Laubhütten

Von Plastik bis Pressspan

Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen», heißt es im 3. Buch Mose. Sieben Tage, und das in einer selbst gefertigten Sukka. Das überfordert viele nicht nur zeitlich, sondern vor allem logistisch. Ist schon das Schütteln der Arba Minim, der vier Arten, eine Wissenschaft für sich, so liegt es gewiss nicht jedem, eine Laubhütte zu bauen. Auch wenn man die Mizwa des Wohnens eigentlich schon mit der Einnahme der Mahlzeiten in der Sukka erfüllt und den Nieselherbst auch nicht in der Laubhütte aussitzen muss – stabil und ansprechend sollte die Sukka schon sein.

zementblöcke Wer also nicht die hintere Wand seines Hauses oder der Garage als eine der vier Wände der Sukka verwenden möchte, um in den anderen Ecken zwei Zementblöcke aufzustellen und Dachlatten einzufügen, die dann Leisten und Abdeckung tragen sollen – dem kann geholfen werden, zumindest in Brooklyn. Gleich mehrere Anbieter buhlen um die Gunst des Kunden mit zwei linken Händen.

Wondersukkah.com wirbt mit einem Modell, das «so einfach zusammenzubauen ist wie Lego». Allerdings sieht die Hütte auch arg nach Plastik aus. Es werden einzelne Komponenten angeboten, die sich mit Kunststoffzargen zusammensetzen lassen. Wenn man es denn hinkriegt. Denn alles sieht so aus, als beziehe sich der Name des Unternehmens darauf, dass es ein Wunder wäre, sollte diese Lego-Sukka auch wirklich sieben Tage überstehen.

Bei mancher Sukka hofft man, dass sie die sieben Tage übersteht.

Ganz anders geht es bei sukkahdepot.com zu. «Wir haben das Sukka-Design mit unserem Easy-Lock-System revolutioniert. Es ermöglicht beinahe jedem, seine Sukka ohne irgendein Werkzeug und ohne Schrauben in ein paar Minuten aufzubauen», schreiben die Macher vom «sukkahdepot» selbstbewusst auf ihrer Website.

«Beinahe jedem» – das lässt einen Rest Skepsis zurück. Doch die zweifarbig gehaltenen Sukkot sehen durchaus fesch aus, ein wenig wie eine Mischung aus Zelt und Gartenhaus. Das günstige Basismodell «Classic Sukkah 4x6 (mit Dach)», also eine 1,22 mal 1,83 Meter große Sukka, ist schon ab 408 Dollar zu haben – allerdings sind die kleinsten drei Größen seit Längerem ausverkauft. Bis zu einer Größe von 3,7 mal 6,1 Meter gibt es das Einsteigermodell. Diese größte Standard-Sukka ist für beträchtliche 1444 Dollar zu haben.

Weitere Sukkot-Kategorien sind Premium und Royal. Die Royal Sukkah kommt in drei Farben daher und ist – von der Stange – bis zu einer Größe von 6,1 mal 9,1 Meter erhältlich, bei einer Höhe von 2,29 Meter. Dieser Sukka-Luxus schlägt dann allerdings mit 2100 Dollar (mit Dach 2960 Dollar) zu Buche. Die eigens für die «Royal»-Reihe erhältlichen Spezialtapeten kosten natürlich auch extra. Auf Wunsch sind alle Modelle auch in individuellen Größen erhältlich.

Pressspan-Paneele Wer ein Sukka-Wachstum einkalkuliert, weil ja auch die Mischpoche größer wird, der ist vielleicht mit der Paneel-Sukka am besten aufgehoben. Sie bietet unbegrenzte Ausdehnung in Form kombinierbarer Pressspan-Paneele, die manch einen sentimental an Ikea in den 80er-Jahren denken lässt.

Das «sukkahdepot» wäre natürlich kein New Yorker Unternehmen, wären die Fenster nicht insektensicher und blickdicht. Hinzu kommen noch Extra-Patente wie Ez-Fold, die für weniger patente Sukka-Bauer gewiss sehr segensreich sein können.

