Crans-Montana

Inferno bei Silvesterparty: Dutzende Tote in der Schweiz. Chabad-Betsaal von Großbrand nicht betroffen

Absperrungen nach der Feuerkatastrophe in Crans-Montana Foto: picture alliance/KEYSTONE

Eine Silvesterparty im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana ist in einer Feuer-Tragödie mit Dutzenden Toten geendet. Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. »Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum«, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. Bei dem Brand in der Bar »Le Constellation« sind nach Angaben der Polizei zudem rund 100 Menschen größtenteils schwer verletzt worden.

Crans-Montana ist einer der bekanntesten Touristenorte in den Schweizer Alpen und über Feiertage wie Weihnachten und Neujahr mit Tausenden Besuchern aus aller Welt meist ausgebucht. Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Opfern ausländische Gäste seien, so die Polizei. Ob Deutsche betroffen sind, war zunächst unklar. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. »Ein Anschlag kann absolut ausgeschlossen werden,« sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud bei einer Pressekonferenz.

In dem Gebäudekomplex, in dem das Feuer ausgebrochen ist, befindet sich auch ein Betsaal von Chabad Lubawitsch. Wie aus Informationen der lokalen jüdischen Gemeinde hervorgeht, blieb der Gebetsraum vom Feuer verschont. Bislang unklar ist, ob sich unter den Toten und Verletzten jüdische Besucher befinden und ob israelische Gäste vor Ort waren.

»Ein Anschlag kann absolut ausgeschlossen werden.«

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud

Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: »Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert«, sagte Christina Lutz. »Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.«

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. »Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht«, schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: »Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat«, schrieb er auf X.

Verpuffung als Auslöser wahrscheinlich

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler sagte. Die Explosionen, von denen Anwohner berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.

»Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an«, sagte Anwohner Jeoffrey d’Amecourt dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um die Bar auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt.

Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von Minuten vor Ort gewesen, so die Behörden. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe.

Die Polizei hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen.

Viele offene Fragen

Zur Brandursache konnte Staatsanwältin Pilloud zunächst keine Angaben machen. Ebenso äußert sie sich auf Nachfrage nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.

Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Dort landeten am Universitätsspital nach Angaben von Augenzeugen am Vormittag zahlreiche Hubschrauber. Weitere Opfer wurden in anderen Spitälern, insbesondere in Lausanne, dessen Spital auf Brandverletzungen spezialisiert sei.

Wie der »Walliser Bote« vermeldet, sollen am Abend des Neujahrstag noch mindestens 80 der 115 Verletzten in einem kritischen Zustand sein. Die Aussage stützt sich auf den Walliser Regierungspräsidenten Mathias Reynard, der die Zahl bestätigt haben soll.

In Crans-Montana kamen gegen Abend viele Menschen zusammen, um der Opfer des Brandes zu gedenken. Es wurden Blumen rund um den Unglücksort niedergelegt, die Leute legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Ausgebuchter Ferienort

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar und Anfang Februar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer. (mit ja)

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