London

»Zoo-kah« unter Tieren

Zoo-Direktor Matthew Gould Foto: ZSL / Will Amlot

Zwischen Affen, Löwen und dem Pinguinstrand soll sie stehen: die »Zoo-kah«. Zum ersten Mal seit seiner Gründung 1828 wird in diesem Jahr im Londoner Zoo das jüdische Laubhüttenfest begangen. Die Idee dazu kam von Tierpark-Geschäftsführer Matthew Gould, der auch Chef der Londoner Zoologischen Gesellschaft ist.

In Zusammenarbeit mit der orthodoxen South Hampstead Synagoge ist mitten im Tierpark eine Sukka errichtet worden. Hier können jüdische Familien beten und ihre Mahlzeiten einnehmen. Vom Montag bis zum Donnerstag in der Sukkot-Woche soll es auch frisch gebackene koschere Pizzen, Sandwiches und Snacks geben.

weltoffenheit Traditionell ist der Londoner Tierpark eher für Initiativen wie »Santaʼs Grotto« zur Weihnachtszeit bekannt. Doch seit einiger Zeit versucht man, der Diversität Londons gerechter zu werden. So wurde im Zoo das chinesische Neujahr gefeiert, das hinduistische Holi-Fest oder der Pride-Monat. Für Ramadan erwägt man ebenfalls Aktivitäten.

Mit der Sukka gibt es nun auch etwas, das den Tierpark mit Londons jüdischer Bevölkerung verbindet. Rund 150.000 Juden leben in der britischen Hauptstadt. Erst im August traf Zoo-Geschäftsführer Gould den britischen Oberrabbiner Sir Ephraim Mirvis, um ihm die Arbeit im Bereich Artenschutz der Zoological Society of London, zu der auch der Tierpark gehört, zu erklären. Dabei hob Mirvis das Konzept Tikkun Olam hervor, die Pflicht jüdischer Menschen, die Welt zu heilen.

»Gerade unser Artenschutz ist ein wunderbares Beispiel von Tikkun Olam«, sagte Gould über die Laubhütten-Initiative. Darüber hinaus vermittelten »die Tiere und der wunderschöne Garten den Besuchern eine starke Verbundenheit mit der Natur«.

Zur Sukka, der Laubhütte, hat Gould eine besondere Beziehung.

Zur Sukka, der Laubhütte, hat Gould eine besondere Beziehung. Während seiner Zeit als britischer Botschafter in Israel von 2010 bis 2015 – er war der erste Jude auf diesem Posten – stellte er im Hof der Botschafterresidenz in Ramat Gan eine Sukka auf. Auch das war eine Premiere.

kinder Rabbi Shlomo Levin von der South Hampstead Synagoge nahe dem Tierpark stellt sicher, dass die Zoo-Sukka allen halachischen Ansprüchen gerecht werde. Die Kinder aus seiner Gemeinde helfen bei der Dekoration der Laubhütte mit.

»An den Sukkot-Tagen besuchen viele jüdische Familien den Tierpark – die Sukka wird dafür sorgen, dass es ein ganz besonderes Erlebnis wird«, hofft der Rabbiner. Bereits die Tatsache, dass sie nicht wie sonst ihr eigenes koscheres Essen mitbringen müssten, komme ihnen entgegen.

Die Begeisterung für die einwöchige Laubhütte mitten im Zoo besteht übrigens nicht nur auf seiner Seite, erzählt Levin. So stehe das gesamte Tierparkteam mit großem Enthusiasmus hinter der Idee. »Sollte sich die Zoo-kah als Erfolg bestätigen, wäre der Tierpark sogar bereit, die Laubhüttenaktion zu wiederholen«, sagt Levin. Er hofft, dass es sich herumspricht.

Aufklärung Nichtjüdische Besucher würden zudem mittels einer Schautafel neben der Sukka über die Hintergründe des Festes informiert werden. »Wir erklären darin, dass die Sicherheit der Menschen nicht durch große Häuser oder Reichtum garantiert wird, sondern, selbst in verletzlichen Momenten, durch solch gewöhnliche Feldarbeiterhütten.«

Der Zoo empfiehlt jüdischen Besuchern, ihren Besuch während der Sukkot-Feiertage im Voraus zu buchen. Bei Eintrittspreisen zwischen umgerechnet 22 Euro für Kinder über drei Jahren und 31 Euro für Erwachsene gehört ein Besuch des Tierparks mitten im Londoner Regentʼs Park nicht unbedingt zum günstigsten Freizeitspaß in der britischen Hauptstadt. Hinzu kommen die Ausgaben für die koschere Pizza.

Doch Geschäftsführer Gould und Rabbiner Levin glauben, dass die »Zoo-kah« den Besuch für jüdische Familien wirklich einzigartig machen werde, und was das Eintrittsgeld betrifft, ginge alles bis zum letzten Penny an den Artenschutz und Konservierungsprojekte rund um die Welt. Die Hütte, die Menschen Schutz geben soll, schützt somit auch die Tiere um sie herum.

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Historiker Marģers Vestermanis mit 100 Jahren gestorben

Seine Eltern und Brüder und weitere Angehörige werden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. Er selbst überlebte als einziges Familienmitglied. Nach dem Krieg wurde er Historiker

 03.08.2026

Frankreich

Rückkehr nach Rennes

Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

von Mark Feldon  02.08.2026

Russland

Der schweigende Oligarch

Roman Abramowitsch ist immer wieder Ziel antisemitischer Propaganda. Doch er ist auch regelmäßig zu Gast im Kreml. Eine Annäherung

von Alexander Friedman  02.08.2026