie

Covid-Wundermittel entdeckt?

»In irgendeiner Form wird das Coronavirus bleiben«: eine Teststation in Tel Aviv Foto: Flash 90

Noch ist es in der Testphase, doch bereits jetzt gibt es internationales Interesse. Der israelische Krebsspezialist Nadir Arber hat gemeinsam mit dem Sourasky-Medizinzentrum in Tel Aviv ein Medikament für die Behandlung der schweren Atemwegs­erkrankung Covid-19 entwickelt, das bereits als »Wundermittel« bezeichnet wird.

Premierminister Benjamin Netanjahu empfing Arber in Jerusalem und gratulierte ihm zu seinem Testerfolg: »Wenn dies funktioniert, wird es riesig werden, einfach riesengroß! Es ist von globaler Bedeutung, und es ist wundervoll.« Der Regierungschef wünschte dem Wissenschaftler viel Erfolg und versprach, ihm zu helfen, wo er könne. »Dieses kleine Ding« – ein Inhalator – »könnte das Schicksal der Menschheit verändern.«

Am selben Tag empfing Netanjahu den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis in seinem Büro. Im Anschluss daran erzählte er: »Eine der ersten Fragen, die er mir stellte, war: ›Was ist dran an diesem Wundermittel?‹ Wir riefen Professor Arber an, und Premier Mitsotakis sagte, dass das führende Krankenhaus in seinem Land sich bereit erklärt hat, an einem klinischen Versuch teilzunehmen.« Es sei eine der Kooperationen, die in neue Bereiche vordringen, frohlockte Netanjahu. »Und ein Zeichen für die große Freundschaft zwischen den beiden Ländern.«

INFEKTIONEN Selbst nach dem Beginn der Impfungen steigen die Zahlen der Patienten, die an Covid-19 erkranken, weltweit immer noch an. Medizin, um die Atemwegserkrankung zu heilen, wird dringend benötigt.

Alle 30 Patienten mit schwerem Verlauf wurden im klinischen Versuch geheilt.

Mittlerweile haben sich mehr als 700.000 Israelis mit dem Coronavirus angesteckt. Damit steht das kleine Mittelmeerland an erster Stelle bei der Zahl der Ansteckungen unter Staaten mit weniger als zehn Millionen Einwohnern. Trotz eines dritten strikten Lockdowns, der mehr als vier Wochen andauerte, sind die Infektionszahlen nicht wesentlich gesunken.
Die Positivrate der Corona-Tests liegt nach wie vor bei rund neun Prozent oder wenig darunter. Mittlerweile sind nahezu 5200 Menschen an den Folgen einer Erkrankung mit Covid-19 gestorben. Etwa 1100 Patienten befinden sich in Krankenhäusern in ernstem Zustand. Rund 300 von ihnen werden künstlich beatmet.

IMMUNSYSTEM EXO-CD24 ist ein experimentelles Inhalationsmedikament, das von Arber entwickelt wurde. Der Forscher beschreibt seine Arbeit als ein »Um-die-Ecke-Denken«. In einem klinischen Versuch der Phase I habe das Medikament 30 von 30 Patienten geheilt, heißt es in einer Erklärung des Krankenhauses. Das Medikament stoppe den »Zytokinsturm«, bei dem das Immunsystem außer Kontrolle gerät und die gesunden Zellen attackiert. Dies geschieht in den Lungen von fünf bis sieben Prozent der Covid-19-Patienten. Fertiggestellt wurde EXO-CD 24 in den vergangenen sechs Monaten, doch Arber erforscht das Protein bereits seit zwei Jahrzehnten.

Der Leiter des Sourasky-Krankenhauses, Ronni Gamzu, ist stolz: »Die Ergebnisse der ersten Testphase sind exzellent und geben uns Zuversicht.« Er persönlich habe Arber dabei geholfen, die Genehmigung des Gesundheitsministeriums einzuholen, um weiter zu forschen.

»Bis zum heutigen Tag haben wir das Mittel mit großartigem Erfolg an 30 Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf getestet«, so das Krankenhaus. »Bei 29 von ihnen verbesserte sich das Befinden innerhalb von zwei bis drei Tagen, und sie konnten nach drei bis fünf Tagen wieder nach Hause.« Auch der 30. Kranke sei genesen, es habe jedoch etwas länger gedauert.

ZELLEN Das Mittel basiere auf Exosomen (Vesikel) die von der Zellmembran ausgegeben und für die interzellulare Kommunikation benötigt werden, erläutert Shiran Shapira, Direktorin des Labors, in dem der Entwickler forscht. »Wir haben die Exosomen mit dem 24CD-Protein angereichert. Dieses Protein befindet sich an der Oberfläche der Zelle und ist bekannt für seine wichtige Rolle bei der Regulierung des Immunsystems.«

Das Medikament ist günstig herzustellen und soll keine Nebenwirkungen haben.

Die Verabreichung des Präparates sei einfach: Es werde den Patienten lediglich einmal täglich für einige Minuten per Inhalation gegeben, an insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Die experimentelle Behandlung weise zwei besondere Charakteristika auf: Zum einen schränke sie die übermäßige Absonderung von Zytokinen ein. Außerdem werde es direkt in die Lungen verabreicht und habe somit keine Nebenwirkungen, die injizierte oder oral verabreichte Mittel mit sich bringen können.

»Auch wenn wir Vakzine haben, die ihre Funktion erfüllen, und sogar, wenn es keine neuen Varianten des Coronavirus mehr geben sollte – in irgendeiner Form wird das Coronavirus mit uns bleiben«, erklärt Arber, der auch Direktor des integrierten Krebs-Vorbeugungszentrums des Sourasky-Medizinzentrums ist. »Zu diesem Zweck haben wir eine einzigartige Medizin entwickelt: EXO-CD24.«

Jedes Pharmazie-Unternehmen in Israel und später auch global könne die Medizin produzieren. »Denn der große Vorteil ist«, hebt der Wissenschaftler hervor, »dass das Mittel schnell, effizient und kostengünstig herzustellen ist.«

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  07.11.2026

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Nachruf

Eine Welt voller Wärme

Die jüdische Kinderbuchautorin Myriam Halberstam nimmt Abschied von Janosch, dem Vater von Tiger, Bär und Tigerente

von Myriam Halberstam  06.11.2026

Fernsehen

Biedere Bürgerlichkeit und organisierter Massenmord

Das ZDF zeigt den Oscar-prämierten Spielfilm »The Zone of Interest« über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem Vernichtungslager Auschwitz lebte

von Josef Lederle  06.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  06.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  06.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richter  05.11.2026