Finale

Benis Welt

Vergangene Woche war auf der ersten Seite einer Zürcher Zeitung das Foto eines hiesigen Assistenzrabbiners abgedruckt. Neben ihm stand ein Imam. Der muslimische Geistliche hatte seinen Arm um den Rabbiner gelegt und lächelte in die Kamera. Beide Geistliche spielen Fußball im »FC Religionen« und treten jedes Jahr gegen den »FC Nationalrat« an. Die Rabbiner und Imame tragen dabei alle dieselbe symbolische Trikotnummer 7 mit allerlei religiösen Friedenssymbolen. Das sieht sehr putzig aus.

Geärgert hat mich allerdings die Bildzeile unter dem Foto: »Ein Jude und ein Muslim, die für die gleiche Sache kämpfen? Im Sport ist das durchaus möglich!« Das klang wie die Osterpredigten, in denen die Chris-ten »Frieden, Schalom, Saalam« für die Heiligen Stätten wünschen.

zwerg nase Noch mehr geärgert hat mich jedoch etwas anderes. Der Rabbiner ist ziemlich klein, wahrscheinlich 1,55 Meter, der Iman hingegen geschätzte zwei Meter groß. Unser Würdenträger sah auf dem Zeitungsfoto aus wie Zwerg Nase, während der islamische Kollege wie Gulliver wirkte. Möglicherweise war das symbolisch gemeint: Es gibt weltweit 1,3 Milliarden Muslime, wir Juden bringen es nur auf 15 Millionen Gläubige. Andererseits soll gerade der interreligiöse Dialog stets auf Augenhöhe stattfinden. Für verantwortungsbewusste Bildberichterstatter dürfte das kein Problem sein. Wenn der französische Präsident Sarkozy (1,65 Meter) eine gemeinsame Pressekonferenz mit Barack Obama (1,80 Meter) abhält, wird auch diskret ein Schemel hinter das Podium gestellt, damit der Vertreter der Grande Nation nicht völlig untergeht.

In derselben Woche stieß ich auf einen weiteren Fall von Ungleichbehandlung zwischen Juden und Muslimen. Ich war in Zürichs größtem Einkaufszentrum. Es gibt dort alles: Lebensmittelläden, Boutiquen, Restaurants, auch einen Starbucks natürlich, wo ich nach meinen Einkäufen einen Kaffee trank und Zeitung las. Kaffee treibt bekanntlich, nach einer Viertelstunde musste ich dringend pinkeln. Die Toiletten waren ein Stockwerk höher. Auf dem Weg zurück, bemerkte ich links eine Art kleine Kapelle, genannt »Ort der Stille«. Für alle fünf Weltreligionen lagen Utensilien bereit: für die Christen eine Kerze, für uns Juden ein Gebetbuch, für die zwei fernöstlichen Glaubensbekenntnisse auch irgendwas. Und für die Muslime zwei Gebetsteppiche. Zwei, wohlgemerkt. Ich schaute überall nach, ob es etwas zweites Jüdisches gab, einen Leuchter vielleicht oder Gefilte Fisch im Glas. Aber da war nichts. Nur der eine Siddur.

So wird das nichts mit dem jüdisch-islamischen Dialog. Bevor sich jetzt die Christen aber wieder einschalten, schlage ich vor, dass wir Kinder Israels und Ismaels die Sache unter uns klären. Um Gleichheit bei den Ritualgegenständen herzustellen, werde ich der Shoppingkapelle einen Kidduschbecher aus Zinn mit Jerusalemrelief stiften, den ein angeheirateter Onkel mir vor Jahren zur Hochzeit geschenkt hat. Ich wollte das Ding sowieso schon lange loswerden.

Los Angeles

Noah Wyle gewinnt erneut Emmy – »The Pitt« und die jüdische Seite des Dr. Robby

Für den Darsteller und Produzenten ist die Auszeichnung eine besondere Rückkehr an die Spitze der amerikanischen Fernsehwelt

 15.09.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 15.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026

Musik

Macklemore fliegt nach »Free Palestine«-Auftritt aus Ed Sheerans US-Tour

Der Veranstalter sagen, mehrere Stadien, in denen die nächsten Konzerte stattfinden sollen, hätten angekündigt, eine Veranstaltung mit Macklemore im Programm nicht zuzulassen

 15.09.2026

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Aufgegabelt

Datteln auf Mohnsamen-Toffee

Rezepte und Leckeres

 14.09.2026

Nachruf

Sie lehrte Israel das Träumen

Ada Yonath, Nobelpreisträgerin für Chemie, wurde durch ihre Forschung zum Ribosom berühmt

von Sabine Brandes  14.09.2026