Kamerun

»Reiche und arrogante Rasse mit viel Macht«

Entschuldigte sich für die Worte seines Kabinettskollegen: Kameruns Außenminister Lejeune Mbella Mbella Foto: dpa

In Kamerun hat ein Holocaust-Vergleich des stellvertretenden Justizministers Empörung ausgelöst. Jean de Dieu Momo hatte im Staatsfernsehen CRTV Parallelen zwischen der Opposition und den Juden im Deutschen Reich gezogen.

»In Deutschland hat es damals eine sehr reiche und arrogante Rasse gegeben, die enorme wirtschaftliche Macht gehabt hat«, sagte Momo dem »Journal du Cameroun« vom Dienstag zufolge in der Live-Sendung. Eines Tages sei ein gewisser Hitler an die Macht gekommen und habe diese Volksgruppe in Gaskammern gesteckt.

ISRAEL Mit seiner Äußerung drohte Momo indirekt den Kritikern der Regierung. Der seit mehr als einer Woche inhaftierte Oppositionsführer Maurice Kamto gehört wie viele seiner Anhänger der Volksgruppe der Bamelike an, die in Kamerun als erfolgreiche Geschäftsleute gelten. Die israelische Botschaft verurteilte Momos Äußerungen scharf und warf ihm vor, die Schoa zu rechtfertigen und antisemitische Vorurteile zu verbreiten.

In Deutschland habe es eine sehr reiche und arrogante Rasse gegeben, sagte der Politiker.

Die kamerunische Regierung entschuldigte sich inzwischen für die Äußerungen und wies sie weit von sich. Momo habe nur für sich persönlich gesprochen, erklärte Kommunikationsminister Réné Sadi.

Außenminister Lejeune Mbella Mbella habe den israelischen Botschafter empfangen und ihm sein aufrichtiges Bedauern übermittelt. Kamerun sei weiter an vertrauensvollen und für beide Seiten nutzbringenden Beziehungen zu Israel interessiert.

OPPOSITION Kameruns Regierung unter dem greisen Präsidenten Paul Biya (85) greift immer brutaler gegen die Opposition durch, die den Wahlsieg Biyas vom Oktober nicht anerkennen will. Amnesty International spricht von einer Eskalation der Lage in dem zentralafrikanischen Land.

Die israelische Botschaft verurteilt Momos Äußerungen scharf.

Am vorvergangenen Wochenende hatte die Polizei mehr als 100 Demonstranten festgenommen, mindestens zwei Menschen sollen von Polizisten angeschossen worden sein. Unter den Festgenommenen befindet sich aller Voraussicht nach auch ein deutscher Staatsbürger.

Biya regiert das Land seit 1982 zunehmend autokratisch und ist der Präsident mit der längsten Regierungszeit in Afrika. Im Westen Kameruns herrscht seit rund zwei Jahren ein Bürgerkrieg. Die dortige englischsprachige Minderheit wirft der Regierung vor, zugunsten der französischsprachigen Bevölkerungsmehrheit benachteiligt zu werden.

Die Zahl der Toten allein im vergangenen Jahr wird auf mindestens 400 geschätzt. Die einstige deutsche Kolonie Kamerun in Zentralafrika war nach dem Ersten Weltkrieg zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilt worden.  epd/ja

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt…

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Genf

Ronald Lauder warnt vor Entfremdung zwischen Israel und der Diaspora

»Wir müssen bestehende Risse reparieren, bevor es zu spät ist«, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

 15.05.2026

Nachruf

Mann mit Prinzipien

Ein halbes Jahrhundert lang stand »Abe« Foxman im Dienst der Anti-Defamation League, die Hälfte davon als ihr Chef. Nun ist der Schoa-Überlebende im Alter von 86 Jahren gestorben

von Michael Thaidigsmann  14.05.2026

Washington D.C.

Mehr als eine Million Dollar für Schutz jüdischer Einrichtungen in Los Angeles

Das Geld fließt ins Community Security Initiative Program. Das Projekt arbeitet mit jüdischen Einrichtungen zusammen und koordiniert Kontakte zu Sicherheits- und Rettungsbehörden

 12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026