Akko

Am Tisch von Uri Buri

»Mach dich einfach locker!«: Wie Buri zu kochen, ist eine Lebenseinstellung. Foto: PR

Akko

Am Tisch von Uri Buri

Das neue Buch der israelischen Kochlegende

von Katrin Richter  15.10.2020 06:03 Uhr

Kurz bevor Uri Buri seinen Lesern »Guten Appetit« wünscht, schreibt er den Satz, der eigentlich über dem ganzen Buch stehen könnte: »Mach dich einfach locker!«

Und auch, wenn es dabei eher um den Fettgehalt von Sahne und Kokosmilch geht und weniger um Sport: Ohne so richtig locker zu sein, wird das Nachkochen der Rezepte von Uri Jeremias, wie Buri (Buri heißt übersetzt Meeräsche) mit bürgerlichem Namen heißt, wohl nur der halbe Spaß.

Einkaufsliste Denn in seinem Buch Meine Küche geht es um viel mehr als nur um Zutaten, Einkaufslisten und die sich permanent aufdrängende Frage: Woher bekomme ich so frischen Fisch? Wie Buri zu kochen, ist eine Lebenseinstellung, die er in ein weiteres Bonmot fasst: »Ich habe prinzipiell keine Prinzipien.«

Na ja, vielleicht doch ein paar? Wie Toleranz, Hingabe und dass jeder, der zu Uri Buri kommt, eine Chance erhält. Freude am Kochen, an Menschen, am präzisen Zubereiten und am Ausprobieren. Zur Belohnung stehen dann auch Gerichte wie »Lachssteak mit Martini-Spinat-Sauce«, »Thunfisch mit Joghurt« oder eine »Süße Maissuppe« auf dem Tisch.

Leben Aber: Aufschlagen, Rezept aussuchen und draufloskochen wäre geradezu verwerflich bei Uri Buris Buch, denn sein bisheriges Leben ist selbst ein einzigartiges Menü, das der Co-Autor Matthias F. Mangold aufregend und einfühlsam erzählt – vom Teenager Uri, der in den 60er-Jahren durch Europa reiste, sich Jahre später einen VW-Bus kaufte und damit bis an die pakistanisch-indische Grenze fuhr und schließlich nach Sri Lanka und Nepal trampte.

Vom leidenschaftlichen Koch und Gastgeber Uri, der mit dem Hotel Efendi in Akko ein renommiertes Haus mit dem wohl bekanntesten Fischrestaurant Israels geschaffen hat. Ein »Chef« will er nicht sein für seine Mitarbeiter – das schaffe viel zu viel Distanz. Er ist und bleibt Uri Buri. Ein Unikum.

Uri Jeremias und Matthias F. Mangold: »Uri Buri – meine Küche. Israels legendärer Koch in seinem Element«. Gräfe und Unzer, München 2020. 288 S., 29,90 €

Aufgegabelt

Korkenzieher-Gurken mit Gochujang-Dressing

Rezepte und Leckeres

 14.02.2026

Berlinale

Nachdenken über Siri Hustvedt

Die Regisseurin Sabine Lidl hat eine sehenswerte Dokumentation über die amerikanische Schriftstellerin gedreht – ein Filmtipp

von Katrin Richter  14.02.2026

Berlinale

Arundhati Roy sagt Teilnahme ab

Als Begründung nannte sie die aus ihrer Sicht »unerhörten Aussagen« von Mitgliedern der Jury zum Gaza-Krieg

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlinale

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

Die 76. Berlinale hat mit Glamour, großen Gefühlen und einem wunderbaren Eröffnungsfilm begonnen. Respekt wurde großgeschrieben am ersten Tag. Nur auf der Pressekonferenz der Jury versuchte der Journalist Tilo Jung vergeblich zu polarisieren

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Potsdam

Barberini-Museum zeigt deutsche Impressionisten

Drei große Sonderausstellungen präsentiert das Potsdamer Barberini-Museum pro Jahr. 2026 werden zum Auftakt Werke von Max Liebermann und weiteren Künstlern des Impressionismus in Deutschland gezeigt

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026