Porträt

Chuzpa im Schatten des Übervaters

Mauerblümchen? Ganz und gar nicht: Jakob Dylan Foto: imago/ZUMA Press

Porträt

Chuzpa im Schatten des Übervaters

Der Sänger Jakob Dylan hat mit den Wallflowers etwas Gutes aus seinem schwierigen Erbe gemacht

von Sophie Albers Ben Chamo  19.07.2021 12:25 Uhr

Man sollte meinen, dass das Kind eines Genies alles tut, um nicht in direkte Konkurrenz zum begnadeten Elternteil zu treten. Nicht so Jakob Dylan. Der jüngste Sohn des Nobelpreis-veredelten »besten Singer-Songwriters aller Zeiten« Bob Dylan, hat bereits als Teenager beschlossen, es dem Vater gleichzutun. Und als wäre das nicht Chuzpa genug, hat er in den vergangenen knapp 35 Jahren trotz aller Tiefen neben einigen Höhen einfach immer weitergemacht.

Jakob Dylan hat eine ureigene Mischung aus Bruce Springsteen, Tom Petty und Elvis Costello.

Wohl nur wenige Abkömmlinge von Pop-Ikonen verkraften diese Bürde so gut wie Jakob Dylan. Und vielleicht, weil da noch ein bisschen Luft nach oben ist auf dem Chuzpa-Meter, hat der mittlerweile 51-Jährige mit seiner Band The Wallflowers nach fast zehn Jahren Pause nun ein neues Album veröffentlicht, auf dem er beeindruckend stoisch eingängige Americana-Musik präsentiert, die genauso gut auch wunderbar in die 90er-Jahre passen würde.
Exit Wounds feiert eine Blues-Rock-Pop-Unaufgeregtheit, die in unseren hysterischen Zeiten fast schon verstört.

Trump Das wiederum will der junge Dylan allerdings auf keinen Fall: »Ich will Lieder singen, die ein bisschen Hoffnung geben«, sagte er jüngst in einem Interview. Und in einem Statement zum Erscheinen des neuen Albums, mit Rückblick auf die Trump-Jahre, heißt es: »Ich denke, dass jeder von uns eine ganze Menge Austrittswunden mit sich trägt. Niemanden haben die letzten vier Jahre unberührt gelassen. Deshalb der Titel. Und das meine ich absolut nicht negativ. Es soll heißen, dass wir alle auf unserem Weg, vielleicht sogar in ein besseres Leben, Menschen und Dinge zurücklassen, aber dass wir an sie denken, sie mit uns nehmen. Das sind unsere Austrittswunden. Und um die müssen wir uns gerade kümmern.«

Nun ja, besonders leicht geht die Hoffnung nicht ins Ohr bei all der süß-bitteren Nostalgie, der Einsamkeit im eigenen Kopf und dem Cowboy-Fatalismus, doch gibt es immer wieder auch ein kleines, deutlich hörbares Aufatmen in den zehn Songs. Klingt der erste, »Maybe Your Heart’s Not In It No More«, fast noch wie ein freundliches Zugeständnis an alle Bob-Dylan-Fans, setzt sich der Sohn danach gelassen, aber entschieden durch: sei es im groovigen »Roots And Wings«, im entspannten »I Hear The Ocean (When I Wanna Hear Trains)« oder in der Ballade »Darlin’ Hold on« mit der wunderbaren Shelby Lynne. Da lichtet sich der lange Schatten des Vaters; da fängt Jakob Dylans ureigene Mischung aus Bruce Springsteen, Tom Petty und Elvis Costello an zu glänzen. Ein Weg, den der Sohn immer wieder gehen muss. Aber mit dem er mittlerweile seinen Frieden gemacht hat.

Genie Nachdem sich Jakob Dylans 1996er Wallflowers-Album Bringing Down The Horse vier Millionen Mal verkauft und zwei Grammys gewonnen hatte, habe er angenommen, dass die Frage nach seinem Vater endlich nicht mehr die erste sein würde. Aber das werde wohl nie passieren, sagte Dylan jüngst im Interview mit der »New York Times«. Womöglich auch deshalb schätzt er die Künstler »in der zweiten Reihe« hinter den Genies und nennt Namen wie George Harrison (The Beatles) oder Carl Wilson (The Beach Boys).

Wer weiß, vielleicht ist die Unaufgeregtheit von Exit Wounds auch dem Rückblick auf eine durchaus stattliche eigene Karriere geschuldet. Manche Menschen mögen ein bisschen Schatten.

The Wallflowers: » Exit Wounds«. New West Records/Pias/Rough Trade 2021

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  07.02.2026

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am »Dschungelcamp« niemals schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  06.02.2026

Erfurt

Einzigartiges Klezmer-Projekt: Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen als »Höhepunkt eines Prozesses«

Im Klezmerorchester Erfurt musizieren Laien und Profis gemeinsam. Nun feiert das Projekt sein zehnjähriges Bestehen - mit einem einzigen Konzert

von Matthias Thüsing  06.02.2026

Fernsehen

Doku über Geisel-Familie zeigt zerrissene israelische Gesellschaft

Ein 3sat-Dokumentarfilm zeigt das Martyrium einer amerikanisch-israelischen Familie, deren Angehörige am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt wurde

von Manfred Riepe  06.02.2026

Fernsehen

»Er verarscht hier alle«: Ofarim wird wieder Zielscheibe von Ariel

Endspurt im Dschungelcamp vor dem großen Finale am Sonntag. Gil Ofarim tritt nach seinem Unfall zur nächsten Prüfung an, das Kandidatenfeld lichtet sich weiter - und der Ton wird rauer

von Lukas Dubro  06.02.2026

Australien

»Action, Action, Action« im Dschungel

Regeln sind Regeln. Und Überraschungen sind Überraschungen: Jetzt unterhalten sich sogar Ariel und Gil

von Martin Krauß  06.02.2026

Berlin

Liebermann-Villa zeigt »Alles für die Kunst!«

Seinen Erfolg musste sich der Künstler Max Liebermann hart erkämpfen. Eine Ausstellung in der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee zeigt, wie strategisch und konsequent er dabei vorging

 05.02.2026

Kulturkolumne

Make Judaism cool again!

Wie Tel Aviver Mode für Empowerment und Hoffnung sorgt

von Sophie Albers Ben Chamo  05.02.2026

Theater

Mit Kufiya und Kippa

Noam Brusilovskys Stück »Fake Jews« in Berlin knüpft an die Geschichte von Fabian Wolff an

von Stephen Tree  05.02.2026