Archäologie

Antiker Welthandel

Fernhandel ist keine Erfindung der Neuzeit. Ganz offensichtlich gab es bereits vor rund 3000 Jahren einen regen Warenaustausch zwischen dem Negev und Ägypten. Denn in den Kupferminen von Timna, auch bekannt als König Salomons Minen, im Süden des heutigen Israel, wurde etwas abgebaut, was im Land der Pharaonen hoch im Kurs stand: Kupfer. Dieses Metall ist notwendig für die Herstellung von Bronze, einer Legierung, die einer ganzen Epoche den Namen gab. Und dass es den Weg von Timna an den Nil fand, dafür liefern israelische Forscher jetzt neue Beweise.

In den als Uschebtis oder auch Schabtis bezeichneten Statuetten, die prominenten Verstorbenen seit dem Mittleren Reich – einem zwischen 2137 und 1781 v.d.Z bestehenden Staat im alten Ägypten – als Beigaben mit ins Grab gelegt wurden, entdeckte ein Team unter der Leitung von Shirly Ben-Dor Evian, Kuratorin für ägyptische Archäologie am Israel-Museum, sowie Erez Ben-Yosef, Direktor des archäo-metallurgischen Labors an der Universität Tel Aviv, Spuren des Metalls, das ihren Analysen zufolge auf jeden Fall aus Timna stammen musste.

Dafür untersuchten sie einige Artefakte, die sich in der Sammlung des Israel-Museums befinden und vor Jahren in Tanis, einer Nekropole im Nildelta, ausgegraben wurden. Die Ergebnisse ihrer Forschungen, die neues Licht auf die Beziehungen zwischen Ägypten und der Levante werfen, veröffentlichten sie jetzt in der Fachzeitschrift »Journal of Archaeological Science«.

ELITEN »Im alten Ägypten waren alle Untertanen verpflichtet, einige Zeit im Jahr Zwangsarbeit für das Königreich zu leisten«, weiß Ben-Dor Evian. »Nur die Mitglieder der Eliten wurden davon ausgenommen. Es gab jedoch die Befürchtung, dass diese Befreiung im Jenseits zu Problemen führen könnte. Aus diesem Grund wurden die Mitglieder der Oberschicht mit diesen Figuren begraben, von denen sie annahmen, dass sie als ihre Diener fungieren und in ihrem Namen arbeiten würden.«

Per Isotopenanalyse wurde die Herkunft der Statuetten nachgewiesen.

Oftmals finden sich Hunderte dieser Uschebtis oder Schabtis in einem einzigen Grab. Zu Beginn wurden sie aus Glas, Keramik oder Holz hergestellt. Erst nach dem 11. Jahrhundert v.d.Z. sollte Bronze das Material der Wahl werden. »Genau das stellte die Archäologie über Jahrzehnte vor ein Rätsel, weil aus dieser Zeit keine Abbaugebiete für Kupfer in Ägypten bekannt sind«, betont Ben-Dor Evian.

So kam sie auf die Idee, die Zusammensetzung von Artefakten, die die Namen von König Psusennes I., seiner Frau und dem Chef seiner Armee trugen, also bekannter historischer Gestalten aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts v.d.Z., näher unter die Lupe zu nehmen. Sie kontaktierte Ben-Yosef, der mit seinen Doktoranden eine Isotopenanalyse an den Statuetten durchführte. Bei allen konnte das Kupfer aus Timna nachgewiesen werden. »Zuvor gab es nur eine einzige andere ähnliche Studie, und zwar an einem Bronzeobjekt in Deutschland«, ergänzt Ben-Yosef. »Auch in diesem Fall kam das Kupfer aus Timna.«

KRIEG Die Tatsache, dass es offensichtlich enge Handelsbeziehungen zwischen Timna und Ägypten gab, erlaubt zudem Rückschlüsse auf den Entwicklungsstand der Region, die damals zum biblischen Königreich Edom gehörte. Laut Ben-Yosef stützen die Ergebnisse der Forscher die Ansicht, dass es sich bei den Edomi­tern nicht nur um eine wohlhabende und hoch entwickelte Gesellschaft handeln musste, die auch im engen Austausch mit dem Herrschaftsbereich von König David und König Salomon stand.

Vielmehr glaubt er, dass die Kupferminen von Timna in mancher Hinsicht sogar von Jerusalem aus kontrolliert wurden, wie es der biblische Text über die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen König David und Edom andeutet.

Und genau darüber gibt es einen alten Streit in der Wissenschaft. Gerade König Salomon steht im Ruf, in Jerusalem Prunkbauten in Auftrag gegeben zu haben, die recht opulent mit goldenen und bronzenen Objekten verziert waren. Doch wo die Rohstoffe dafür herkamen, darüber schweigen sich die Schriften aus. In den 30er-Jahren dann hatte der amerikanische Archäologe Nelson Glueck das Abbaugebiet von Timna entdeckt und ihm den Namen »Salomons Minen« gegeben. Die meisten anderen Vertreter seiner Zunft jedoch waren der Ansicht, dass Israels Könige bei Weitem nicht die mächtigen Herrscher waren, wie sie die heiligen Schriften gerne darstellen, um über Timna irgendeine Form der Kontrolle auszuüben.

TRIBUTE Doch Ben-Yosef ist schon länger der Überzeugung, dass Glueck nicht ganz falschlag. Bereits 2013 hatte er in der Gegend von Timna auf einem Sandstein-Tafelberg, auch Sklavenhügel genannt, ummauerte Strukturen, Textilienreste sowie tierische Hinterlassenschaften ausgegraben, die auf die Richtigkeit der alten Thesen von Glueck verweisen. Die Funde würden darauf hindeuten, dass die Minen wohl militärischen Schutz brauchten. Vielleicht hatte König David doch versucht, die Edomiter in die Knie zu zwingen, und von ihnen womöglich Tribute eingefordert.

»Es ist gut möglich, dass Jerusalem seinen Reichtum durch die Besteuerung dieser Bergbauarbeiten erlangte«, hatte der Experte vor einigen Jahren der Zeitschrift »National Geographic« erklärt. Seine Kollegin Ben-Dor Evian ist von dieser Theorie noch nicht völlig überzeugt und hält weitere Beweise für notwendig. Vor allem die Zeit, als König Schischak, der einen Feldzug gegen Jerusalem geführt hatte, Herrscher von Ägypten war, muss noch näher untersucht werden. Und auch hier kann der Kupferhandel Antworten liefern – schließlich dürften die militärischen Auseinandersetzungen auch für ihn nicht folgenlos geblieben sein. Die Archäologen bleiben also weiter am Ball.

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