Indonesien

Unerwartete Nähe

Anti-israelische Demonstration in Indonesien Foto: picture alliance / NurPhoto

Für viele vor allem junge Israelis ist Indonesien ein Traumreiseland. Doch der Urlaub bleibt trotz des seit 2018 möglichen Tourismusvisums schwierig, und die Angst hält schließlich viele davon ab, in den Flieger zu steigen.

Der südostasiatische Inselstaat mit seinen mehr als 275 Millionen Menschen ist das Zuhause der größten muslimischen Bevölkerung der Welt und hat Israels Existenzrecht nie anerkannt. Indonesien steht politisch fest an der Seite der Palästinenser, und während seine Politiker Israel verdammen, kommt es auf den Straßen immer wieder zu heftigen anti-israelischen Protesten. Erst im Januar hat das Land beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Israel Klage eingereicht und Südafrikas Völkermord-Vorwürfe unterstützt.

»Es ist ein langer Prozess«

Und doch: Immer wieder hat es auch Gerüchte über eine Annäherung gegeben, die vor allem auf wirtschaftlicher Ebene vor sich gehe. Vor ein paar Jahren war es die Landwirtschaft, Handel werde schon lange betrieben, angeblich mit einem jährlichen Volumen von 500 Millionen Dollar, berichtete CNN Indonesia 2021. Das große Ziel ist die Normalisierung, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, was einer Anerkennung gleichkäme, die mehrere arabische Länder bereits vollzogen haben, wie Bahrain und die UAE. Dies könnte Indonesien den erhofften technologischen Aufschwung bringen, analysiert »The Diplomat«.

»Es ist ein langer Prozess«, zitierte die »Jerusalem Post« einen US-Diplomaten, als US-Außenminister Antony Blinken 2021 Jakarta besuchte. Die USA unterstützen eine Annäherung sehr. »Es gibt ein Treffen und dann noch eins und nicht gekennzeichnete Flugzeuge und all das, was man sich vorstellt, weil man es mal im Kino gesehen hat, und dann eines Tages passiert es.«

Dieser Tag könnte nun endlich gekommen sein, denn wie mehrere israelische Medien berichten, gebe es bereits seit Monaten einen zwar geheimen, aber sehr realen Austausch über Indonesiens Willen zur Annäherung. Dies wäre ein leuchtendes politisches Zeichen an den Rest der muslimischen Welt, wo der Israelhass derzeit lichterloh brennt.

Die Mitgliedschaft in der OECD ist das Ziel

Natürlich gibt es auch einen handfesten Grund für den ideologischen Wandel. Es ist Indonesiens Wunsch, der »Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung« (OECD) beizutreten. Dass dies an ein einstimmiges Votum der 38 Mitgliedsstaaten gebunden ist, zu denen Israel gehört, hat die Verhandlungen überhaupt erst möglich gemacht. Die OECD habe den Aufnahme-Prozess für Indonesien im Februar begonnen, berichtet die israelische Zeitung »Yedioth Ahronoth«. Israel habe abgelehnt mit dem Verweis auf die fehlenden diplomatischen Beziehungen.

Daraufhin habe OECD-Generalsekretär Mathias Cormann Indonesien versprechen lassen, seine anti-israelische Haltung zu ändern. Doch das reichte nicht, und Israels Außenminister Israel Katz habe eine Normalisierung der Beziehungen gefordert, so der Bericht. Schließlich habe Cormann Katz in einem Brief mitgeteilt, dass er folgenden Deal verhandeln konnte: Indonesien würde erst aufgenommen, wenn es Israel anerkenne. Angeblich habe Jakarta die Bedingung bereits angenommen.

Die indonesische Regierung hat sich bisher noch nicht öffentlich zu dem Vorgang geäußert. Allerdings war es der neu gewählte Präsident Prabowo Subianto, der sich vor drei Jahren für die landwirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder besonders starkgemacht hat.

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  26.06.2026

Frankreich

Gesinnung von der Stange

Antisemitismus und eine feindliche Haltung gegenüber Israel stehen in der Modewelt hoch im Kurs. Längst gehören sie zum ideologischen Accessoire so mancher Marke

von Ute Cohen  25.06.2026

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Nachruf

Erfinder des »Greenspeak«

Alan Greenspan prägte als Chef der US-Notenbank eine 19 Jahre währende Boom-Phase der Börsen und Konjunkturen

von Philip Fabian  23.06.2026

Nachruf

Clive Davis: Der Mann, der den Sound ganzer Generationen prägte, ist tot

Der jüdische Musikmanager entdeckte und förderte Bands und Künstler wie Earth, Wind & Fire, Chicago, Santana, Whitney Houston, Barry Manilow und Barbra Streisand

 23.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

St. Petersburg

Im Licht der Weißen Nächte

Die Mitternachtsdämmerung des Nordens weckt Erinnerungen an Märchen und führt unseren Autor zurück in seine Kindheit im damaligen Leningrad

von Vladimir Vertlib  18.06.2026

Schweiz

Jugendlicher plante Blutbad

Der Prozess gegen einen Schüler, der einen Juden in Zürich töten wollte, beginnt am 1. Juli. Die Anklageschrift zeichnet das Bild eines sich früh radikalisierenden Jugendlichen

von Nicole Dreyfus  18.06.2026