New York

»Ich bin das Produkt«

Der Designer Ralph Lauren am Samstag bei der New York Fashion Week in Bridgehampton Foto: picture alliance / Sipa USA

Ob First Lady Jill Biden oder die Olympia-Teilnehmer der USA: Ralph Lauren hat sie alle eingekleidet. Biden saß auch im September in den Hamptons vor New York in der ersten Reihe der Modenschau des US-Designers, um sie herum Stars wie Naomi Watts, Jude Law und Usher. Am Montag, den 14. Oktober wird Lauren 85 Jahre alt - und läuft gerade zu Höchstform auf. »Ich dachte, Mode wäre langweilig geworden«, sagte der Modemacher der »New York Times«. »Aber ich hatte noch mehr mitzuteilen.«

Alles begann mit einem Accessoire. »Anfangs wollte ich meiner Persönlichkeit Ausdruck verleihen«, sagte Lauren einmal in einem Interview. Er entwarf Krawatten - und präsentierte sie dem New Yorker Edel-Kaufhaus Bloomingdale’s. »Sie sagten, sie mögen sie, aber sie wollten sie schmaler und ihr eigenes Label daraufsetzen und ich sagte, dass ich das nicht machen kann. Sechs Monate später kamen sie zu mir und sagten: Du darfst dein eigenes Regal haben und dein eigenes Label.«

Danach machte er Hemden - und es ging immer weiter. »Es ging nicht um Mode, sondern darum, was ich wollte. Und auf einmal habe ich gemerkt, dass ich dabei war, eine eigene Welt aufzubauen und Geschichten zu erzählen über die Dinge, die ich liebe.« Lauren verkauft Kleidung, aber auch ein Bild von sich selbst. »Der Grund dafür, dass es funktioniert - und es funktioniert immer noch - ist, dass ich derjenige bin, der ich bin. Ich bin das Produkt. Wenn du meinen Stil magst, magst du meine Kleidungsstücke.«

»Ich hatte viel Glück«

Diese Herangehensweise ließ ihn zum einflussreichen und wohlhabenden Designer werden - mit weltumspannendem Mode-Imperium, mehreren Villen unter anderem im US-Bundesstaat New York und in Jamaika sowie einer Sammlung kostbarer Oldtimer. »Das ist meins und es ist etwas, das ich aufgebaut habe. Ich bin stolz, denn ich habe es mit Integrität und Stil aufgebaut, aber man fühlt nicht alles, von dem man denken könnte, es zu fühlen. Ich habe immer hart gearbeitet und mich nie auf meinen Lorbeeren ausgeruht.«

Geboren wurde Lauren 1939 als jüngstes von vier Kindern einer jüdischen Einwandererfamilie in der New Yorker Bronx. Seinen eigentlichen Nachnamen Lifshitz änderte der Filmfan wegen des besseren Klangs in Lauren - nach der Schauspielerin Lauren Bacall. Seine Mutter Frieda und sein Vater Frank, ein Künstler und Maler, waren aschkenasische Immigranten aus dem heutigen Gebiet des Staates Belarus.

Ralph Lauren ist einer von mehreren jüdischen Design-Größen, die in der Bronx aufwuchsen. Calvin Klein und Robert Denning gehören dazu.

Arzt oder Rechtsanwalt

Als Kind trug Lauren die abgelegten Kleidungsstücke seiner älteren Geschwister, kombinierte sie aber auf ungewöhnliche Weise. »In der Bronx habe ich ihn als Kind immer gesehen und gedacht: ‚Wer ist dieser Mensch? Wer zieht sich so an?‘ «, erinnert sich Laurens Kollege Calvin Klein, der - drei Jahre später und nur wenige Straßenecken entfernt geboren - ebenfalls zu einem der berühmtesten Designer Amerikas wurde.

