Südafrika

Multikulti im Fokus

Wie ein klassischer griechischer Portikus wirkt der Eingang auf den Besucher, im dreieckigen Giebelfeld ein Magen David. Es ist das Portal der alten, 1863 errichteten Synagoge, heute Teil des nach der Jahrtausendwende von Südafrikas damaligem Präsidenten Nelson Mandela eröffneten Jüdischen Museums in Kapstadt.

Es befindet sich auf dem Gelände des jüdischen Kulturzentrums an der Hatfield Street am Rande der Kapstädter Museumsmeile. Mit dem Holocaust Centre, der Neuen Synagoge, einem koscheren Restaurant und einem Konferenzzentrum ist es seit seiner Eröffnung ein wahrer Besuchermagnet, der auch viele Touristen anzieht.

Anfänge Die Gründung des Museums geht auf eine Initiative des südafrikanischen Stahlunternehmers Mendel Kaplan zurück, eines großen Förderers des jüdischen Gemeinwesens in Südafrika und Israel, der zeitweise auch Vorsitzender der Jewish Agency war. Nach der im marokkanischen Casablanca war es die zweite Gründung eines jüdischen Museums auf dem Kontinent und die erste in Schwarzafrika. Entworfen hat das kastenförmige, mit Jerusalem-Stein verkleidete Gebäude Mike Hackner, ein weit über Südafrika hinaus bekannter Architekt.

Nicht ohne Grund wurde das jüdische Museum in Kapstadt eröffnet. Hier trafen nach 1806 die ersten Juden aus Großbritannien und Deutschland in der damaligen Kapkolonie ein und fanden als kleine Händler eine erste Existenzgrundlage.

Die von Hackner konzipierte Brücke zwischen der alten Synagoge und dem neuen Gebäudeteil des Museums soll an die Gangway der Schiffe erinnern, auf denen die jüdischen Einwanderer ankamen. Zu den ersten gehörten Joseph und Adolph Mosenthal aus Kassel, die 1833 eintrafen und bald zu den erfolgreichsten Unternehmern der Kolonie zählten. Eine zweite jüdische Immigrationswelle kam aus Russland. Nach der Ermordung von Zar Alexander II. machten sich in den 1880er-Jahren etliche Juden auf den weiten Weg nach Südafrika.

In ihren besten Zeiten zählte die jüdische Gemeinde Südafrikas um die 125.000 Mitglieder, heute sind es schätzungsweise 80.000. Viele Juden verließen das Land nach der blutigen Niederschlagung des Schüleraufstands in Soweto, der im Juni 1976 begann.

Einwanderung Im Grunde ist das Kapstädter Jüdische Museum ein Einwanderungsmuseum, das von der Ankunft, Niederlassung und dem Vorankommen der Juden in Südafrika in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten erzählt.

Die Dauerausstellung dokumentiert den großen Einfluss, den die südafrikanische jüdische Gemeinde bis in die Gegenwart auf die Geschicke des Landes hat. Bemerkenswert ist nicht nur die Darstellung ihres wirtschaftlichen Beitrags zur Entwicklung Südafrikas, der eng mit dem Gold- und Diamantenbergbau, aber auch mit dem Handel und heutigen Supermarktketten zusammenhängt, sondern auch das Bemühen, die Rolle jüdischer Südafrikaner im Anti-Apartheidkampf hervorzuheben.

Nelson Mandela, der seine Karriere als Rechtsanwaltsgehilfe in der jüdischen Kanzlei Witkin, Sidelsky and Edelmann begonnen hatte, betonte einmal ausdrücklich, dass nach seiner Erfahrung Juden in Fragen von Rasse und Politik sensibler waren als die meisten anderen Weißen Südafrikas – vielleicht, so sagte er weiter, weil sie in ihrer Geschichte selbst Opfer von Vorurteilen gewesen seien.

Apartheid Es kommt daher nicht von ungefähr, dass ein gewichtiger Teil der Ausstellung dem jüdischen Engagement in der Anti-Apartheidbewegung gewidmet ist. Doch es wäre verkürzt, das jüdische Leben in Südafrika auf diesen Aspekt zu reduzieren.

Zu den bekanntesten jüdischen Persönlichkeiten des Landes gehören neben dem Diamantenhändler Ernest Oppenheimer und der Politikerin Helen Suzman eben auch die expressionistische Malerin Irma Stern, die Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer, der Musiker Johnny Clegg oder der mittlerweile hoch geschätzte Künstler William Kentridge, dessen Werke auf der Biennale in Venedig, der documenta und vor nicht allzu langer Zeit auch im Berliner Gropius-Bau ausgestellt wurden.

Bemerkenswert ist, dass das Museum einen starken Fokus auf Multikulturalismus legt. Toleranz, Akzeptanz und Diversität sind Werte, die auch den schwarzen Schülergruppen aus den Townships gezeigt werden, die sich fast jeden Tag im Museum tummeln. Ein einzigartiges Programm sorgt dafür, dass das Museum die Kosten für die Busfahrt und eine Mahlzeit übernimmt. »Wir müssen uns umeinander kümmern, einander lieben, respektieren und vergeben«, sagt ein kleiner Schüler aus der Christmas Tinto Primary School am Ende seines Besuchs im Museum.

Die Straße zum Völkermord beginne »mit dem Hass auf das andere« auf der Basis von Rasse, Religion, Identität oder Ideologie», heißt es auch am Eingang des gegenüberliegenden Holocaust Centre, das ebenfalls einen Besuch lohnt.

www.sajewishmuseum.org.za

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