Bern

»Paradigmenwechsel für die Schweiz«

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hatte das Vorhaben mit angestoßen und begrüßte nun den Beschluss. Foto: imago images/Andreas Haas

In Bern soll schon bald eine nationale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus gebaut werden.

Einstimmig stimmte der Nationalrat – das schweizerische Pendant zum Bundestag – am Donnerstagvormittag einem entsprechenden Antrag des Abgeordneten Daniel Jositsch zu. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Ständerat, die Vertretung der Kantone, ebenfalls ohne Gegenstimmen eine entsprechende Initiative befürwortet, und auch die Regierung steht dem Vorhaben positiv gegenüber.

OPFER Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) begrüßte das Vorhaben als »historisch wichtigen Schritt«.  Bereits heute gibt es in der Schweiz rund 60 Orte, die auf private Initiative hin entstanden sind, um an die Schoa und die nationalsozialistischen Verbrechen zu erinnern.

Tausende Schutzsuchende wurden während des Zweiten Weltkriegs an der Schweizer Grenze zurückgewiesen, weitere des Landes verwiesen. Der SIG wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass auch Schweizer unter den Opfern der NS-Herrschaft waren.

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Bereits im Mai 2021 legten mehrere Organisationen, darunter der SIG, dem Bundesrat ein ausgearbeitetes Konzept für ein Memorial vor. Es sieht drei Leitthemen vor: »Erinnern – vermitteln – vernetzen«. Als Gedenkort im öffentlichen Raum solle die Gedenkstätte die Opfer in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig ein Ort der Vermittlung von Informationen zur nationalsozialistischen Verfolgung bereitstellen.

NACHDENKEN »Die Opfer des Nationalsozialismus und der Schoa dürfen nicht vergessen werden. Sie und die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes sind tief im kollektiven Bewusstsein der Jüdinnen und Juden, auch hier in der Schweiz, verankert«, erklärte der SIG in seiner Stellungnahme. Das Erinnern zeige Lehren für die Gegenwart und Zukunft auf. Insbesondere die nächsten Generationen sollen so mit dem edukativen Angebot des Memorials zum kritischen Nachdenken über Vorurteile und Ausgrenzung befähigt werden.

SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Die Tatsache, dass dieser Beschluss von beiden Parlamentskammern einstimmig getroffenen wurde, stellt nicht weniger als einen Paradigmenwechsel im Umgang der Schweiz mit der eigenen Erinnerung dar.« Noch in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es im Zuge der Affären um die sogenannten nachrichtenlosen Konten von Holocaustopfern bei Schweizer Banken große Debatten in der Eidgenossenschaft um die Rolle der Schweiz in der Zeit des Nationalsozialismus. mth

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