Ralph Lauren in seinem ElementFoto: picture alliance / Charles Sykes/Invision/AP

»Meine Mutter und mein Vater wollten, dass ich Arzt, Rechtsanwalt oder irgendetwas Sicheres werde, Lehrer oder so«, sagte Lauren einmal dem TV-Sender CBS. »Ich hatte viel Glück. Ich hätte der Türsteher werden können, oder irgendjemand. Daran denke ich die ganze Zeit.«

Breitere Krawatten

Doch Lauren wurde nicht irgendjemand. Er studierte ein bisschen Wirtschaft, verließ das College, ging zwei Jahre zur Armee und nahm danach erste Jobs in der Modeindustrie an. Schon bald ging er eigene Wege - von Anfang an selbstbewusst und kompromisslos. Seine Krawatten waren breiter, ausdrucksstärker und teurer als alle anderen, seine Marke nannte er Polo nach der Pferde-Sportart. »Polo steht für einen Lifestyle. Die Menschen, die Polo spielen, waren international und sehr elegant.«

Bis heute ist der Polospieler Laurens Markenzeichen und prangt auf Hemden und Poloshirts weltweit - dabei hat Lauren selbst nie Polo gespielt. »Aber ich wünschte, ich hätte. Bei meiner Kleidung geht es um Atmosphäre und Stil. Es geht darum, einen Traum zu erschaffen, den ich für mich selbst wollen würde.«

Das Hauptthema von Laurens Mode blieb immer gleich: Amerika. Alles dreht sich um die Farben der US-Flagge Rot, Weiß und Blau, alles dreht sich um Freiheit, Unabhängigkeit und das Streben nach dem individuellen Glück. Lauren ist der amerikanischste aller Designer.

Spezielle Herangehensweise

»Ralph hat dem amerikanischen Design eine ganz spezielle Herangehensweise und eine Würde gegeben«, sagte die Schauspielerin Audrey Hepburn (1929-1993) einmal. »Er hat uns die Romantik des Westens gegeben, den Glamour Hollywoods, die Abenteuer einer Safari, die Reinheit Neuenglands, die Einfachheit eines modernen Strandhauses, den Reichtum eines schicken Anwesens - nur besser, als wir sie uns vorgestellt haben.«

Viele Stars tragen Ralph Lauren - und Ralph Lauren ist der Star seiner eigenen Firma. Auf Werbeplakaten sind häufig er selbst, seine Frau Ricky, mit der er seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist, und die drei gemeinsamen Söhne zu sehen. »Ich bin der Star. Mir ist das nicht peinlich. Man kommt zu Ralph Lauren, um Ralph Lauren zu kaufen.« Und Lauren ist gerne ein Star. »Ich mag es, wenn ich erkannt werde, wenn ich nach Paris komme und die Menschen drehen sich nach mir um und erkennen mich. Ich bekomme gute Plätze im Kino und im Theater.«

»Ich hatte keinen Masterplan und habe das ehrlich nicht so geplant. Es war Instinkt, Bauchgefühl, Liebe, Leidenschaft und Ehrlichkeit«, sagte der Designer, der seit mehr als einem halben Jahrhundert das nach ihm benannte Unternehmen leitet und auch zum 85. Geburtstag keine Rückzugspläne hat. »Es ist Kleidungsstück für Kleidungsstück passiert.« (mit ja)

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

USA

Antisemitische Empörungswelle gegen Sesamstraße

Nach einem Post zum Monat des jüdisch-amerikanischen Erbes überschlagen sich die hasserfüllten Kommentare

von Sabine Brandes  05.05.2026

Meinung

Der Antisemitismus und wie Sir Tony ihn (nicht) sah

Nach der Messerattacke auf zwei Juden in Golders Green hat ein ehemaliger britischer Diplomat der »Times« einen Leserbrief geschickt. Er verdeutlicht, warum einem als Jude in Großbritannien mulmig zumute sein muss

von Stephen Pollard  05.05.2026

New York

Juden am meisten von Hassverbrechen betroffen

Im April waren jüdische New Yorker erneut in einem erschreckendem Ausmaß mit Judenhass konfrontiert

 05.05.2026

London

Starmer lädt zu Antisemitismus-Gipfel in Downing Street

Der Premier will Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Spitzentreffen in London zusammenbringen. Ziel ist es, Strategien gegen Judenhass zu entwickeln

 05.05.2026

Kommentar

Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Ein Mann wollte in Zürich eine Synagoge in Brand stecken. Der Täter gestand die Attacke. Er kam vor Gericht. Nun wurde er freigesprochen

von Nicole Dreyfus  04.05.2026

Frankreich

Mit einer Prise Antisemitismus in den Elysée?

Mit 74 Jahren nimmt Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon zum vierten Mal Anlauf auf das Präsidentenamt. Dabei operiert er gezielt mit antisemitischen und antiisraelischen Narrativen

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  04.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026