Bei all dem Luxus haben die Sukka-Macher aus Brooklyns 39. Straße natürlich auch den Single nicht vergessen. Für ihn gibt es die «Carry-on Sukkah». Sie sei in einer Minute aufgebaut, so das Firmenversprechen. Für 249 Dollar gibt’s die mobile Mini-Sukka (1,2 mal 1,2 Meter Kantenlänge) für den Kofferraum.

Den Vogel in Sachen Mobilität schießt allerdings das Konkurrenzunternehmen Leiter’s Sukkah ab. Deren «Fold N Go»-Sukka ist 106,7 Zentimeter breit und 1,83 hoch. Inklusive Schach (Dach) sieht sie aus wie eine komfortable Hunde­behausung, dafür ist die Tragetasche äußerst praktisch.

Daneben setzt auch Leiter’s auf unterschiedliche Ausstattungen und Modelle. Deren Linie «Sunshine» ist deutlich für jene Glücklichen gedacht, die ihr Laubhüttenfest in warmen Gefilden wie Florida verbringen. Zitat: «Die Fenster ermöglichen Luftaustausch in Ihrer Sukka, und die Sonnenblenden filtern das direkte Sonnenlicht – all das für ein höchst vergnügliches Jom-tov-Erlebnis.» Zum gleichen Preis ist das Modell «King David» für die etwas kühleren Gefilde zu haben. Klar, dass das Jom-tov-Erlebnis mit dem «Easy-Lock»-System noch jom-toviger wird, lässt sich doch die Sukka mit einem Fingerschnipp auf- und wieder abbauen. Der Preis für so viel Laubhütten-Know-how in der größten Tropenvariante kostet gut 2000 Dollar. Auch hier gilt, dass man sich jedes Modell auch individuell anfertigen lassen kann.

gelsenkirchener BAROCK Im Übrigen bietet Leiter’s auch Dekorationen an. Die wiederum erinnern in ihrer kitschigen Machart weniger an Ikea als an Gelsenkirchener Barock mit dem dazu passenden röhrenden Hirsch. Ob «Old City Kotel Harova Decoration» oder «David Tower Decoration» – schön sieht anders aus.

Ganz anders montrealsukkah.com. Die Kanadier bieten Komplettanbauten mit Zehnjahres-Garantie und Aufbauservice an. Allerdings fehlen Preisangaben bei den stylischen wintergartenartigen Bauten. Doch sind es wetterfeste Paläste, und das wiederum mag nicht in jedermanns Sinne sein.

Ein Unternehmen bietet Komplettanbauten mit Zehnjahres-Garantie.

Vielleicht bleibt einem dann eben doch nichts anderes übrig, als alles technische Geschick zusammenzunehmen und selbst Hand anzulegen (zitiert aus Kerry M. Olitzky und Ronald H. Isaacs: «Kleines 1x1 jüdischen Lebens». Jüdischer Verlag für Gemeindeliteratur, London 2015):
«1. Eine Sukka muss vier Wände haben. (Eine der Wände kann die Wand deines Hauses sein.)
2. Beginne mit dem Bau der Sukka so bald wie möglich nach Jom Kippur.
3. Eine von vielen Möglichkeiten, eine Sukka zu bauen, ist die folgende:
a. Verwende die hintere Wand deines Hauses oder der Garage als eine der vier Wände.
b. Errichte zwei Zementblöcke in den anderen Ecken und füge Dachlatten (3x4 oder 3x6 cm, 2,40 Länge) in die Blöcke. Verbinde die Latten mit Leisten (2x3 cm) in der Mitte und oben.
c. Spanne Sackleinen oder Plastik darüber oder nagele dünnes Sperrholz an den Rahmen. (Beachte: Eine Seite muss als Eingang dienen, wenn sie mit Sackleinen bespannt ist.)
d. Lege in beide Richtungen Leisten (1x2 cm) auf das Dach und bedecke sie mit Bambus, Zweigen, Spelze oder anderem organischen Material. Denke daran: Die Sterne müssen hindurchscheinen.
e. Dekoriere das Innere der Sukka mit Fruchtgehängen, Rosch-Haschana-Grußkarten, Postern, Papiergirlanden und Ähnlichem.
f. Hänge eine elektrische Lichterkette in die Sukka für die Mahlzeiten am Abend.»
Und ganz wichtig: Sei vorsichtig!

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