75 Jahre Warschauer Aufstand

»Tiefe Scham für Nazi-Grausamkeit gegen Polen«

Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwochabend bei der Gedenkveranstaltung in Warschau Foto: dpa

75 Jahre nach dem Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer hat Bundesaußenminister Heiko Maas »unglaubliche Widerstandskraft der Polen« gegen die Grausamkeit der Nazis gewürdigt. »Für das, was Polen von Deutschen und in deutschem Namen angetan wurde, kann man nur tiefe Scham empfinden«, sagte Maas nach einem Gespräch mit dem polnischen Außenminister Jacek Czaputowicz am Mittwochabend in der polnischen Hauptstadt.

Es erfülle ihn »mit Demut und mit Dankbarkeit«, in Warschau bei den Gedenkfeiern zum Jahrestag des Aufstands dabei zu sein. Vor dem Denkmal des Warschauer Aufstands nahm er am Abend an einem Gedenkgottesdienst teil.

KÄMPFE Am 1. August 1944 hatte sich die Armia Krajowa – die Polnische Heimatarmee – gegen die Besatzungsmacht der Nazis erhoben. Nach 63 Tagen war der Warschauer Aufstand blutig niedergeschlagen. Etwa 200.000 polnische Soldaten und Zivilisten wurden während der Kämpfe getötet, etwa eine halbe Million anschließend deportiert. Als Rache wurde die polnische Hauptstadt von den Nazis fast komplett dem Erdboden gleichgemacht.

Maas ist der ranghöchste deutsche Gast beim Gedenken an den Aufstand seit Bundeskanzler Gerhard Schröder, der 2004 zum 60. Jahrestag in Warschau war. Am Donnerstag legte er gemeinsam mit seinem polnischen Kollegen Jacek Czaputowicz einen Kranz am Denkmal für die Opfer des Massakers von Wola während des Aufstands nieder. Es gilt als eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs mit etwa 50.000 Toten. Im Museum des Warschauer Aufstands hielt Maas zudem eine Rede halten.

Es erfülle ihn »mit Demut und mit Dankbarkeit«, in Warschau bei den Gedenkfeiern zum Jahrestag des Aufstands dabei zu sein.

Der Warschauer Aufstand wird in Deutschland oft mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto im April und Mai 1943 verwechselt, der von den Nazis ebenfalls blutig niedergeschlagen wurde. Am 7. Dezember 1970 kniete der damalige Bundeskanzler Willy Brandt in einer historischen Versöhnungsgeste vor dem Denkmal für die Helden des Warschauer Ghettos nieder.

TRUPPEN Der Aufstand von 40.000 Kämpfern der Polnischen Heimatarmee 1944 begann, als die sowjetischen Truppen bereits in den östlichen Stadtteilen am Weichselufer angekommen waren. Sie griffen nicht ein und hinderten sogar Flugzeuge der anderen Kriegsalliierten mit Hilfsgütern daran, auf sowjetischen Flughäfen zu landen.

Der Aufstand wurde von den deutschen Besatzern mit beispielloser Brutalität vergolten. Beim Abzug der deutschen Truppen waren 90 Prozent der Gebäude der Stadt, die einst als »Paris des Ostens« galt, zerstört. Von den 1,2 Millionen Menschen, die vor dem Krieg in der polnischen Hauptstadt lebten, verschanzten sich zwischenzeitlich nur noch einige hundert in den Ruinen.

Schätzungen gehen von etwa 1000 aus. Insgesamt kamen im Zweiten Weltkrieg zwischen fünf und sechs Millionen Polen durch Krieg, Terror und systematischen Völkermord ums Leben – 15 bis 17 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Diplomatie

»Entsetzen« über Israels Beobachterstatus in Afrikanischer Union

Vorige Woche gewährte der Staatenbund mit Sitz in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba Israel einen Beobachterstatus

 29.07.2021

Großbritannien

Mehr Angriffe gegen Juden in London nach Terrorwelle in Nahost

Chaim Hochhauser: »Wenn es in Israel hochkocht, kocht es hier auch hoch«

von Larissa Schwedes  29.07.2021

Großbritannien

London beschließt Bau eines Holocaust-Mahnmals

Eine Vertreterorganisation britischer Juden begrüßt die Pläne

 29.07.2021

Mexiko

Stadt der Tora

Ein Immobilienunternehmer möchte einen Ort des jüdischen Lernens errichten – der Grundstein ist bereits gelegt

von Andreas Knobloch  29.07.2021

Nachruf

Rudi Leavor ist tot

Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Bradford (England) starb im Alter von 95 Jahren

 28.07.2021

USA

Protest gegen BDS-Resolution

Professoren, Dozenten und Mitarbeiter der City University of New York verlassen wegen des Textes ihre Gewerkschaft

 28.07.2021

Tokyo 2020

Algerischer Judoka verweigert Kampf gegen Israeli

Internationaler Judoverband suspendiert Athlet und Trainer – Olympisches Komitee will Sanktionen prüfen

 24.07.2021

2. August

Digitales Gedenken

Erinnerung an Ermordung von 500.000 europäischen Sinti und Roma durch die Nazis auch in diesem Jahr virtuell

 23.07.2021

Kuba

Verzweiflung und Frust

Wie die jüdische Gemeinde zu den Protesten gegen das Regime steht

von Andreas Knobloch  23.07.2021