Zu Fuss durchs jüdische New York

Steins Zeit

Und plötzlich wird es zu einer jüdischen Gegend. Dabei hatte es anfangs, als ich in Brooklyn an der Ecke Nostrand Avenue und Sterling Street aus der Subway stieg, gar nicht so ausgesehen: viele schwarze Gesichter auf der Straße, viel mexikanisches Spanisch.

Aber ein bisschen weiter westwärts in Richtung Prospect Park kamen mir schon bärtige Herren in schwarzen Anzügen entgegen, und ich passierte einen großen koscheren Lebensmittelladen. Zwei Frauen unterhielten sich mitten auf der Straße: »Ma nischma?«, fragte die eine auf Hebräisch. Aha! Eine Lubawitscher-Gegend. Andere Chassidim sprechen ja eher Jiddisch, als dass sie sich im profanen Alltag des Hebräischen bedienen würden.

Chassidim Als ich den Empire Boulevard entlang schlendere, fällt mir ein Schild auf: »Betzalel Gallery«. Hinein! Es gibt nur einen kleinen Ausstellungsraum, zwei freundliche junge Chassidim stehen dort herum. Ob sie die Künstler seien, will ich wissen, nachdem ich die Bilder an den Wänden bestaunt habe. Nein, sie repräsentierten die Künstler bloß.

Unter uns gesagt: Das meiste, was da hängt, ist bonbonbunter Kitsch. Weise Zaddikim, jüdische Kinder mit Kippa. Man müsste einmal untersuchen, warum die Bildsprache des religiösen Kitsches so universal ist. Überall dieselbe farbige Betulichkeit: bei den Zeugen Jehovas, den Hindus, auf katholischen Heiligenbildchen oder modernen schiitischen Abbildungen des Propheten. Aber dies nur nebenbei.

Ich habe in der Betzalel-Galerie nämlich auch einen richtigen Maler gefunden: Itshak Holtz, 1925 in Polen geboren, 1935 nach Jerusalem ausgewandert. Gewiss, auch er zeichnet Genreszenen: fromme Alte in Mea Schearim, ein Vater mit großem Hut und sein Sohn, ein Marktstand, wo Männer Lulawim und Etrogim kaufen.

Aber die Genreszenen von Holtz sind schön. Sie lassen alles offen. Sie geben keine Antworten, sondern stellen Fragen – ganz still, ganz eindringlich. »Vielleicht komme ich zurück«, sage ich zu den beiden jungen Chassidim. »Vielleicht kaufe ich etwas.« Jedenfalls werde ich mir den Namen Holtz merken.

Betzalel Gallery, 567 Empire Boulevard

Schweiz

Leerstellen im Mengele-Dossier

Nicht nur geschwärzte Namen sorgen im Mengele-Dossier des Nachrichtendienstes für Fragen. Auch wichtige Unterlagen fehlen – und niemand kann heute mehr genau erklären, warum.

von Nicole Dreyfus  06.10.2026

Großbritannien

»Die Grünen sind jetzt eine extremistische Partei«

Ein Parteitagsbeschluss der englischen Grünen, in dem der Zionismus als eine Spielart des Rassismus bezeichnet und zur Befreiung Palästinas aufgerufen wird, ist nicht nur in Großbritannien auf heftige Kritik gestoßen

 05.10.2026

Nachruf

Weimer würdigt gestorbene Holocaust-Überlebende Irene Butter

Eine weitere jüdische Zeitzeugin des Holocaust ist tot. Irene Butter starb im Alter von 95 Jahren in den USA. Lange hatte sie nichts von ihren Erlebnissen im KZ erzählt. Dann berichtete sie jahrzehntelang Schülern von ihrem Leben

von Christoph Arens  05.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Gespräch

Jüdische Stimme am Vatikan

Viktor Eichner vom Jüdischen Weltkongresses hat ein großes Ziel: sich für die jüdische Gemeinschaft einzusetzen – vor allem beim Heiligen Stuhl

von Sabine Kleyboldt  02.10.2026

USA

Jüdischer Stolz auf der New York Fashion Week

Zum ersten Mal war eine exklusiv jüdische Modenschau Teil des berühmten Events. Mit Modest Fashion, Abendkleidern und Bikinis

von Sophie Albers Ben Chamo  01.10.2026

Großbritannien

Dame Esther Rantzen mit 86 Jahren gestorben

Die Journalistin setzte sich für Kinder, Senioren und eine Legalisierung der Sterbehilfe ein

 01.10.2026

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026