Balkan

Konferenz über Antisemitismus in Griechenland

Mahnmal der Judendeportation in Thessaloniki Foto: imago

Am Montag und Dienstag trafen sich mehr als 70 Wissenschaftler aus Europa, Nordamerika und Israel an der Technischen Universität Berlin (TU) zu einer zweitägigen Konferenz über Antisemitismus in Griechenland. Organisiert vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU in Zusammenarbeit mit dem Centrum Modernes Griechenland der Freien Universität Berlin und dem griechischen Nationalzentrum für Sozialforschung sollte die aktuelle Forschung über religiöse, politische, wirtschaftliche und soziale Ausdrucksformen des Antisemitismus in Griechenland präsentiert und diskutiert werden.

Thessaloniki Besonders im Fokus stand und steht dabei die Geschichte der Gemeinde in Thessaloniki. Mit mehr als 50.000 Mitgliedern war sie vor dem Zweiten Weltkrieg das Zentrum des sefardischen Judentums und stellte zwei Drittel der Bevölkerung der Stadt. Fast alle wurden im Holocaust ermordet. In der Öffentlichkeit des Balkanlandes wird die Rolle der Juden im Griechenland der Vorkriegszeit häufig ausgeblendet. Darüber hinaus mangelt es an der Bereitschaft anzuerkennen, dass die Vernichtung der griechischen Juden in der Schoa nicht ohne die Hilfe der örtlichen Bevölkerung möglich gewesen wäre.

So verwiesen Leon Saltiel und Stratos Dordanas von der Mazedonischen Universität Thessaloniki in ihren einführenden Vorträgen auf die Kollaboration lokaler Stellen und die Bereicherung nichtjüdischer Griechen am Vermögen enteigneter und deportierter Juden. Gabriella Etmektsoglou von der Berliner Niederlassung der New York University beleuchtete in ihrem Beitrag den Nachkriegsantisemitismus in Südosteuropa und kam zu dem Schluss: »Die Überlebenden waren nicht willkommen.«

Panels In den insgesamt fünf thematisch fokussierten Panels ging es um Fragen nach historischen und regionalen Unterschieden und Besonderheiten, Formen des Antisemitismus in Griechenland heute, um die Unterschiede zwischen Antisemitismus und anderen Formen religiöser, rassistischer oder ethnischer Verfolgung. Wie wichtig diese Fragen sind, zeigte sich erst vergangene Woche wieder: In der griechischen Hauptstadt Athen wurde ein Holocaust-Mahnmal mit antisemitischen Grafiti beschmiert. Erst wenige Wochen zuvor war der jüdischen Friedhof von Thessaloniki geschändet worden.

Angesichts der Wahlerfolge der neofaschistischen Partei »Goldene Morgenröte« wäre ein noch stärkerer Fokus der Konferenz auf den Antisemitismus der Gegenwart sicherlich sinnvoll gewesen. Und wegen der Gräueltaten von SS und Wehrmacht, für die es zum Teil bis heute keine finanziellen Entschädigungen gab, hätte man sich zudem eine stärkere Thematisierung auch der Rolle der deutschen Politik nach dem Nationalsozialismus gewünscht.

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