»Next Step«

Management, Leadership, Skills

Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes Foto: Gregor Zielke

»Next Step«

Management, Leadership, Skills

Jonathan Kreutner über junge Führungskräfte, ein Seminar und kulturelle Missverständnisse

von Tobias Kühn  03.04.2017 19:00 Uhr

Herr Kreutner, am vergangenen Wochenende hat in Zürich die zweite Runde des sogenannten Next-Step-Seminars begonnen. Was verbirgt sich hinter dem Namen?
Next Step ist ein Projekt des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, des Zentralrats der Juden in Deutschland und des Bundesverbands der Kultusgemeinden Österreichs. Es richtet sich vor allem an junge Erwachsene. Ihnen sollen gewisse Skills in den Bereichen Management und Leadership vermittelt werden. Wir wollen damit die künftige Führungsgeneration der jüdischen Gemeinden aufbauen.

Als Referenten hatten Sie diesmal Daniel Neubauer eingeladen, den Chef der Abteilung »Innovatives Lernen« bei der Zurich Versicherung. Was haben die Teilnehmer in den drei Tagen von ihm gelernt?

Daniel Neubauer ist ein absoluter Profi. Er hat den Teilnehmern anhand der Methoden, die er in seinem beruflichen Alltag anwendet, vermittelt, wie man richtig führt und aus welchen Herausforderungen man lernen kann. Er wird uns auch bei den beiden weiteren Seminaren dieser Reihe begleiten: Ende Juni in Berlin und Anfang Dezember in Wien.

Zu welchen Themen werden die Teilnehmer dort arbeiten?
Daniel Neubauer wird das vertiefen, was er in Zürich begonnen hat. Es geht ihm um die vier Bereiche: Wer bin ich? Wie führe ich mich selbst? Wie führe ich andere? Und wie führe ich um mich herum? In Zürich hat er sich vor allem mit den beiden ersten Themenbereichen beschäftigt.

Die erste Runde des Seminars endete vor einem Jahr. Wie haben Sie und die anderen Organisatoren das Seminar evaluiert?
Es war ein Pilotprojekt. Und wenn man etwas zum ersten Mal macht, kann man es danach immer besser machen. Wir haben Feedbacks der Teilnehmer eingeholt und alle Kritikpunkte sehr ernst genommen.

Was haben Sie bei dem aktuellen Seminar anders gemacht?
Wir haben gelernt, dass die Seminare thematisch aufeinander aufbauen müssen, denn die Zeit ist zu kurz, als dass man mehrere große Themen behandeln könnte. Wir haben auch gelernt, dass die Auswahl der Teilnehmer sehr wichtig ist, denn die Gruppe muss am Ende tatsächlich auch als Team agieren. Das hat aus meiner Sicht diesmal wunderbar geklappt.

Haben die Absolventen des ersten Seminars die von Ihnen erdachten Ziele erreicht: sich gut zu vernetzen und das erworbene Wissen in der Führung von Gemeinden und Organisationen auch anzuwenden?
Ich weiß nur über die Schweizer Teilnehmer Bescheid. Diejenigen, die das erste Seminar besucht haben, sind jetzt auch in Gemeinden aktiv, sei es haupt- oder ehrenamtlich. Sie haben Kontakte sowohl nach Österreich als auch nach Deutschland geknüpft und blicken jetzt über die Grenzen hinweg.

In Zürich tickt man anders als in Berlin, Hamburg oder Wien. Knirscht es bei den Seminaren manchmal zwischen den Teilnehmern?
Wir teilen zwar den gemeinsamen deutschen Sprachraum, aber natürlich gibt es kulturelle Unterschiede. Die Führungsmethoden und die Art der Kommunikation unterscheiden sich, es kommt zu Missverständnissen – das haben wir gemerkt. Für die Teilnehmer ist es wichtig, das zu erkennen, denn darauf müssen sie sich einstellen, auch wenn sie nur innerhalb des deutschsprachigen Raums zusammenarbeiten. Das Gute an dem Seminar ist aber, dass man in kleiner Runde unter professioneller Anleitung lernt, damit umzugehen.

Mit dem Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) sprach Tobias Kühn.

Ukraine

Die Kältefolter

Rund drei Stunden mit Licht und Wärme, gefolgt von etwa zehn Stunden ohne: So sieht heute der Alltag – oder vielmehr der Überlebenskampf – der meisten Kyiver aus

von Michael Gold  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Kommende Woche wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  20.01.2026

Nachruf

Zum »idealen arischen Baby« erklärt: Hessy Levinsons Taft gestorben

Der Fotograf sagte Tafts Familie damals, er habe bewusst das Foto eines jüdischen Kindes eingereicht, um die Rassenideologie der Nazis ad absurdum zu führen

von Imanuel Marcus  19.01.2026

USA

Top-Cop im Dilemma

Jessica Tisch, New Yorks erste jüdische Polizeipräsidentin, bleibt auch unter dem antizionistischen Bürgermeister Zohran Mamdani im Amt – zumindest vorerst

von Katja Ridderbusch  18.01.2026

USA

Old Shul

Bundesrichter Alvin K. Hellerstein leitet das Verfahren gegen Venezuelas Ex-Präsidenten Nicolás Maduro. Er ist 92 Jahre alt und orthodoxer Jude

von Michael Thaidigsmann  18.01.2026

Italien

Licht der Erinnerung

Die Juden Lecces wurden 1541 aus dem Königreich Neapel vertrieben. Fast 500 Jahre später wird ihre Geschichte in dem kleinen »Museo Ebraico« zu neuem Leben erweckt – dank zweier engagierter Familien

von Lydia Bergida  17.01.2026

Der Eruv kann auch teilweise aus ergänzten bei der Sigi-Feigel-Terrasse

Schweiz

Ein Eruv für Zürich

Unsichtbar im Stadtbild, spürbar im religiösen Alltag. Die größte jüdische Gemeinschaft der Schweiz spannt einen symbolischen Faden – und macht jüdisches Leben sichtbarer

von Nicole Dreyfus  20.01.2026 Aktualisiert

England

Maccabi-Fan-Bann: Ministerin entzieht Polizeichef das Vertrauen

Ein Bericht zum Agieren der West Midlands Police beim Ausschluss von Fans des israelischen Vereins Maccabi Tel Aviv vom Spiel gegen Aston Villa hat schwere Fehler zutage gefördert

 15.01.2026