Finale

Benis Welt

Kürzlich sah ich im Fernsehen einen Bericht über ein superintelligentes Kind. Das Mädchen, vier Jahre alt, besucht bereits die dritte Klasse und kennt Wörter wie »endoplasmatisches Retikulum« und »Volatilität«. Nach dem regulären Unterricht nimmt sie noch Chinesischstunden. Klavier spielt das Kind auch. Man konnte sehen, wie ihre Fingerchen nur so über die Tasten flogen. Stolz sagte sie am Ende: »Habe ich selbst komponiert!«

Die Eltern fördern ihr Wunderkind natürlich nach Kräften. In einer Aufnahme sah man den Vater und das Mädchen einen Spaziergang machen. Sie liefen an einem Ackerfeld vorbei. Die Tochter wollte wissen, warum der Boden feucht ist, was gesät wird und von wo der Wind bläst. Sie hörte nicht mehr auf, zu fragen. Wie heißt dieser Vogel? Was frisst er? In welches afrikanische Land wird er fliegen? Der Papa, im Hintergrund die Kamera, lächelte stets und gab auf jede Frage eine intelligente Antwort.

Genie Meine Tochter stellt auch viele Fragen. Zum Beispiel gestern. Wir saßen in der Straßenbahn. Vor uns hatte ein Junge Platz genommen. Sein Gesicht war übersät mit Sommersprossen. Ich betete zu Gott, dass meine Tochter ihre süße Schnauze halten würde. Leider vergebens. »Papi, warum hat der Junge so viele Flecken im Gesicht? Ist er krank? Muss er bald sterben?« Ich zischte: »So etwas fragt man nicht!« Pädagogisch völlig falsch. Auf diese Art wird aus meinem Kind nie ein Genie.

Töchterchen reagierte auf die Abfuhr, indem sie aufstand und durch die Bahn lief. Bei jedem Mann mit Krawatte blieb sie stehen und fragte: »Bist du jüdisch?« Ich lief ihr hinterher und versuchte, sie mit Schokolade abzulenken. Sie nahm die Süßigkeit und fing an, laut zu kreischen: »Baruch ata adoschem Schokolade melech haolam Amen!« Ich versuchte, ihr den Mund zuzuhalten, sie biss mir in den Finger.

Jetzt schrie ich. Alle Leute in der Straßenbahn guckten. Wie peinlich! Ich stieg mit dem Kind an der nächsten Haltestelle aus. Den Rest des Heimwegs machten wir zu Fuß. Zu Hause angekommen, empfing mich meine Frau: »Du hast wieder mal die Haustür nicht abgeschlossen! Der Müllsack steht schon seit zwei Tagen im Flur! Ich habe dir doch gesagt, dass du dieses Hemd wegwerfen sollst!« Wir fingen an zu streiten. Doch jetzt kam das Kind mir zu Hilfe: »Warum streitet ihr? Warum hat Mami eine lautere Stimme als Papi? Warum ist Papi bescheuert? Warum ist Mami eine Zicke? Ist das ein Tier? Ist es koscher?«

Gut, meine Tochter wird nie Klavierstücke komponieren oder jede Woche 300 chinesische Schriftzeichen lernen. Aber als Mediatorin ist sie jetzt schon große Klasse!

Der Autor ist Lehrer und Publizist in der Schweiz.

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Cannes

Hüller als Erika Mann, Eidinger als Gestapo-Chef

Das Programm der Filmfestspiele ist vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Ein Beitrag außerhalb des Wettbewerbs sorgte für Überraschungen

von Patrick Heidmann  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Aufgegabelt

Schawuot: Käse-Bourekas

Rezepte und Leckeres

 21.05.2026

Berlin

Daniel-Ryan Spaulding: Pro-israelischer Comedian aus Kanada in Deutschland

»Wenn wir Freiheit, Demokratie und säkulare Werte verteidigen wollen, dann sollten wir alle an der Seite Israels stehen«, sagt der Künstler, der auch zum Aktivisten wurde

von Imanuel Marcus  21.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026

Leipzig

Ausstellung zu jüdischem Leben und Bach

Johann Sebastian Bach hat sehr wahrscheinlich keine persönlichen Kontakte zu Jüdinnen und Juden gepflegt. Doch seine Werke wurden schon im 18. Jahrhundert von der jüdischen Community aufgeführt und verbreitet

von Katharina Rögner  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026