Lesen!

»Buchstabil«

Foto: PR

Lesen!

»Buchstabil«

Zum 85. Geburtstag des Aphoristikers Elazar Benyoëtz ist ein schön gestalteter Band erschienen

von Alexander Kluy  04.01.2023 09:06 Uhr

Was sind Aphorismen? Gedanken, Gedankenfragmente, aufblitzende Ideen? Und was macht eigentlich jemand, der ausschließlich Aphorismen zu Papier bringt?

»Aphoristiker – der einsilbige Goldschmied«: So beschrieb sich Elazar Benyoëtz, 1937 als Paul Koppel in Wiener Neustadt 50 Kilometer südlich von Wien geboren, 1938 mit der Familie nach Palästina emigriert, seit 1939 in Jerusalem lebend und stets auf Deutsch schreibend. 2009 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse. Damals sagte der Gedankenfragmenteur: »Den Aphorismus gibt es nur im Moment seines Einschlagens, den Aphoristiker nur in der Fülle seiner Sätze: Durch diese Fülle und in ihr ist er wahrzunehmen, also lesbar.«

BÜCHERWURM Seine Sätze und Gedanken leisten federleichte Renitenz, weil sie Gewicht haben. Sie widersetzen sich in ihrer fröhlichen Gelehrtheit, in ihrer luziden Lebens- wie ihrer Menschenzugewandtheit einer seicht, immer seichter dahinplappernden Gegenwart. Dabei sind sie zündend verständlich – und hochliterarisch. Benyoëtz: »Der Bücherwurm macht die Hälfte meiner Zitate aus.«

Mit einiger Verspätung, sein 85. Geburtstag war am 24. März, liegt ein umfangreich erhellender, schön gestalteter und mit Miniaturbildern der israelischen Künstlerin Metavel (die Ehefrau von Benyoëtz) ausgestatteter Band vor. Herausgegeben haben ihn die in Dänemark lehrende Ethik-Professorin Claudia Welz und die junge österreichische Germanistin Anna Rosa Schlechter, die über Benyoëtz ihre Dissertation schreibt, beide seit Längerem mit dem lyrischen Aphoristiker, aphoristischem Lyriker befreundet, der 2020 mit dem Premio Internazionale per l’Aforisma gekürt wurde.

PERSPEKTIVE 50 Würdigungen, Zuneigungstexte, Erinnerungsvignetten finden sich hier. Auch ein Auszug aus der Korrespondenz mit dem Münchner Gelehrten und Romanisten Harald Weinrich. Dazu ein halbes Dutzend Essays und Aufsätze, deren Perspektive breit ist, von Literaturhistorischem bis zu Theologischem.

Ein besonderes Fundstück ist ein erstmals gedruckter autobiografischer Text von 1961. Wie Benyoëtz selbst einmal schrieb, natürlich in einem Aphorismus von transparenter Transzendenz und Weisheit: »Man lernt von jedem Menschen mehr, als er wissen kann.«

Claudia Welz und Anna Rosa Schlechter (Hrsg.): »Buchstabil. Von Büchern und Menschen. Elazar Benyoëtz zum 85. Geburtstag«. Braumüller, Wien 2022, 368 S., 28 €

New York

Hollywoodgrößen unterstützen literarischen Benefizabend für Kibbuz Be’eri

Künstler sollen bei diesem Event historische Briefe und Archivtexte vor, »von Julius Cesar bis Maimonides, von Winston Churchill bis Golda Meir«

 18.02.2026

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 17.02.2026

Tom Shoval

»Es ist schwer, den Kreis zu schließen«

Im Rahmen der Berlinale wird die Doku »A Letter to David« gezeigt, dieses Mal als komplette Version. Ein Interview mit dem Regisseur

von Katrin Richter  17.02.2026

Interview

»Diese Initiative kann eine Brücke sein«

Der Dokumentarfilmer Yair Qedar über den Berliner Auftakt zum ersten »Aleph Festival« der hebräischen Sprache und Kultur

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Dschungelcamp

Was macht Gil Ofarim mit seinem Geld vom RTL-Dschungelcamp?

Er erhält eine Antrittsgage für seine Teilnahme bei »Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!« - und 100.000 Euro für die Krönung zum Dschungelkönig obendrauf. Das hat der Musiker mit dem Geld geplant

von Anna Eube  16.02.2026

Karneval

Gegen Judenhass in de Bütt gestiegen - diesen Redner muss man lieben

Bei der Mainzer Fastnacht hält »Till« eine bemerkenswerte Rede über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Eine Wohltat für den sonst so schrecklich unpolitischen Karneval

von Martin Krauß  16.02.2026

Weltraumtechnologie

Wo Sterne und Start-ups funkeln

In der Wüstenstadt Mitzpe Ramon im Süden Israels soll in den nächsten Jahren eine »Space City« samt Mars-Simulation entstehen

von Sabine Brandes  15.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  15.02.2026

NS-Zeit

Die gleichen Stationen eines viel zu frühen Todes

Auch sie führte Tagebuch: Margot Frank war die wenig bekannte Schwester von Anne Frank. Doch ihre Erinnerungen gingen verloren

 15.02.2026