Finale

Benis Welt

Wir haben kürzlich unserer Tochter ihr erstes Gebetbuch gekauft. Wobei das Wort »Buch« dieses Wunderwerk nur unzureichend beschreibt. Das Druckerzeugnis besteht nicht, wie andere Bücher, nur aus einem Einband und papiernen Seiten. Es gibt darin auch zwölf Tasten. Wenn man auf die drückt, hört man eine Kinderstimme die verschiedenen Gebete vorsingen.

Dieser Siddur hat unsere Lebensqualität entscheidend verbessert. Bevor wir ihn angeschafft hatten, dauerte das Morgengebet mit der Kleinen unendlich lang. Bis sie sich hingesetzt hat, ihre Hände sauber waren und sie wirklich zum letzten Mal auf Toilette gewesen war, hatte ich längst die Geduld verloren, packte das Mädchen in den Kinderwagen und sang ihm ersatzweise auf dem Weg zur Krippe ein paar hebräische Lieder vor, die ich zumindest der Melodie nach kenne.

Jetzt aber: Artig sitzt das Kind in der Frühe auf dem Sofa und drückt wie wild die Gebetstasten. Ich kann derweil wieder meinen Kaffee genießen und in Ruhe Zeitung lesen. Auch andere in der Familie profitieren. Meine Mutter berichtet Freundinnen stolz, dass ihre Enkelin morgens zuerst betet und erst danach »A-a« machen will. Danke, China! Denn dort wird der Wundersiddur produziert, wie auf der Rückseite klein gedruckt vermerkt ist.

Leider funktioniert eine Bracha inzwischen nicht mehr – der Segensspruch »Baruch ata« et cetera. Meine fromme Tochter hat solange auf die arme Taste gehämmert, bis die chinesischen Schaltkreise schlappmachten. Jetzt hört man nur noch »Baba-bababa«. Ersatzweise betet die Kleine stattdessen den Nussach Hamass. (Entschuldigen Sie den deplazierten Kalauer).

alef-bet-telefon Der neue Siddur hat unser Verhältnis zur modernen Technologie grundlegend geändert. Früher waren meine Frau und ich Fortschrittsskeptiker und Kulturpessimisten. Gegen elektronisches Spielzeug haben wir uns lange gesträubt. Auch Kunststoff war suspekt. Unser Baby durfte zwar eine Holzrassel auf den Glastisch werfen, aber keine eventuell krebserregende Plastikschellen. Mittlerweile stellen wir uns Innovationen nicht länger in den Weg. Nach dem Siddur haben wir unserer Tochter inzwischen auch ein Plastiktelefon mit Hundekopf gekauft. Wenn die wissbegierige Kleine dort auf die Tasten haut, lernt sie die hebräischen Zahlen: Achad, Schtaim, Schalosch. Und wenn sie auf den Hundekopf haut, bellt der »Wuffwuff«.

Manchmal beneide ich meine Tochter um ihre tollen modernen Eltern. Ich musste mich in ihrem Alter noch mit langweiligen Büchern aus Papier und ohne Tasten ‘rumschlagen. China gab es damals zwar schon, aber die Menschen dort bauten nur Reis an. Heute vermitteln sie unseren Kindern jüdisches Wissen. Der Fortschritt ist etwas Wunderbares.

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Berlin

Einsatz gegen Judenhass: Iris Berben erhält Deutschen Kulturpolitikpreis

Die Schauspielerin steht nicht nur vor der Kamera, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Der Deutsche Kulturrat würdigt diese Leistung mit einem Preis. Igor Levit ist Laudator

 07.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  07.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  06.08.2026

London

Schwinden die Chancen auf einen jüdischen James Bond?

Seit Jahren wird darüber spekuliert, wer der neue 007 wird. Wenn es nach Produzentin Amy Pascal geht, fällt die Entscheidung bald. Stehen die Chancen für Aaron Taylor-Johnson weiterhin gut?

 06.08.2026

Kulturkolumne

Abschied von einer Gerechten

Laura Cazés erinnert an die Journalistin Marija (Mia) Latković

von Laura Cazés  06.08.2026

Theater

Abschied vom Ich

Jossi Wieler bringt Peter Handkes Stück »Schnee von gestern, Schnee von morgen« bei den Salzburger Festspielen zur Uraufführung

von Nicole Golombek  06.08.2026

Zahl der Woche

4 Etagen

Fun Facts und Wissenswertes

 05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026