Schweden

»Nutznießer des Dritten Reiches«

Familiengeschichte: Königin Silvia (M.) mit ihren Eltern Alice und Walther Sommerlath (r.) Foto: dpa

Kurz, knapp und zurückhaltend kommentierte die Jüdische Gemeinde Stockholm die jüngsten Enthüllungen über den Vater der schwedischen Königin Silvia. »Wir sind der Auffassung, dass es gut ist, wenn so viele Fakten wie möglich ans Tageslicht kommen, bei denen es um Untaten geht, die gegen Juden begangen werden, wo auch immer dies der Fall ist«, formulierte Thomas Bab, Verwaltungschef der Jüdischen Gemeinde Stockholm, eher vorsichtig. Die Gemeinde wägt ihre offiziellen Kommentare wohlüberlegt ab, besonders wenn es um die schwedische Monarchie und deren ohnehin angekratztes Image geht.

Noch im Sommer hatte der Zentralrat der Juden in Schweden Kronprinzessin Victoria und Daniel zu ihrer Hochzeit einen silbernen Ring der Stockholmer Juwelierin Aviva Scheiman geschenkt – eine klare Geste der Loyalität gegenüber dem schwedischen Königshaus. Damals, kurz vor der Hochzeit, hatte Königin Silvia in einem Interview mit TV4 zur Familiengeschichte behauptet, ihr Vater sei »politisch nicht aktiv« gewesen. Wie der schwedische Fernsehsender TV4 nun herausfand, war Walter Sommerlath jedoch durchaus »Nutznießer des Dritten Reiches«.

Enteignung Dass der Vater der schwedischen Königin bereits 1934 der NSDAP beitrat, ist in Schweden seit knapp zehn Jahren bekannt. Dass er jedoch auch aktiv an der Enteignung jüdischer Firmen beteiligt war, ist für viele Schweden neu. Teil Zehn der TV4-Fernsehdokumentation »Kalla Fakta« über das schwedische Königshaus enthüllte am vergangenen Sonntag Walter Sommerlaths tatsächliche Aktivitäten im Dritten Reich.

Wie die Dokumentation belegt, kehrte Sommerlath im Frühjahr 1939 aus Brasilien nach Berlin zurück, um in Kreuzberg eine Fabrik zu übernehmen. »War der Eigentümer der Fabrik Jude? Nahm der Vater der Königin damit an der ›Arisierung‹ jüdischer Firmen teil?« Zwei Fragen, die »Kalla Fakta« mit Hilfe von aufwendig recherchierten Dokumenten, Interviews und Zeitzeugenberichten eindeutig mit Ja beantwortet.

Die Fabrik in der Wassertorstraße 14 gehörte bis 1939 Efim Wechsler, einem Berliner Juden. Walter Sommerlath kaufte Wechsler die Firma ein halbes Jahr nach der Pogromnacht nicht nur zu einem Spottpreis ab, sondern stellte sie auch unmittelbar auf Kriegsproduktion um. Während Wechsler im letzen Moment die Flucht aus Deutschland gelang, verdiente Walter Sommerlath fortan an der Herstellung von Fahrzeugen, Optik und Sichtgeräten für die Luftabwehr ein Vermögen.

Die Enthüllungen dürften ein weiterer Tiefschlag für das schwedische Königshaus sein. Seit Wochen schon steht das schwedische Staatsoberhaupt König Carl XVI. Gustaf wegen kompromittierender Berichte über sein Privatleben in der Kritik.

London

Jüdische Londoner fühlen sich von Aktivisten eingeschüchtert

Rund 40 Personen seien in ein jüdisch geprägtes Wohngebiet gezogen, hätten Parolen wie »Völkermord« skandiert und gefordert, der Staat Israel müsse verschwinden, sagen Augenzeugen

 01.04.2026

Nepal

Sederabend auf Rekordniveau

Wie Kathmandu zur Bühne einer der größten Pessachfeiern der Welt wurde

von Matthias Messmer  31.03.2026

Winnipeg

Jüdischer Anti-Zionist wird Chef der sozialdemokratischen NDP

Avi Lewis delegitimiere einen wesentlichen Teil jüdischer Identität, sagen jüdische Organisationen in Kanada

 31.03.2026

Österreich

Hamas-Narrative im ORF?

Für die Österreichische Medienbehörde ist klar, dass der ORF den Krieg im Gazastreifen in einer ausgestrahlten TV-Dokumentation verzerrt hat

von Nicole Dreyfus  30.03.2026

Porträt

Challa vom Prinzen

Idan Chabasov wurde mit seinen kunstvollen Zopfkreationen auf Instagram berühmt. Sein simples Rezept: Mehl, Wasser, Hefe und Verbundenheit zur jüdischen Gemeinschaft. Seine ersten Challot hat er in Berlin gebacken

von Nicole Dreyfus  29.03.2026

Gesa Ederberg

»Globaler und vielfältiger«

Die Berliner Rabbinerin über ihre neue Präsidentschaft der »Rabbinical Assembly«, amerikanische Kollegen und europäischen Elan

von Mascha Malburg  29.03.2026

Großbritannien

Wegen Hamas-Lob: Polizei nimmt Ärztin zum fünften Mal fest

Immer wieder machte die britisch-palästinensische Medizinerin Rahmeh Aladwan mit antisemitischer Hetze von sich reden. Doch auch dieses Mal wurde sie nicht in Haft genommen

 27.03.2026

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Eine iranisch-islamistische Terrorgruppe bekennt sich zu einem Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.03.2026