Konferenz

»Wir müssen unsere Kräfte bündeln«

Mit einem Appell an die Geschlossenheit und dem Aufruf zum gemeinsamen Handeln der Juden Europas hat am Sonntagabend im Berliner Hotel Adlon die europäische »Conference of Presidents« begonnen. Rund 150 führende Vertreter jüdischer Gemeinden und Organisationen aus 25 Ländern sind zusammengekommen. Das dreitägige Treffen wird vom »European Council of Jewish Communities« (ECJC) organisiert, Mitveranstalter ist der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch sagte in ihrer Begrüßungsrede: »Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um gemeinsam für unsere Interessen und die berechtigen Ansprüche der jüdischen Gemeinschaft Europas einzustehen.« Knobloch würdigte die Arbeit des ECJC in den Bereichen Bildung, soziale Wohlfahrt, Kunst, Kultur sowie im interreligiösen Dialog. Sie betonte die Bedeutung der Organisation, die eine engmaschige und tragfähige Vernetzung der Gemeinden darstelle: »Wir Juden in Europa müssen gemeinsam handeln und voneinander lernen.«

Der israelische Botschafter in Berlin, Yoram Ben-Zeev, und sein Londoner Amtskollege, Ron Prosor, hoben in ihren Grußworten die Bedeutung des Treffens hervor. Ben-Zeev wies darauf hin, es seie das erste Mal, dass Berlin so eine große Versammlung jüdischer Führungspersönlichkeiten erlebe.

ECJC-Vizepräsident Tomer Orni sagte der Jüdischen Allgemeinen, dass es bei der Konferenz um nichts Geringeres als die Zukunft des europäischen Judentums gehe, das sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen habe: »Wir müssen über Strukturen und Konzepte sprechen. Bei dieser Konferenz kommen so viele Führungspersönlichkeiten zusammen, dass wir nicht nur Fragen stellen, sondern auch einige Antworten geben können.«

Unter anderem werden das europäisch-israelische Verhältnis und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf jüdische Organisationen diskutiert. Als Gäste sind auch der Oberrabbiner Israels, Yona Metzger, der israelische Bildungsminister Gideon Sa’ar und Malcolm Hoenline, der stellvertretende Vorsitzende der »Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations«, mit dabei.

Am Montag hat es den erwarteten Wechsel an der Spitze des ECJC gegeben. Der ukrainische Milliardär Igor Kolomoisky ist zum neuen Präsidenten der Organisation bestimmt worden. Der bisherige Amtsinhaber Jonathan Joseph hatte vor der Wahl dieser Zeitung gesagt, er hoffe, dass in den kommenden Jahren die osteuropäischen Gemeinden entsprechend ihrer zahlenmäßigen Bedeutung eine wichtigere Rolle im ECJC spielen werden. »Sie haben die Kraft und die Energie, diese große Verantwortung voranzutragen.«

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

USA

Ein Stück Heimat

1943 gründeten Flüchtlinge aus Europa einen Stammtisch in New York. Mehr als acht Jahrzehnte war er eine Institution. Mit dem Tod einer der letzten Überlebenden aus dieser Zeit endet eine Ära

von Heidi Friedrich  22.01.2026

Ukraine

Die Kältefolter

Rund drei Stunden mit Licht und Wärme, gefolgt von etwa zehn Stunden ohne: So sieht heute der Alltag – oder vielmehr der Überlebenskampf – der meisten Kyiver aus

von Michael Gold  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Kommende Woche wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  20.01.2026

Nachruf

Zum »idealen arischen Baby« erklärt: Hessy Levinsons Taft gestorben

Der Fotograf sagte Tafts Familie damals, er habe bewusst das Foto eines jüdischen Kindes eingereicht, um die Rassenideologie der Nazis ad absurdum zu führen

von Imanuel Marcus  19.01.2026

USA

Top-Cop im Dilemma

Jessica Tisch, New Yorks erste jüdische Polizeipräsidentin, bleibt auch unter dem antizionistischen Bürgermeister Zohran Mamdani im Amt – zumindest vorerst

von Katja Ridderbusch  18.01.2026

USA

Old Shul

Bundesrichter Alvin K. Hellerstein leitet das Verfahren gegen Venezuelas Ex-Präsidenten Nicolás Maduro. Er ist 92 Jahre alt und orthodoxer Jude

von Michael Thaidigsmann  18.01.2026

Italien

Licht der Erinnerung

Die Juden Lecces wurden 1541 aus dem Königreich Neapel vertrieben. Fast 500 Jahre später wird ihre Geschichte in dem kleinen »Museo Ebraico« zu neuem Leben erweckt – dank zweier engagierter Familien

von Lydia Bergida  17.01.2026