Finale

Ayalas Welt

Es gibt Leute, die einfach nicht begreifen wollen, dass ein Knastaufenthalt die Eintrittskarte in ein gottesfürchtiges Leben sein kann. Der israelische Ex‐Präsident Moshe Katzav ist so ein Fall. Statt sich damit abzufinden, die nächsten Jahre hinter den Gittern des Maasiyahu‐Gefängnisses in Ramle zu verbringen und im Trakt der orthodoxen Gefangenen Tschuwa und Läuterung zu erfahren, hält der verurteilte Vergewaltiger seinen Einspruch an das israelische Oberste Gericht aufrecht und hofft, auf diesem Weg um die Strafe herumzukommen.

Wie dumm von ihm! Erstens wird das Gericht dem Antrag, darauf wette ich, nicht stattgeben – und zweitens ist im Gefängnis längst alles vorbereitet für den Haftantritt des ehemaligen Präsidenten. Sogar ein geistlicher Mentor wurde angefragt, um Katzav die Eingewöhnung in den Knastalltag zu erleichtern.

mentor Die Rede ist von Shlomo Benizri, einem ehemaligen Gesundheitsminister und Schas‐Politiker, der wegen Bestechlichkeit im Maasiyahu‐Gefängnis einsitzt, dort, wo auch sein Parteikollege Arye Deri seine Korruptionsdelikte abbüßte. Benizri, der laut einem Bericht der Zeitung Haaretz im Trakt der orthodoxen Häftlinge höchste Autorität genießt, wurde von der israelischen Gefängnisbehörde gebeten, bei Katzavs Haftantritt ein Auge auf den prominenten Mithäftling zu haben.

Der Schas‐Mann, der jeden Tag mit den anderen Knastbrüdern die Tora studiert, sei der geeignete Kandidat, um dem Ex‐Präsidenten die schwierigen Wochen der Eingewöhnung zu erleichtern und ihn daran zu hindern, Gott bewahre, Hand an sich zu legen.

strauss‐kahn Warum will Katzav die Chance nicht wahrnehmen, im Maasiyahu‐Gefängnis wie in Abrahams Schoß zu den Füßen der Frommen zu sitzen und ihre Weisheiten aufsaugen zu dürfen? Ich stelle mir gerade vor, wie Katzav und Benizri gemeinsam in der Tora lesen. Benizri wird Katzav einschärfen, dass ein frommer Mann seinen Trieb mäßigt. Katzav wird – weil es im Orthodoxentrakt keine weiblichen Gefangenen gibt – nach zwei Dritteln seiner Strafe wegen guter Führung entlassen werden.

Anschließend darf er seine Rente genießen. Möglicherweise wird sich der Ex‐Präsident im Knast sogar so wohlfühlen, dass der Franzose Dominique Strauss‐Kahn davon erfährt und – sollte er jemals verurteilt werden – den jüdischen Staat darum bitten wird, ihn als Neueinwanderer zu registrieren, damit auch er seine Strafe in frommer Gesellschaft absitzen darf. Shlomo Benizri wird bis dahin wegen guter Führung längst entlassen sein. Doch wenn Israels Politiker sich treu bleiben, wird es weiter Nachschub geben – und die Lichter im orthodoxen Trakt von Maasiyahu werden niemals ausgehen.

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