Genetik

Chromatin ist der Schlüssel

Embryonale Stammzellen sind so etwas wie die Allzweckwaffe des Organismus. Sie können sich unendlich oft teilen und sich zu jeder beliebigen Zelle des Körpers entwickeln. Daher richtet die Medizin ihr Augenmerk auf sie. Mit ihrer Hilfe lässt sich nämlich unter anderem künstliches Gewebe züchten, das bei Transplantationen eingesetzt werden kann. Oder es lassen sich aus ihnen Nervenzellen entwickeln, die bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson zum Einsatz kommen.

Die Fähigkeit der Stammzellen, sich in verschiedene Richtungen auszudifferenzieren, nennt man Pluripotenz. Dieser Mechanismus ist in der Wissenschaft schon lange bekannt. Unklar war bisher allerdings, wie er genau funktioniert. Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem haben jetzt Licht ins Dunkel gebracht.

Shai Melcer, Doktorand am Lehrstuhl des Genetikers Eran Meshorer, hat die sogenannten epigenetischen Wege von embryonalen Stammzellen untersucht, die dafür sorgen, dass sich eine Zelle ausdifferenziert, ohne dass eine Veränderung in der DNA-Sequenz stattfindet.

Plastizität Der Schlüssel bei diesem Vorgang ist laut Melcer das Chromatin, jenes Material, aus dem Chromosomen bestehen. Es selbst besteht wiederum aus DNA und Proteinen. Da in embryonalen Stammzellen das Protein »Lamin A« fehlt, welches Chromatin bindet, ist das Chromatin dort weniger stark verdichtet als in anderen Zellen. Das verleiht embryonalen Stammzellen ihre »funktionelle Plastizität«, sich in jede Art von Zellen entwickeln zu können.

»Wenn wir dieses neue Verständnis der Mechanismen, die embryonalen Stammzellen ihre Plastizität verleihen, anwenden können, dann können wir auch das Differenzierungspotenzial der Zelle erhöhen oder verringern«, sagte Meshorer. »Das könnte zum vermehrten Einsatz von embryonalen Stammzellen in der Zelltherapie und der regenerativen Medizin führen, indem man im Labor Zellen produziert, die man Patienten implantieren kann, um damit degenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Diabetes zu heilen.«

Die Forschungen von Meshorer und Melcer sind Teil eines größeren Projekts zur Erforschung degenerativer Krankheiten, das unter anderem vom israelischen Gesundheitsministerium, Forschungsministerium, der Europäischen Union und verschiedenen Stiftungen gefördert wird. ja

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Mel Brooks

Entertainer mit Panikattacken

Eine HBO-Doku beleuchtet auch weniger bekannte Seiten des legendären Regisseurs und Komikers

von Ralf Balke  23.04.2026

Gastbeitrag

Anne Frank mit Kufiya: Ein Fall für die Justiz

Der grassierende israelbezogene Antisemitismus stellt die deutsche Justiz vor große Herausforderungen. Das zeigt sich besonders am Umgang mit dem Bild »Anne«, das die Schoa instrumentalisiert

von Susanne Krause-Hinrichs  23.04.2026

Runder Geburtstag

Star-Dirigent mit Herz und Verstand: Zubin Mehta wird 90

Ihm wird eine besonders gute Menschenkenntnis nachgesagt, Kolleginnen und Kollegen betonen seine Herzlichkeit und Zugewandtheit. Auch im hohen Alter tritt er noch auf

von Katharina Rögner  23.04.2026

Meinung

Die Eurovision gehört der Musik

Abermals wird der Ausschluss Israels von dem Musikwettbewerb gefordert. Doch das liefe auf eine Untergrabung des Formats hinaus, das so zum politischen Instrument verkommen würde

von Nicole Dreyfus  22.04.2026

Programm

Chassidischer Workshop, uralter Blockbuster und eine vergessene Heldin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. April bis zum 30. April

 22.04.2026

Zahl der Woche

2010

Funfacts & Wissenswertes

 21.04.2026

Theater

Eine Party der perfidesten Art

Simone Blattner inszeniert in Weimar den subversiv-doppelbödigen Text »Rechnitz (Der Würgeengel)« von Elfriede Jelinek

von Joachim Lange  21.04.2026

Biografie

Konzertmeister des Stardirigenten

In seinem neuen Buch über Herbert von Karajan bezieht sich der Historiker Michael Wolffsohn auch auf den Schoa-Überlebenden Michel Schwalbé. Ein Auszug

von Michael Wolffsohn  21.04.2026