Amsterdam

Offene Fragen nach Zwischenfall

Absperrung nach dem Zwischenfall am Hauptbahnhof Foto: dpa

Acht Verletzte, zwei davon schwer: Das war die Bilanz eines Zwischenfalls am Samstagabend auf dem Amsterdamer Bahnhofsvorplatz. Dabei war ein 45-jähriger Mann mit einem schwarzen Peugeot in eine Gruppe Passanten gerast. Zuvor hatte ihn die Polizei angehalten und verwarnt, weil er auf der Tram-Spur gefahren war.

Was anfänglich nach einem Terrorakt ausgesehen hatte, stellte sich inzwischen als Blackout eines Diabetikers heraus. Das zumindest ist die offizielle Begründung der Amsterdamer Polizei. Nachdem das Auto an der Betonmauer eines Metro-Eingangs zum Stillstand gekommen war, wurde der Mann verhaftet. Sein Blutzuckerspiegel sei extrem niedrig gewesen, so die Polizei. Nach der Verwarnung sei dem Fahrer »unwohl« geworden, an die vermeintliche Amokfahrt habe er keine Erinnerung. »Es hat dabei aber definitiv keine Absicht« vorgelegen.

Zweifel Längst nicht alle in den Niederlanden geben sich mit dieser Erklärung zufrieden. Anlass ist die Aussage eines Zeugen gegenüber dem lokalen Fernsehsender AT5. Nach dem Kontakt mit den Beamten startete der Fahrer demnach »mit einem Telefon in der Hand sein Auto und fuhr mit Vollgas in die Menge«. Dabei habe er deutlich bis auf etwa 50 Stundenkilometer beschleunigt.

Bereits am Samstagabend wurden in den sozialen Medien erste Vorwürfe laut, die Polizei wolle wichtige Details und damit einen möglicherweise terroristischen Hintergrund verschweigen. Dem rechten Blog »De Dagelijkse Standaard« erschien es auffällig, dass die Polizei »sofort bekannt machte, dem Mann sei unwohl geworden, obwohl es eigentlich noch keine Zeit für eine richtige Untersuchung gab«.

Touristen Auch die Tatsache, dass drei der acht Verletzten Israelis waren, sorgt für Argwohn. Die israelische Botschaft bestätigte, dass es sich um Touristen gehandelt habe, die inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden seien. Weitere Angaben zu deren Identität wollte man vorläufig nicht machen.

Esther Voet, Chefredakteurin der jüdischen Zeitung »Nieuw Israëlitisch Weekblad«, bemängelt die Informationspolitik der Polizei als »sehr sparsam«. Zudem stünde sie im Widerspruch zu Zeugenaussagen. »Dadurch, dass sie sich die Karten vor die Brust halten, beginnt man sich Sorgen zu machen.« Dazu trage auch die Tatsache bei, dass noch immer keine bewegten Bilder des Vorfalls öffentlich gemacht wurden – »und das, obwohl der ganze Bahnhofsvorplatz voller Kameras ist«.

Ein Polizeisprecher sagte der Jüdischen Allgemeinen, just die Unglücksstelle gehöre zu einem kleinen Abschnitt, der von den Kameras nicht erfasst würde. Zweifel an der bisherigen Darstellung gebe es nicht. Allerdings werde man mit dem Fahrer, der am Montagnachmittag weiterhin in Gewahrsam war, ins Krankenhaus gehen. Möglicherweise enthalte seine Insulinpumpe weitere Informationen.

Großbritannien

Der erste Jude in 1000 Jahren

Nick Rubins ist neuer Sheriff von Nottingham – und hat nur bedingt mit Robin Hood zu tun

von Sophie Albers Ben Chamo  20.04.2024

Ungarn

Europäisch und zeitgemäß

Das einzige jüdische Theater heißt Gólem und ist jünger und provokanter, als die meisten erwarten

von György Polgár  18.04.2024

Großbritannien

Seder-Tisch für die Verschleppten

131 Stühle und zwei Kindersitze – einer für jede Geisel – sind Teil der Installation, die in London gezeigt wurde

 18.04.2024

Medien

Die Mutter einer Geisel in Gaza gehört zu den »einflussreichsten Menschen 2024«

Das Time Magazine hat seine alljährliche Liste der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres veröffentlicht. Auch dieses Mal sind wieder viele jüdische Persönlichkeiten darunter

 18.04.2024

Indonesien

Unerwartete Nähe

Das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt will seine Beziehungen zu Israel normalisieren

von Hannah Persson  18.04.2024

Schweiz

SIG begrüßt Entscheidung für Verbot von Nazi-Symbolen

Wann die Pläne umgesetzt werden, bleibt bisher unklar

von Imanuel Marcus  17.04.2024

Judenhass

Antisemitische Vorfälle in den USA um 140 Prozent gestiegen

Insgesamt gab es 8873 Übergriffe, Belästigungen und Vandalismusvorfälle

 17.04.2024

Chile

Backlash nach Boykott

Mit israelfeindlichem Aktionismus schadet das südamerikanische Land vor allem sich selbst

von Andreas Knobloch  16.04.2024

Kiew

Ukraine bittet um gleichen Schutz wie für Israel

Warum schützt der Westen die Ukraine nicht so wie Israel? Diese Frage stellt der ukrainische Staatschef Selenskyj in den Raum

von Günther Chalupa  16.04.2024