Zu Fuß durchs jüdische New York

Steins Zeit

Die Lower East Side, von der an dieser Stelle schon öfter die Rede war, ist so etwas wie der Durchlauferhitzer Amerikas. Generationen um Generationen von Einwanderern sind hier durchgegangen: Deutsche, Russen, Polen, Ukrainer und selbstverständlich auch Juden aus dem Zarenreich, aus allen deutschen Ländern, aus der Donaumonarchie. Später waren die Chinesen dran, noch später die Leute aus der Dominikanischen Republik.

Die Auswanderer kamen kalt hier unten an und wurden dann vom Wärmestrom der amerikanischen Gesellschaft weiter und sozial nach oben getragen. Jeder fünfte Amerikaner, ganz gleich, wo er lebt, hat heute zumindest ein Familienmitglied, das in der Lower East Side gelebt hat.

Mietwohnungen Ich wollte mir dort schon immer das »Tenement Museum« anschauen, das Museum über die Mietwohnungen in diesem Stadtviertel, das früher einmal elend und verdreckt war, weil hier eine größere Bevölkerungsdichte als in Kalkutta herrschte. Vor ein paar Tagen habe ich es dann endlich geschafft. Ich nahm meinen Freund Utz mit, der in der DDR im Gefängnis gesessen hat, weil er den Sozialismus nicht so gut fand.

Die Führung war exzellent. Eine junge schwarze Frau, die sich hervorragend vorbereitet hatte, führte uns durch einen finsteren Gang eine enge Treppe hoch in die Wohnung der deutsch-jüdischen Familie Gumpertz, die hier in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts lebte. Ein Schneider, seine Frau, vier Kinder, Toiletten und Wasserquelle im Hinterhof. Der jüngste Sohn starb, dann haute der Mann ab, weil er die Familie in einer Wirtschaftskrise nicht mehr über Wasser halten konnte.

Die Frau, sie hieß Nathalie Gumpertz, brachte ihre Familie durch, indem sie sich Näharbeiten und alleinstehende Frauen als zahlende Gäste ins Haus holte. Was für ein Elend, was für ein Mut! Am meisten aber beeindruckte mich mein Freund Utz. Als wir die Außentoilette besichtigten, die nach der Jahrhundertwende für alle Familien eines Stockwerks installiert wurde, flüsterte er mir ins Ohr: »Anders haben wir in der DDR auch nicht gelebt.«

USA

Gefährliche Verzerrung

Impfgegner ziehen immer wieder Vergleiche zwischen Corona-Schutzmaßnahmen und dem Holocaust

von Bernd Tenhage  26.01.2022

Nach Geiselnahme in US-Synagoge

Erneut zwei Festnahmen in England

Die beiden Verdächtigen sollen sich in Gewahrsam befinden

 26.01.2022

Rumänien

Schoa als Pflichtfach

Nach einem Parlamentsbeschluss soll an weiterführenden Schulen »Die Geschichte des Holocaust und des jüdischen Volkes« gelehrt werden

von György Polgár  26.01.2022

Auschwitz

Touristin zeigt Hitlergruß

Die Polizei in Polen hat auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte eine Frau aus den Niederlanden festgenommen

 24.01.2022

Nachruf

Trauer um Schoa-Überlebenden Raphael Esrail

Er starb im Alter von 96 Jahren in Lannion im Nordwesten Frankreichs

 23.01.2022

USA

Die Diplomatin

Vize-Außenministerin Wendy Sherman verfügt über besonderes Verhandlungsgeschick. Wird es ihr gelingen, einen Angriff Putins auf die Ukraine zu verhindern?

von Michael Thaidigsmann  23.01.2022

Südafrika

Jude, Brite, Zulu

Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint die Autobiografie des Sängers und Aktivisten Johnny Clegg

von Markus Schönherr  22.01.2022

USA/Grossbritannien

Jüdische Gemeinden in Alarmbereitschaft

Nach der Geiselnahme durch einen offenbar islamistisch motivierten Briten in Texas gibt es Sorge vor neuen Angriffen

 21.01.2022

Einspruch

Das unbequeme A-Wort

Daniel Killy fordert nach der Geiselnahme in der Synagoge in Texas, Judenhass als Motiv konsequent zu benennen

von Daniel Killy  20.01.2022