Abgesagter Vortrag

Benny Morris nennt Rassismus-Vorwurf »absurd«

Benny Morris bei der Eröffnung des Jüdischen Filmfestivals Wien 2018 Foto: picture alliance / Robert Newald / picturedesk.com

Der israelische Historiker Benny Morris wehrt sich gegen den Vorwurf des Rassismus. Dieser sei »absurd«, so der 75-Jährige. Die Universität Leipzig hatte zuvor einen für Donnerstag geplanten Vortrag von Morris abgesagt. Grund seien Äußerungen des Historikers, die »teilweise als verletzend und sogar rassistisch« gelesen werden könnten sowie »Sicherheitsbedenken«, teilte die Uni mit.

Verschiedene Gruppen hätten die Theologische Fakultät aufgefordert, den Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung »Traditionen und Gegenwart des Antisemitismus« abzusagen. Es habe verständliche, allerdings in der Art und Weise beängstigende Proteste seitens einzelner studentischer Gruppen gegeben. »Zusammen mit entstandenen Sicherheitsbedenken führen die genannten Punkte dazu, dass der Vortrag von Prof. Benny Morris nicht stattfinden wird«, hieß es vonseiten der Universität.

Fakultät: Risiko für Studierende und Mitarbeiter

Der Zweck der Veranstaltung mit Morris bestand demnach in der kritischen Auseinandersetzung, nicht in der Befürwortung seiner Thesen oder gerade auch späterer Aussagen. Die Uni betonte, dass eine Einladung von Vortragenden prinzipiell keine notwendige Übereinstimmung mit deren Ansichten bedeute: »Wir distanzieren uns entschieden von Prof. Morris‘ kontroversen Aussagen.«

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Auf Nachfrage der Jüdischen Allgemeinen stellte die Theologische Fakultät wiederum die Frage der Sicherheit als die ausschlaggebende für die Entscheidung dar. Von zentraler Bedeutung sei »der Schutz des Redners und der Teilnehmer:innen« gewesen. Offenbar ging die Fakultät von Störaktionen aus. »Es hätte zum einen die Veranstaltung sowieso verhindert, aber eben auch – teils jüdische Studierende und Mitarbeitende – wie weitere Beteiligte dem Risiko von traumatischen Erfahrungen ausgesetzt.« Dieses Risiko haben man nicht eingehen wollen, so ein Vertreter der Fakultät.

Interview in »Haaretz« vor 20 Jahren

Mit den angeblich rassistischen Aussagen von Morris sind unter anderem Äußerungen des Historikers von 2004 gemeint. Der israelischen Tageszeitung »Haaretz« sagte er damals über die Vertreibung von Arabern im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskriegs: »Unter bestimmten Umständen ist Vertreibung kein Kriegsverbrechen. Ich glaube nicht, dass die Vertreibungen von 1948 Kriegsverbrechen waren. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Man muss sich die Hände schmutzig machen.«

Benny Morris bezeichnete den Vorwurf des Rassismus gegenüber der Jüdischen Allgemeinen als »absurd«. Morris: »Offensichtlich glauben sie, dass jede Kritik am Verhalten der Araber – wie etwa das Massaker an israelischen Dorfbewohnern – Rassismus sei, oder dass jede Kritik an muslimischen Dogmen und Schriften wie dem Koran, in dem Juden als ‚Söhne von Schweinen und Affen‘ oder als ’niederes‘ Volk bezeichnet werden, Rassismus sei.« Das sei aber nicht so. »Das sind Fakten«, so der Historiker. ja/dpa

Julia Franck

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