Ukraine

Neues Zuhause

Briefmarkenbogen mit einer Computersimulation des künftigen Waisenhauses Foto: PR

In der ukrainischen Schwarzmeermetropole wird derzeit eine neue Internatsschule für jüdische Waisenmädchen gebaut. Das »Mishpacha Orphanage Odessa« benannte Bauprojekt solle 2022 fertiggestellt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wegen der Corona-Pandemie gebe es einen geringfügigen Zeitverzug, teilt Mi­khail Opengeym auf Anfrage mit. Der in Odessa geborene, in Russland lebende Unternehmer steuert und finanziert das Projekt. Nach seinen Angaben beläuft sich dessen Gesamtbudget auf mehr als vier Millionen Euro. Opengeym hatte schon in den 2000er-Jahren den Umbau eines Gebäudes im Stadtzentrum von Odessa zu einem jüdischen Waisenhaus gefördert.

neubau Derzeit lebten und lernten dort 38 Jungen und 54 Mädchen, so Pressesprecherin Valerija Markova. Der Platz reiche nicht mehr aus. Die Jungen sollen künftig im Altbau des von Chabad Odessa getragenen Heims verbleiben. Der rund 5000 Quadratmeter große vierstöckige Neubau wird nahe der jüdischen Schule errichtet. Er werde unter einem Dach alles versammeln, was Kinder zum Leben und Lernen brauchen, betont Abraham Wolf, Oberrabbiner für Odessa und die Südukraine. Der Neubau biete Platz für 60 Mädchen.

Ein Chabad-Sprecher sagte dem ukrainischen Onlineportal »Jewish News«, das neue Waisenhaus für Mädchen werde Wohn- und Unterrichtsräume ebenso beherbergen wie Sporthalle, Mensa, Bibliothek und einen Spielplatz. Der Bau werde neuesten Standards in Energieeinsparung und Wärmedämmung entsprechen. Laut Markova hat der Grundriss des Dachs die Form eines Davidsterns.

Mit den Kindern arbeiten erfahrene Erzieher und Lehrer.

Mit den Kindern arbeiteten erfahrene Erzieher und Lehrer, berichtet Wolf über das derzeitige Waisenhaus für Jungen und Mädchen. Vom Schulunterricht abgesehen, gebe es auch künstlerische Kurse sowie Hobby- und Sportangebote. Alle Unterrichts- und Erziehungsmethoden würden, so Wolf, auf ihre Übereinstimmung mit der Halacha geprüft. Der Chabad-Rabbiner freut sich über die langjährige Bekanntschaft mit Opengeym. Er sei ein Mensch, »der in seinen Taten 100 Jahre vorausblickt«.

Opengeym sagt, ein Freund aus Odessa habe ihm davon erzählt, dass es beim Umbau des Waisenhauses an Geld mangelt, und er habe geholfen. »Die Ukraine, wo ich geboren wurde, durchlebt gerade keine einfachen Zeiten«, sagt Opengeym. Das gelte auch für die jüdische Gemeinde.

Rabbiner Wolf tue etwas sehr Gutes, indem er verlassene jüdische Kinder rette und ihnen die Chance auf ein gelungenes Leben biete. Er halte es für richtig und notwendig, dazu etwas beizutragen, sagt Opengeym. Er gibt zudem an, Odessas jüdische Gemeinde mit einem monatlichen Geldbetrag zu unterstützen.

Opengeym, der in Moskau unter anderem als Kunstsammler und Galerist agiert, ist in Deutschland fast unbekannt. 2018 fiel sein Name in einer gemeinsamen Recherche von SWR und »Berliner Zeitung« zu Immobilieninvestments des Putin nahestehenden russischen Unternehmers Arkadi Rotenberg in Deutschland. Opengeym wurde in diesem Zusammenhang eine geschäftliche Verbindung zu Rotenberg nachgesagt, der seit der Krim-Annexion auf der Sanktionsliste von EU und USA steht. Opengeym stritt diese Verbindung ab.

Briefmarke Das Nachrichtenportal USI.online meldete kürzlich, dass die ukrainische Post eine Briefmarkenserie und einen eigens gestalteten Briefumschlag zum Bauprojekt »Mishpacha Odessa« herausgegeben habe. Sie seien am 9. November, dem Welttag der Waisenkinder, im Beisein von Abraham Wolf präsentiert worden. Die Briefmarken und -umschläge zeigen unter anderem Computersimulationen der künftigen Internatsschule.

Überdies ist dort ein Konterfei des 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordeten Pädagogen und Schriftstellers Janusz Korczak neben einem Porträtfoto von Mi­khail Opengeym zu sehen. Auf einem dazwischen platzierten russischsprachigen Schriftzug steht: »Vom Holocaust – zur Wiedergeburt!« Beobachter kritisieren, hier werde eine Analogie zwischen Korczaks Arbeit mit jüdischen Waisenkindern und Opengeyms Engagement bemüht.

Karin Prien

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